„Ich fühle mich von VW betrogen“

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Axel Bock (72) ist einer von Millionen Betroffenen des Abgas-Skandals. Nun hat er gegen VW Klage eingereicht. Zwei Münchner Anwälte erklären, was vor Gericht zu holen ist. Sie vertreten nicht nur den Rentner aus Bogenhausen.

rentner will nach abgas-skandal sein geld zurück 

Von Andreas Thieme

Sein neues Auto hatte sich Axel Bock (72) gezielt ausgesucht: Einen VW Polo, „weil er mit einem geringen Schadstoff-Ausstoß beworben wurde. Das gefiel mir, weil ich umweltbewusst bin.“ Im Dezember 2012 hatte der Rentner aus Bogenhausen deshalb 21000 Euro beim Händler bezahlt und einen 1.6 TDI erhalten. Jahre später blieb Axel Bock nur noch Ärger: Denn sein Polo ist einer von Millionen betroffenen Autos im VW-Skandal. Auch bei ihm wurde eine Schummel-Software eingesetzt, die den Abgas-Ausstoß im Prüfstand drosselt – im Fahrbetrieb aber nicht. Seitdem steht der Polo in der Garage.

Das will Axel Bock nicht auf sich sitzen lassen. „Ich fühle mich betrogen“, sagt er. „Und wenn mich jemand reinlegen will, werde ich sauer.“ Deshalb hat der Rentner Klage gegen VW eingereicht. Mithilfe von Anwälten kämpft er jetzt um sein Geld.

Markus Klamert und sein Kollege Marc Frey kennen sich mit diesen Fällen aus: Die Kanzlei KMP3G in der Pettenkoferstraße vertritt mehr als 100 Betroffene des Abgas-Skandals. Per Klage wollen sie VW zu einer Kaufpreis-Rückzahlung zwingen – am einfachsten sei es, die Ansprüche gegen die jeweiligen Händler durchzusetzen, da sie das Auto verkauft haben.

Vergleichbare Urteile zeigen, was möglich ist: Ein Käufer hatte 25 000 Euro für seinen Volkswagen gezahlt und rund 21 000 Euro zurückbekommen. „Den vollen Kaufpreis bekommt man leider nach rechtlicher Lage momentan nicht“, sagt Anwalt Marc Frey. „Man muss einen Nutzungsersatz leisten. Und der berechnet sich aus dem Bruttokaufpreis mal gefahrene Kilometer geteilt durch die zu erwartende Gesamtlaufleistung.“ Nach diesem Muster hatte im September 2015 bereits ein Münchner Ehepaar Recht erhalten – sie waren die ersten überhaupt, die einen Prozess gewannen und erhielten 17 000 Euro zurück.

Axel Bock könnte ähnlich viel bekommen. Er ist 57 000 Kilometer mit seinem Polo gefahren. „Vom Händler wurde mir kürzlich ein Software-Uptdate angeboten. Aber für die Ummodelung gibt es nicht mal eine Gewährleistung. Das ist eine Unverschämtheit“, sagt er. Mit viel Wut im Bauch verfolgt der Senior auch, wie VW sich in der Aufklärung des Abgas-Skandals verhält. Hat Konzern-Chef Martin Winterkorn tatsächlich von nichts gewusst? „Diese Behauptung finde ich sehr unverfroren.“ Seit Ende vergangener Woche ermittelt nun die Staatsanwaltschaft gegen Winterkorn.

Für Axel Bock wird es t am 4. Juli ernst: Dann wird sein Fall verhandelt. „Aufgrund der Täuschung von VW muss der Kauf rückabgewickelt werden“, so Freys Prognose. „Die Stimmung hat sich gedreht“, sagt auch Klamert – immer mehr Richter seien mittlerweile auf Seiten der Kläger. Das bestätigt ein Urteil des Landgerichts Hildesheim vom 17. Januar. Darin stufen die Richter das Verhalten von VW als „sittenwidrig“ ein: Die Manipulationen seien eine „bewusste Täuschung“ und „ebenso verwerflich“ wie etwa die Beimischung „von Pferdefleisch in Lasagne“. Laut Anwalt Frey handelt es sich um ein „spektakuläres Urteil“, das aber noch nicht rechtskräftig sei.

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