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Corona verlässt die Intensivstationen

Hohe Dunkelziffer bei Infektionen – aber ein Indikator gibt ganz klar Entwarnung

Seit Ende April auch die Testpflicht an Schulen aufgehoben wurde, muss man sich nur noch an wenigen Orten testen lassen. (Symbolbild)
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Seit Ende April auch die Testpflicht an Schulen aufgehoben wurde, muss man sich nur noch an wenigen Orten testen lassen. (Symbolbild)
  • Kathrin Braun
    VonKathrin Braun
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München – Die meisten Corona-Beschränkungen sind seit gut einem Monat Geschichte. Der befürchtete Negativeffekt ist ausgeblieben, die offiziellen Infektionszahlen sinken. Zwar ist das wirkliche Infektionsgeschehen kaum noch überschaubar, weil sich immer weniger Menschen testen lassen, aber Grund zur Sorge besteht derzeit dennoch nicht – denn immer weniger Menschen mit einer Corona-Infektion landen in der Klinik oder sogar auf der Intensivstation. Ein Überblick. 

Wie hoch sind die Fallzahlen in Bayern?

Gestern wurden in Bayern 17.509 Neuinfektionen sowie noch 19 Todesfälle durch das Coronavirus gemeldet. Die meisten Corona-Toten wurden Ende 2020 erfasst: Im Dezember waren es in Bayern in nur einer Woche 960. Die 7-Tage-Inzidenz im Freistaat lag gestern bei 650,1 – im März hatte die Inzidenz noch über 2000 betragen. Die Inzidenz ist im Bundesvergleich in Bayern derzeit überdurchschnittlich hoch – der deutschlandweite Wert liegt momentan bei 566,8. Diese Zahlen sind mittlerweile aber kaum noch verlässlich: Das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) rechnet mit einer hohen Dunkelziffer. Durch die hohen Fallzahlen seien die Gesundheitsämter nach wie vor überlastet, weshalb das LGL von einem „starken Meldeverzug“ ausgeht. Zudem müssen die bayerischen Gesundheitsämter an Wochenenden und Feiertagen keine aktuellen Corona-Zahlen mehr ans LGL melden, weshalb es vor allem zu Wochenbeginn zu Schwankungen kommt.

Wie viele Menschen lassen sich noch testen?

Seit Ende April auch die Testpflicht an Schulen aufgehoben wurde, muss man sich nur noch an wenigen Orten testen lassen – dazu gehören Krankenhäuser, Gefängnisse, Alten- und Pflegeheime. Deutschlandweit haben letzte Woche etwas mehr als eine Million Menschen einen PCR-Test machen lassen. Fast 436.000 Tests waren positiv – das sind rund 43 Prozent. Die Positivrate ist damit zwar weiterhin hoch, aber auch sie sinkt stetig. In der Woche davor hatte sie noch bei über 50 Prozent gelegen.

Zum Vergleich: Mitte März, kurz bevor die Corona-Maßnahmen auf Bundesebene weitgehend aufgehoben wurden, ließen sich noch mehr als 2,3 Millionen Menschen PCR-testen – also mehr als doppelt so viele wie heute. Auch die Positivrate war zu dem Zeitpunkt mit 56,4 Prozent ein ganzes Stück höher. Laut dem Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) ist die hohe Positivrate „ein starker Hinweis auf eine Untererfassung“ von Corona-Erkrankten – also auf eine hohe Dunkelziffer. Zudem ist der Wert auch darauf zurückzuführen, dass Bürger ohne Symptome in der Regel erst nach einem positiven Schnelltest Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test haben. 

Wie ist die Lage in den Krankenhäusern?

Stand Mittwoch waren in Bayern 208 Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt. Zum schlimmsten Zeitpunkt der Pandemie im vergangenen Dezember lagen mehr als 1000 Menschen auf Bayerns Intensivstationen. Ein kritischer Wert ist laut bayerischer Klinikampel bei etwa 600 Belegungen erreicht. Im Münchner Uniklinikum rechts der Isar wurden zuletzt 61 Corona-Patienten behandelt, sechs davon auf der Intensivstation. Die Zahl der Corona-Patienten gehe immer weiter zurück, sagte eine Sprecherin. „Auch bezüglich coronabedingter Personalausfälle hat sich die Lage zuletzt entspannt.“

In der München Klinik ist die Zahl der Corona-Patienten seit einigen Wochen ebenfalls rückläufig, erzählt Kliniksprecher Raphael Diecke. „Das ermöglicht, dass planbare und verschobene Operationen wieder stattfinden können.“ Zuletzt wurden in den Häusern der München Klinik 89 Corona-Patienten behandelt, davon fünf auf der Intensivstation. „Gleichzeitig bleibt die Situation für das Personal herausfordernd, da Infektionen im privaten Bereich weiterhin zu Personalausfällen führen“, sagt Diecke, „wenn auch nicht im gleichen Ausmaß wie noch vor einigen Wochen.“

Wo wird noch Maske getragen?

FFP2-Masken sind nur noch in wenigen Bereichen Pflicht: im ÖPNV, in Bahnen (nicht aber an Bahnhöfen) und Taxen, in Universitäten, Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeheimen sowie in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünften. Jugendliche bis 16 Jahre dürfen eine einfache OP-Maske tragen, Kinder bis sechs brauchen gar keine. Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) denkt aber bereits darüber nach, bei einer erneuten Welle im Herbst die Maskenpflicht in Innenräumen wieder anzuordnen.

Fahren wieder mehr Leute U-Bahn?

Die Nutzer sind noch zögerlich. „Seit Anfang des Jahres hat sich die Nachfrage nur langsam erholt“, sagt MVG-Sprecher Maximilian Kaltner. Im März sei die Nutzung von Bus, Tram und U-Bahn um 28 Prozent geringer als im Vor-Corona-Zeitraum gewesen. Nach den Osterferien sei der Wert auf 20 Prozent gesunken. „Das bedeutet, es sind immer mehr Fahrgäste unterwegs, der Zuwachs entwickelt sich aber eher stetig als schnell. Es bestehen nach wie vor ausreichend freie Kapazitäten in unseren Fahrzeugen.“ Zum Vergleich: Im Dezember 2021 lag das Fahrgastaufkommen bei 65 Prozent des Normalwerts, zu Lockdown-Zeiten im April 2020 gar nur bei 27 Prozent.

Ist das Leben in die Citys zurückgekehrt?

„In der Innenstadt ist es noch lange nicht vergleichbar mit der Vor-Corona-Zeit“, sagt Wolfgang Fischer von City-Partner, dem Verein der Münchner Innenstadthändler. „Das liegt vor allem am fehlenden Tourismus.“ In der Fußgängerzone seien immer noch 20 bis 25 Prozent weniger Passanten unterwegs als im Frühjahr 2019. In den Geschäften kehre aber langsam wieder Normalität ein: „Die meisten Menschen tragen in den Läden mittlerweile keine Maske mehr.“

Was ist aus Homeoffice geworden?

Seit dem 20. März gibt es keine Homeoffice-Pflicht mehr. Unternehmen können jetzt selbst entscheiden, ob sie ihre Mitarbeiter von daheim arbeiten lassen. Bei BMW zum Beispiel können die Mitarbeiter „in Abstimmung mit ihrer Führungskraft anteilig oder vollumfänglich“ mobil arbeiten, sagte eine Sprecherin.

Erwarten uns neue Virus-Varianten?

Noch ist keine neue Variante im Anmarsch – aber es wurden mehrere Subtypen von Omikron festgestellt. Aktuell dominiert in Deutschland der Subtyp BA.2 – laut Robert-Koch-Institut lag der Anteil zuletzt bei 95 Prozent. Kürzlich sind auch die Untervarianten BA.4 und BA.5 in einigen Ländern bekannt geworden, die von der WHO als „besorgniserregend“ eingestuft werden. BA.5 wurde in Deutschland vereinzelt festgestellt, BA.4 noch gar nicht.

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