Höfen-Prozess: Lebenslange Haft gefordert

  • schließen
  • Weitere
    schließen
Die Angeklagten Jakub G., Malga L., Michal N. und der mutmaßliche Haupttäter Robert P. (re., mit Sakko) stehen zu Beginn des Prozesses im Hochsicherheits-Gerichtssaal der Justizvollzugsanstalt Stadelheim. Foto: dpa

Im Prozess um den doppelten Raubmord von Königsdorf im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen hat die Staatsanwaltschaft für die vier Angeklagten hohe Freiheitsstrafen gefordert. Der Haupttäter (44) soll lebenslänglich hinter Gitter. Zudem droht ihm die Sicherungsverwahrung.

Doppel-Raubmord

Von Angela Walser

Königsdorf – Am späten Freitagabend begann Staatsanwältin Ines Wießner ihr Plädoyer vor dem Landgericht München II. Vorsitzender Richter Thomas Bott wollte es offenbar vermeiden, dass die Verteidiger das Verfahren durch wiederholte Beweisanträge über die nächste Woche hinaus in die Länge ziehen würden.

Und so setzte Wießner nach einem langen Verhandlungstag im Sitzungssaal von München-Stadelheim zum Schlussvortrag an: „Es war ein Albtraum eines jeden von uns, im Schlaf angegriffen zu werden“, stieg die Staatsanwältin mit einem deutlichen Bild ein. Und dann schilderte sie, wie Robert P. (44) mit seinem Neffen Michal N. (25) an einem Februartag 2017 von Polen in den Raum Bamberg gefahren war, um dort den dritten Mann im Bunde, Jakub G. (34), abzuholen. Roberts Schwester Malga (50) hatte den Plan ausgeheckt, bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber, einer Frau (76) aus Höfen bei Königsdorf, einzubrechen und Bargeld wie Gold zu stehlen. Sie sei die Initiatorin gewesen, sagte Wießner. Die 50-Jährige hatte im Herbst den schwer kranken Mann der Königsdorferin gepflegt und war dabei schnüffelnd durch das Haus gezogen. Im Keller entdeckte sie einen Tresor, im Obergeschoss Goldmünzen und Schmuck. Sie wusste, dass der Ehemann eine Erbschaft angetreten hatte, die im Tresor lagerte.

Nach dem Tod des älteren Herrn ging Malga L. zurück nach Polen. Dort weihte sie ihren Bruder, mit dem sie sich eigentlich nicht so gut verstand, in ihren Plan ein. Was die drei Männer dann in jener Februarnacht 2017 im Haus der Königsdorferin anrichteten, übersteigt wohl jegliche Vorstellungskraft. „Es sah aus, wie nach einem Bombenanschlag“, erinnerte sich der erste Polizeibeamte, der am Tatort eintraf. Und der herbeigerufene Notarzt sagte: „Ich habe 1000 Einsätze gefahren. Das war das Schlimmste, was ich in meinem Leben gesehen habe.“

Im Haus waren die drei Männer auf die Witwe und zwei Bekannte (81 und 76 Jahre) getroffen. Sie schlugen brutal – zum Teil mit einem Uhrengewicht – auf die älteren Leute ein. Sie folterten sie, stachen ihnen mit einem Schraubenzieher ins Gesicht, sie brachen ihren Opfern die Rippen und zerrten den 81-Jährigen und die Hausherrin in den Keller. Deren Köpfe schlugen hierbei auf den Stufen auf. Die 76-Jährige ließen sie im Bett liegen. Sie war bereits an der Aspiration von Blut und Schleim erstickt.

Staatsanwältin Wießner gelang eine genaue Zuordnung der Tatbeiträge jedes Einzelnen. Demnach war niemand nur traumatisiert danebengestanden, so wie es die Komplizen des 44-Jährigen behauptet hatten. Nach der Tat schleppten die Männer einen fast 50 Kilogramm schweren Tresor zum Auto. In dem befanden sich über 120 000 Euro Bargeld, ein Gewehr und eine Pistole sowie zwei Goldbarren. Dann flüchteten sie.

Die Staatsanwältin forderte wegen Mordes beziehungsweise versuchten Mordes, erpresserischen Menschenraubes sowie schweren Raubes mit Todesfolge für den Haupttäter Robert P. und die übrigen drei Mitangeklagten lebenslange Haftstrafen. Bei den angeklagten Männern erkannte sie zudem die besondere Schwere der Schuld, für Robert P. beantragte sie außerdem Sicherungsverwahrung.

Am Dienstag, 2. Oktober, soll das Verfahren mit den Plädoyers der Verteidigung fortgesetzt werden. Dann folgt das Urteil.

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare