Polizei fassungslos

Hochwasser bei Bad Feilnbach: Autos ignorieren Straßensperre und gehen reihenweise baden

Die Staatsstraßen 2089 und 2010 bei Bad Feilnbach waren am Dienstag (4. August) komplett überschwemmt. Der Polizei blieb nichts anderes übrig, als die Straßen zu sperren. Doch dann erlebten die Beamten ihr blaues Wunder.

Bad Feilnbach – Die beiden Staatsstraßen bilden für viele Anwohner und Durchreisende in der Gegend rund um Bad Feilnbach einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt – insbesondere bei Sperrungen auf der Autobahn A8. Und weil es dort ebenfalls zu Überschwemmungen kam, versuchten viele Autofahrer über Bad Feilnbach auszuweichen. Keine gute Idee.

Straßen bei Bad Feilnbach mussten gesperrt werden

Durch das Hochwasser wurden alle vier Fahrtrichtungen der beiden Staatsstraßen stark überspült. Das Wasser stand teils 30 bis 40 Zentimeter hoch, wie die Polizei meldet. "Aus Sicht der Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer war es daher zwingend notwendig, die Straßen komplett zu sperren", schreibt die Polizei in einer Meldung.

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Es sei darum gegangen, Autos und Menschen vor größeren Schäden zu bewahren. Denn, so die Polizei: "In dem verdreckten Wasser kann man nicht erkennen, ob Teile der Fahrbahn weggespült sind oder sich große mitgetriebene Gegenstände dort ablegten." Zusammenstöße auf überschwemmten Straßen könnten ernsthafte Folgen haben, warnt die Polizei.

Die A8 war bei Rosenheim West zeitweise überflutet und gesperrt. Viele Autofahrer versuchten, über Bad Feilnbach weiterzukommen – und hatten noch weniger Erfolg.

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Auto- und Lasterfahrer ignorieren die Sperre und sorgen für Chaos

Die Straßenmeisterei Rosenheim reagierte und sperrte die beiden Staatsstraßen bei Bad Feilnbach. Doch was dann passierte, macht die Einsatzkräfte fassungslos. Schnell merkten die Polizisten, dass die Verkehrsteilnehmer wohl eher von einer Empfehlung des Verkehrszeichens 250 ausgingen – und nicht von einem Verbot.

Das Verkehrszeichen 250 - Verbot für Fahrzeuge aller Art - interessierte viele Autofahrer bei Bad Feilnbach am 4. August nicht. Sie versuchten, die überflutete und gesperrte Strasße dennoch zu passieren.

Laufend kamen laut Polizeimeldung neue Fahrzeug an den Kreisverkehr herangefahren, durchfuhren die strömenden Wassermassen und mussten dann wieder zurückgeschickt werden. Es gab kein Weiterkommen. Zeitweise standen vier Sattelzüge und 30 Fahrzeuge am Kreisverkehr. Es staute sich sogar bis in die Wassermassen zurück.

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Warnbaken beiseite gerückt, um in die überflutete Straße zu fahren

Selbst als die Fahrbahn komplett gesperrt wurde, also auch die Gegenfahrbahn, schoben Autofahrer die Warnbaken beiseite und versuchten ihr Glück. Die Polizei erlebte alle möglichen Ausreden: „Ich bin doch Arbeiter, für mich gilt das nicht.“ Oder: „Da waren keine Schilder.“

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Traurige Bilanz – ein Lastwagen sowie ein Paketdienstfahrer blieben in den Wassermassen am Kreisverkehr stecken. Eine ältere Frau aus der Gemeinde Bad Feilnbach wurde mit ihrem Wagen weggespült und musste direkt am Kreisverkehr befreit werden.

Erhebliche Schäden an liegengebliebenen Fahrzeugen

Im Bereich Wasserwiesen fuhren drei Fahrzeuge ins Wasser – daraus mussten vier Personen von der Feuerwehr befreit werden. Drei Fahrzeuge waren bereits im Wasser gestanden, ohne die Fahrer.

Es ist laut Polizei davon auszugehen, dass diese Fahrzeuge einen „Wasserschlag“ erlitten. Die Halter müssen nun mit hohen Reparaturkosten rechnen – wenn die Autos überhaupt noch zu retten sind.

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Die Polizei weißt in diesem Zusammenhang nochmals eindringlich darauf hin, was das Zeichen 250 beudetet: das Verbot, in eine Straße einzufahren. "Das gezeigte Verhalten ist nicht tolerierbar und wurde konsequent geahndet", teilt die Polizei mit. Sie appelliert an die Autofahrer, in Hochwasserlagen wie am 4. August vernünftig zu bleiben und sich an Straßensperren zu halten.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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