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Niedrige Pegel

Hitzewelle trocknet Bayerns Bäche aus: Auch der Inn ist betroffen

Niedriger Pegel auch bei der Viking Var in passau
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Niedriger Pegel auch bei der Viking Var in Passau

Trockenheit lässt die Pegel sinken. Der Inn bei Wasserburg etwa ist bereits jetzt als „niedrig“ eingestuft. Und es könnte noch schlimmer kommen.

München/Weilheim/Passau – Der Landwirt Max Keil kennt den Gröbenbach, der von Germering bis Dachau fließt und dort in die Amper mündet, von Kind auf. Dass der Bach komplett austrocknet, hat er aber noch nie erlebt. Jetzt ist es so weit. „Die Kneipp-Anlage ist nur noch eine Pfütze“, sagt er. Die Quelle am nahen Parsberg sei versiegt. „Da kommt kein Nachschub mehr.“ Weiter unten, in Puchheim, schlug Anwohnerin Ursula Schuler-Kokkas Alarm: Mit Nachbarin Sonja Freinecker sammelte sie eiligst Fische aus den Bach. Dutzende zappelten im Schlamm, viele waren schon verendet. Bayern trocknet aus. Das ist vielleicht zu dramatisch formuliert – aber die Pegelstände der Fließgewässer gehen in der Tat sichtbar zurück. Vor allem an kleineren Bächen drohen Trockenheit und Fischsterben.

Der Niedrigwasserbericht des Landesamts für Umwelt, in dem die täglichen Pegelstände der Flüsse aufgelistet sind, zeigt die Lage. Fast alle Flüsse in Südbayern haben „niedrige“ oder sogar „sehr niedrige“ Wasserstände. Dennoch will Korbinian Zanker vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim nicht dramatisieren. So misst die Part nach am Pegel Partenkirchen 44 Zentimeter und führt 2,7 Kubikmeter Wasser je Sekunde. Das sei „zwischen mittlerer und niedriger Wasserführung“. An der Loisach sei es ähnlich, bei Eschenlohe sind die Abflüsse „zwar unterdurchschnittlich“, aber immer noch oberhalb eines mittleren sommerlichen Niedrigwassers. An der Oberen Isar in Mittenwald ist der Abfluss auf 10,9 Kubikmeter je Sekunde gesunken – der Mittelwert ist 16,9. Der Sylvensteinspeicher, für den Wasserstand der Isar bis München ganz entscheidend, ist gut gefüllt. Die Niedrigwasserreserve stehe „noch zu 100 Prozent“ zur Verfügung, betont Zanker. Allerdings: Derzeit fließt mehr Wasser unten raus, als oben neu hinzu kommt. Derzeit fließen 14 Kubikmeter je Sekunde ab, ab heute werde diese Menge um weitere zwei Kubikmeter auf 16 erhöht. Das sei „eher hoch“.

Nur noch ein Rinnsal sind indes teilweise die kleineren Bäche und Flüsse. Die Würm führte am Mittwoch nur 2,7 Kubikmeter je Sekunde – die Hälfte des Üblichen. Auch Rott , Maisach, Glonn oder Isen sind als „sehr niedrig“ eingestuft. Bäche wiederum sind zumeist als sogenannte „Gewässer 3. Ordnung“ eingestuft, dort gibt es keine Pegelmessungen, eine Überwachung kaum möglich, aber die Lage dürfte – siehe Gröbenbach – dramatisch sein.

Ein Grund für die Entwicklung sind die niedrigen Grundwasserstände. Sie erholen sich normalerweise im Winter. „Die Niederschlagsbilanz des vergangenen Winterhalbjahres 2021/22 fiel jedoch, besonders in Südbayern, erneut zu trocken aus“, berichtet das Landesamt für Umwelt. „Nach den zu trockenen Monaten Mai und Juni hat sich der Anteil niedriger Grundwassermessstellen bayernweit auf derzeit rund 60 Prozent erhöht.“ Hinzu komme natürlich die aktuelle Trockenheit.

Wer an den großen Flüssen unterwegs ist, der sieht zunehmend Kiesbänke, die aufgrund zurückgehenden Wasserstands sichtbar werden. Der Inn bei Wasserburg etwa ist als „niedrig“ eingestuft. An der Donau zwischen Straubing und Vilshofen könnten bei weiter sinkenden Pegeln die Hotelschiffe bald nicht mehr durchfahren, sagt Hans Kerber vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Donau. Flusskreuzfahrtschiffe mit einem großen Tiefgang hätten bereits Probleme. Bei Güterschiffen könne durch das Gewicht der Ladung der Tiefgang gesteuert werden, bei den Kreuzfahrtschiffen gehe das natürlich nicht. „Ein Streckenabschnitt , der nicht befahrbar ist, kann mit Bussen überbrückt werden“, sagt Kerber. Aber ob das für die Fahrgäste noch so attraktiv ist?

Die Behörden stehen der Entwicklung weitgehend machtlos gegenüber –außer Wassersparappelle gab es bisher nicht viel. Im Landkreis Hof und in der Stadt Bayreuth allerdings wurde verboten, Wasser aus den Flüssen – etwa zur Bewässerung der Gärten – abzuzapfen.

dw/tog/dpa

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