Hitlergruß per Handy

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Martialisch setzte sich Philipp K. gerne in Szene.

Im Prozess gegen Waffenhändler Philipp K. verdichten sich die Hinweise auf eine rechtsradikale Gesinnung. Zunehmend stellt sich die Frage, ob auch K. den Amoklauf am OEZ plante oder doch nur die Waffen lieferte. Immer mehr Nebenkläger fordern nun eine Anklage wegen Beihilfe zum Mord.

OEZ-Waffenhändler vor gericht

Von andreas thieme

Während all der hitzigen Diskussionen, der ständigen Unterbrechungen im Prozess und der Flut von Anträgen scheint es Philipp K. (32) zu sein, der die Ruhe behält. Mit verschränkten Armen sitzt er zwischen seinen Verteidigern auf der Anklagebank. Er verzieht keine Miene, antwortet ruhig auf die Fragen des Richters und hilft sogar, die Waffen zuzuordnen, die er an elf Kunden aus dem Internet verkauft hatte. Dabei ist er es, an dem sich am zweiten Prozesstag erneut ein erbitterter Rechtsstreit entzündet.

Im Kern geht es um die Anklage, die K. längst eingeräumt hat. Wird er wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, drohen ihm nur rund drei Jahre Haft. Das wollen die Nebenkläger aber nicht akzeptieren und fordern eine Verlegung des Prozesses zum Schwurgericht – denn dort drohen härtere Strafen. Etwa wegen Beihilfe zum Mord. Diesen Tatbestand sehen die Anwälte der Opfer-Familien als erfüllt an. Auch deshalb, weil Ermittler gestern etliche Indizien dafür geliefert haben, dass Philipp K. eine rechtsradikale Gesinnung hat. So wie es auch für Amokläufer David S. vermutet wird.

In Videos hatte der angeklagte Waffenhändler mit einem Freund auf übelste Weise gegen Ausländer gehetzt, zeigte den Hitlergruß und schrieb „Sieg Heil“ in seine Chat-Nachrichten. Er selbst hatte in früheren Verhören gesagt, das seien „normale Verabschiedungen“ gewesen. Wirklich? Dagegen spricht, dass auf seinem Handy Fotos des Amokläufers von Nizza gefunden wurden. Ihn hatte Philipp K. wohl verehrt. Zudem hing in K.’s Wohnung ein skurriles Bild von seinem Gesicht, das auf den Kopf von Adolf Hitler montiert war.

Unter dem Pseudonym „Rico“ war Philipp K. im Darknet aufgetreten. Längst hatte der Zoll dort seine Kunden im Visier. Mit ihnen kommunizierte K. in verschlüsselten Nachrichten-Diensten, die die Fahnder aber präzise auswerten konnten. „Was du mit den Waffen machst, ist deine Sache“, hatte K. etwa geschrieben. „Eventuell kann ich sie dir günstiger verkaufen.“ In den Nachrichten hatte K. nach dem Amoklauf auch seine Ängste geäußert. „Ich bin derjenige, der dem Amokläufer die Glock 17 verkauft hat. Muss jetzt für eine Weile abtauchen.“ Zwei der Waffenkäufer wurden mittlerweile verurteilt.

Verräter leben freilich gefährlich – das erklärte gestern ein Zeuge, der selbst in Waffenkäufe involviert war. „Ich werde dich töten. Oder Leute tun es, die ich aus dem Darknet kenne“, so sei er vor seiner Aussage bedroht worden. Das Gericht berät nun, ob der 34-Jährige ins Zeugenschutzprogramm muss. Denn seine Aussage soll unbedingt gehört werden, zumal er behauptet, dass es noch einen Mitwisser für den Amoklauf gebe. Aus Angst um seine Sicherheit könne er diesen aber nicht preisgeben – er verweigerte zunächst seine Aussage.

Vor Gericht sorgte der Mann trotzdem für einen Paukenschlag. Denn schon am Morgen hatte er bei der Staatsanwaltschaft zwei Strafanzeigen eingereicht. Eine ging gegen die Ermittler, die „schlampig gearbeitet“ und den Tod der Amok-Opfer fahrlässig mitverursacht hätten. Die zweite richtet sich gegen den Mitwisser und lautet auf Beihilfe zum Mord.

Mit Spannung erwartet wird heute auch das Ergebnis des Befangenheitsantrags gegen Richter Frank Zimmer. Wird der Vorsitzende abgelehnt, könnte Philipp K. sofort freikommen. Das haben seine Verteidiger beantragt, weil K. nun länger als ein Jahr in Untersuchungshaft sitzt.

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