„Historischer Auftrag wird erfüllt“

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Elf israelische Sportler kamen 1972 beim Olympia-Attentat von München ums Leben. Jetzt soll direkt neben dem Haus, in dem die Geiselnahme stattfand, ein Gedenkort mit Dauerausstellung entstehen.

Gedenkstätte für Opfer des Olympia-Attentats  

Elf israelische Sportler kamen 1972 beim Olympia-Attentat von München ums Leben. Jetzt soll direkt neben dem Haus, in dem die Geiselnahme stattfand, ein Gedenkort mit Dauerausstellung entstehen.

VOn Johannes LÖhr

Eine schlichte Marmorplatte erinnert bislang an den Tag, an dem die „heiteren Spiele“ alle Heiterkeit verloren. Jenen 5. September 1972, an dem die Mannschaft Israels bei den Olympischen Spielen in München im Dorf der Athleten von der palästinensischen Terrorgruppe „Schwarzer September“ überfallen wurde. Zwei Sportler starben schon im Haus Connollystraße 31. Neun andere, ein Münchner Polizeibeamter und fünf Terroristen verloren ihr Leben am späten Abend bei einem Schusswechsel auf dem Militärflughafen Fürstenfeldbruck.

Im vergangenen Jahr beschloss die Bayerische Staatsregierung, dass mehr als eine Marmorplatte an die Ereignisse erinnern soll. Jetzt sind die Pläne konkret. Wie das bayerische Kabinett gestern beschloss, soll auf der Anhöhe südlich der Connollystraße 31 ein offenes Gebäude entstehen, das eine Dauerausstellung beherbergt. Der Standort ist Eigentum des Freistaats und ermöglicht unmittelbare Sichtbezüge zum Tatort und zu den Sportstätten.

Geplant ist laut Kultusministerium ein zeitgemäßer museumspädagogischer Ansatz aus verschiedenen Perspektiven. In der Ausstellung werden die Themen „Biografien“, „Internationale Politik“ und „Olympische Spiele“ vertieft. Die Biografien der Opfer stehen dabei im Zentrum. Das Attentat wird als Zäsur in der jüngeren Geschichte der internationalen Politik eingeordnet, da 1972 Terror erstmals zu einem globalen Medienereignis wurde. Die Planungen ermöglichten es, dem Geschehen „einen dauerhaften Ort zu geben“, sagte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). „Damit wird ein historischer Auftrag erfüllt.“

Für das Ausstellungskonzept sind Bernhard Purin, Direktor des Jüdischen Museums in München, und Jörg Skriebeleit, Direktor der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, zuständig. „Unsere Arbeit am Konzept steht kurz vor dem Abschluss“, sagte Purin gestern auf Anfrage. Voraussichtlich nach der Sommerpause werde man der Öffentlichkeit erste Inhalte vorstellen können.

Bis 2016 soll der Gedenkort fertiggestellt sein. Geplant ist auch ein zusätzliches Projekt am Fliegerhorst Fürstenfeldbruck, in das dem Vernehmen nach der Tower des Flughafens mit einbezogen wird. Der zweite Gedenkort dürfte allerdings auf sich waren lassen, bis die Bundeswehr das Gelände im Jahr 2018 verlässt. Zur Umsetzung des Projekts an der Connollystraße wird nun ein Wettbewerb ausgeschrieben. 1,7 Millionen Euro kosten die Planung und Realisierung der Baumaßnahme sowie die Konzeption und Kuratierung durch ein Projektteam.

In die konzeptionellen Überlegungen waren auch das Bundesinnenministerium, der Deutsche Olympische Sportbund, die Israelitische Kultusgemeinde München, das Generalkonsulat des Staates Israel sowie die Sprecher der Gruppe der Überlebenden des Attentats und Familienangehörige einbezogen.

Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD) zeigte sich erfreut vom Fortgang des Projekts: „Die konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten hat rasch zu Ergebnissen geführt, die nun umgesetzt werden sollen. Uns war es besonders wichtig, dass die Überlebenden des Attentats und die Angehörigen der Opfer in alle Überlegungen eingebunden werden.“ Die Stadt München werde die weiteren Ausarbeitungen des Konzeptes sowie die Realisierung des Gedenkraums unterstützend begleiten. Küppers: „Auch hier zeigt sich – wie bei der Entstehung des NS-Dokumentationszentrums München –, dass in Kooperation zwischen Freistaat und Stadt wichtige Projekte der Erinnerungsarbeit verwirklicht werden können.“

Marian Offman (CSU), Münchner Stadtrat jüdischen Glaubens und Vorstandsmitglied der Israelistischen Kultusgemeinde, sagte gestern auf Anfrage: „Erinnern und Gedenken hat für Juden einen hohen Stellenwert. Viele jüdische Touristen haben in der Stadt einen Ort vermisst, an dem sie der Opfer gedenken können.“ Das zeigten schon die vielen Steine, die nach jüdischer Tradition auf der jetzigen Gedenktafel abgelegt worden sind. „Es sind so viele, dass sie schon runterfallen.“

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