Historiker von Aretin tot

mit 90 . München – Der Historiker Karl Otmar Freiherr von Aretin ist tot.

Er starb bereits am Mittwoch im Alter von 90 Jahren in München, teilte die Familie in einer Traueranzeige mit. Einer seiner wissenschaftlichen Schwerpunkte war das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zwischen 1648 und 1806.

Er habe das Versagen der Eliten in Demokratie und Diktatur geschildert und Deutschlands Wiederaufstieg nach dem Zweiten Weltkrieg kritisch begleitet, heißt es in einem Nachruf der Technischen Universität Darmstadt, wo von Aretin von 1964 bis 1988 gelehrt hatte. Ab 1968 wurde er zudem Ko-Direktor des Instituts für Europäische Geschichte in Mainz und blieb dort bis 1994. Pläne zur Berufung von Aretins an die Münchner Universität scheiterten stets. Von Aretin wurde am 2. Juli 1923 geboren. Sein Vater Erwein war Redakteur der Tageszeitung „Münchner Neueste Nachrichten“ und wurde als enger Weggefährte der Wittelsbacher und Anhänger einer monarchistischen Restauration Bayerns bereits im März 1933 von den Nazis 14 Monate lang ins Konzentrationslager in Dachau gesteckt. Seine Erinnerungen „Krone und Ketten“ waren in den 1950er Jahren ein Bestseller.

1946 begann sein Sohn Karl Otmar in München sein Geschichtsstudium. Sein Schwiegervater war Henning von Tresckow, der zu den Verschwörern des 20. Juli 1944 zählte. Von Aretin hat drei Kinder. Die 2006 verstorbene Fernsehfrau Annette von Aretin war seine Cousine. Nach Angaben der TU Darmstadt arbeitete er fast bis zuletzt.  dw

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