Hilferuf aus dem Krankenhaus: Corona-Klinik Mühldorf braucht dringend Intensiv-Pflegerinnen

Unter hoher Belastung, weil sie einfach viel zu wenige sind: Die Corona-Klinik Mühldorf braucht dringend mehr Intensivpfleger.

Die Situation in der Corona-Klinik Mühldorf spitzt sich zu. Grund ist nach Angaben von Medizinvorstand Dr. Wolfgang Richter nicht in erster Linie die viel diskutierte Knappheit an Beatmungsgeräten. In Mühldorf sind vor allem Intensivpflegerinnen knapp. Ein Hilferuf.

Mühldorf - Es ist ein dramatischer Appell, den Chefartz Richter aussendet. Denn die medizinische Versorgung in der Corona-Klinik Mühldorf belastet derzeit vor allem Pflegerinnen und Pfleger in der Intensivmedizin. Sie sind einfach zu wenig für die viele Arbeit. Richter sagt deshalb: „Alle, die da draußen sind, kommt zu uns.“ Er meint Intensivpfleger in Rente, Erziehungsurlaub, Teilzeit, die die Not lindern könnten.

20 neue Mitarbeiter sind nötig

Unterstützung komme aus der zweiten Klinik des Verbunds, Altötting, aber auch dort würde das Fachpersonal gebraucht. Schließlich soll im Nachbarlandkreis die medizinische Grundversorgung gesichert werden.

Lesen Sie auch: 

Coronaklinik Mühldorf: Mitarbeiter erleben organisierten Ausnahmezustand

So nähen Sie sich eine Gesichtsmaske – Anleitung mit Video

„Wir sind knapp unter dem Limit“, sagt Richter zur Personalsituation im Krankenhaus Mühldorf. Zur regulären Intensivstation komme bereits der ehemalige Aufwachraum, im nächsten Schritt werde auch die Intermediate Care für Intensivbetten freigemacht. Weil die Arbeitsbelastung so hoch sei, müsse dringend mehr Personal her: „Wir müssen das abfangen, sonst besteht die Gefahr der Überbelastung.“

Triage im Krankenhaus noch kein Thema

20 zusätzliche Kräfte wären hilfreich, sagt Richter, „das würde uns die Arbeit um einiges erleichtern“. Nach seiner Ansicht kommt der Engpass nicht überraschend: „Intensivpflegepersonal war schon vor der Krise knapp.“ 18 Beatmungsbetten gibt es derzeit, noch reichen sie aus, sagt Richter, 16 kommen in den nächsten Tagen dazu.

Die Frage der Entscheidung wer beatmet wird oder nicht, stellt sich laut Richter damit nicht anhand der Zahl der Beatmungsbetten. „Es wird niemand triagiert, weil wir keine Ressourcen hätten. Wir fällen Entscheidungen wie im normalen Klinikalltag auch.“

+++ Alle Infos zu Corona finden Sie in unserem Liveblog zur Lage in der Region und in Bayern. Hier finden Sie Informationen zu Inefektionszahlen in den Landkreisen Rosenheim, Mühldorf sowie in Bayern und Deutschland. +++

Und diese Entscheidung über die richtige medizinische Behandlung stelle sich häufig, wenn Schwerstkranke oder alte Menschen eingeliefert würden und die Frage anstehe, wie sie behandelt werden sollen. Die Entscheider im Krankenhaus würden sich dabei an vorliegenden inhaltlichen Richtlinien und ihrer ärztlichen Erfahrung ausrichten.

Entscheidung über Beatmung

Mindestens genauso wichtig ist laut Richter die vorab getroffene Entscheidung des Patienten: Welche Behandlung will ich mir zumuten? Der Medizinvorstand rät deshalb dringend dazu, die Krise zu nutzen und im Rahmen einer Patientenverfügung festzulegen, welche Behandlung ein Mensch sich zumuten will. Viele alte Menschen wollten keine Intensivbehandlung mehr und hätten das auch festgeschrieben.

Warum die Zahlen der bestätigten Erkrankungen im Landkreis Mühldorf derzeit noch deutlich unter denen der Nachbarlandkreise liegen, können die Fachleute nicht sagen. „ Das wissen wir nicht und spekulieren ist in dieser ernst zu nehmenden Situation nicht Sache der Gesundheitsbehörden“, heißt es dazu aus dem Gesundheitsamt Mühldorf. Die Mitarbeiter gehen aber nicht davon aus, dass der Landkreis mittelfristig glimpflich davon kommt.

+++Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

„Wir rechnen damit, dass wir weiter eine Zunahme der Infektionsfälle verzeichnen werden“, heißt es dazu. „Durch die Ausgangsbeschränkungen, die nun in der zweiten Woche in Kraft sind, gehen wir aber davon aus, dass sich die Verbreitungsgeschwindigkeit in absehbarer Zeit verlangsamen und die Infektionskurve flacher werden wird.“

Beste Behandlung bis zum Schluss

Eines ist - manchen Gerüchten zum Trotz - sicher: Einen grausamen Tod stirbt auch ein lungengeschädigter Corona-Kranker nicht. Die palliativ-medizinische Begleitung gehöre zum grundsätzlich zum Alltag der Betreuung in der Klinik, sagt Medizinvorstand Dr. Wolfgang Richter. Sie wird auch in der Coronakrise nicht in Frage gestellt. „Das ist die Basis jedes medizinischen Handelns“, sagt Richter. „Einen qualvollen Tod muss im Krankenhaus niemand sterben.“

Mehr zum Thema

Kommentare