IM BETRUGSPROZESS AM LANDGERICHT LEGEN DIE ANGEKLAGTEN FALSCHEN POLIZISTEN GESTÄNDNISSE AB

„Es hieß, diese Senioren sind kriminell“

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Zwei der sieben Angeklagten. Ihre Gesichter verbergen sie hinter Akten, sonst sind sie nicht so zimperlich. Foto: Jantz

Von der Türkei aus rufen sie Münchner Senioren an, setzen sie unter Druck und zocken Geld ab: Das ist die Masche der falschen Polizisten.

Allein im vergangenen Jahr machten Betrüger auf diese Weise allein in München 4,3 Millionen Euro Beute. Sieben Männern eines dieser Verbrecherringe wird seit Mittwoch wegen Bandenbetrugs der Prozess gemacht.

Am Freitag äußerten sich die Angeklagten, allesamt eher Handlanger, erstmals zum Fall und legten Geständnisse ab. „Ich wurde von Bekannten gefragt, ob ich mir etwas dazuverdienen will. Da ich arbeitslos war und hohe Schulden durch meine Spielsucht hatte, habe ich mitgemacht“, sagte etwa Sercan E. (38). Laut Anklage war er einer von zwei „Logistikern“. In der Hierarchie der Betrüger ist das die mittlere Ebene: Logistiker koordinieren die Geldabholung bei den Opfern.

Alles im Auftrag der Bosse, die in der Türkei sitzen und die man deshalb kaum belangen kann. Immerhin: Die Ermittler kommen den Drahtziehern zumindest auf die Spur. „Die Hintermänner sind Türken, die aus Deutschland abgeschoben wurden“, sagte ein weiterer Angeklagter. „Sie sagten uns, dass die deutschen Senioren Steuerbetrüger sind und ihr Geld unrechtmäßig erworben haben“, erklärt Sercan E. So verkaufen offenbar die Bosse ihre Taten vor den eigenen Bandenmitgliedern, die das auch nicht weiter hinterfragten. „Es hieß, diese Senioren sind kriminell“, sagt Sercan E. Er sollte auch drei Fahrer besorgen und anteilig am Gewinn bezahlt werden. „Wenn wir 10 000 Euro von einem Rentner holten, sollte ich ein Viertel davon erhalten.“ Anteilig davon wurden auch die Fahrer und Geldabholer entlohnt.

Doch nach und nach wurde Sercan E. klar, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Er sagt: „Alle wussten, dass es für diesen Betrug keine milde Strafe gibt. Aber ich dachte, das Risiko, erwischt zu werden, ist nicht so hoch.“ Doch Staatsanwaltschaft und Polizei ermittelten monatelang und schnappten die Täter. Ihnen droht nun jahrelange Haft.

Ende November sollen die Urteile in dem Prozess ergehen, in dem insgesamt sieben Taten der falschen Polizisten angeklagt sind, fünf davon haben sich laut Staatsanwaltschaft in München zugetragen, und zwar im Zeitraum 26. Juli bis 29. August 2017.

In einem Fall verlor eine Seniorin, damals 68 Jahre alt, sogar insgesamt 500 000 Euro. Die Täter hatten sie stundenlang am Telefon unter Druck gesetzt und zur Herausgabe ihres Geldes überredet. Per Telefonüberwachung und Stimmenvergleichs-Gutachten konnten die Betrüger überführt werden. Das Geld ist weg. andreas thieme

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