Die Helden in der Höhe

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Sie sind da, wenn andere sie brauchen. Andreas Müller-Cyran und Hans Frey helfen auf ganz unterschiedliche Weise, wenn in den Bergen ein Unglück geschieht. Für ihr unermüdliches Engagement werden sie heute geehrt.

Ehrung der Bergwacht

von Dominik Göttler

München – Wenn für andere die Welt zusammenbricht, ist Andreas Müller-Cyran da. Er ist der Karabinerhaken für Menschen, die den Halt zu verlieren drohen. In den schrecklichsten Momenten, wenn es sich anfühlt, als würde die Welt nur noch aus Schmerz bestehen. Der Notfallseelsorger betreut Angehörige nach einem plötzlichen Todesfall. Er tut das nach Verkehrsunfällen, Suiziden, aber auch nach Bergunfällen – wenn aus einem Abenteuer in der Natur urplötzlich eine Tragödie wird.

Müller-Cyran ist Leiter der Notfallseelsorge in der Erzdiözese München und Freising und in gewisser Weise ein Pionier. Er hat vor vielen Jahren das bundesweit erste Kriseninterventionsteam gegründet – und diese Form der Betreuung von Angehörigen und Überlebenden auch in der Bergwacht Bayern mitinitiiert. Dafür wird er heute mit dem „Bergwacht-Edelweiß“ in der Münchner Residenz ausgezeichnet.

„Am Berg ist die Krisenintervention eine ganz andere als in der Stadt oder auf dem flachen Land“, sagt der 55-Jährige. Nach einem tragischen Alpinunfall geht es nicht nur darum, den mitunter traumatisierten Angehörigen das Rüstzeug zu geben, mit dem tragischen Verlust umzugehen. „Diese Menschen müssen ja oft zusätzlich noch körperlich leistungsfähig sein, um etwa den Abstieg zu meistern“, sagt Müller-Cyran. Der Überlebende muss trotz Schock und Schmerz funktionieren. „Hier sind wir gefragt.“

Nicht immer können die Notfallseelsorger dabei Hoffnung geben. „Ein ,wird schon wieder‘ ist manchmal der falsche Weg“, sagt Müller-Cyran. Wenn die Todesnachricht unausweichlich ist, müsse man Tacheles reden, so schmerzhaft es ist. „Es gibt keine Worte der Welt, die eine solche Nachricht weicher machen.“

Dass Andreas Müller-Cyran in seinem Beruf beinahe täglich mit dem Tod konfrontiert wird, hat auch ihn selbst verändert. Vielleicht auch weil er eine Krebserkrankung überstand, versteht er das Leben vor allem als ein Geschenk. „Man entwickelt eine andere Art von Dankbarkeit, hier sein zu dürfen“, sagt er schlicht. Diese Einstellung gibt er auch an die vielen Mitglieder der Bergwacht weiter, die er über die Jahre in der psychosozialen Notfallversorgung ausgebildet hat.

Aber er ist nur einer von mehreren Engagierten, die heute in der Residenz geehrt werden. So überreicht Innenminister Joachim Herrmann die Leistungsauszeichnung in Silber etwa an Hans Frey aus Ohlstadt im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Der 60-Jährige bewirtet nicht nur durstige Wanderer auf der Heimgartenhütte nicht weit vom Herzogstand. Er ist auch seit 45 Jahren Bergwacht-Mitglied – wie es schon sein Vater war und sein Sohn jetzt ist.

Seine Tätigkeit auf 1785 Metern bringt es mit sich, dass er oft als Erster vor Ort ist, wenn Wanderer Hilfe benötigen. Einmal fiel ihm etwa ein Gast auf, der ziemlich blass in der Hütte saß. „Wir haben ihn mit in die angrenzende Bergwacht-Diensthütte genommen und untersucht“, sagt Frey. Noch während sie sich unterhielten, wurde der Mann plötzlich ohnmächtig, Herzversagen. Frey reagierte sofort, mit dem Defibrillator wurde der Mann reanimiert. „Das war kurz vor knapp.“

In solchen Fällen kann es durchaus mal sein, dass seine Hüttengäste ein bisschen länger auf ihre Verpflegung warten müssen. „Das kommt schon mal vor“, sagt Frey und lacht. „Aber dafür hat jeder Verständnis.“

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