„Heiterkeit, die den Schmerz zur Mutter hat“

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Hans Well stellt seine Autobiografie „35 Jahre Biermösl Blosn“ im Wirtshaus Fraunhofer vor – Familie, Freunde und Weggefährten gratulieren Die Konkurrenz spricht Hans Well gleich selbst an – oder besser: Er singt über sie in einem Gstanzl.

„Zwoa Biacha glei auf oamoi, von uns Biermösln, von uns drei. Meine Briada warn zwar schneller – aber gor ned schlechter is des mei.“ Die geladenen Gäste der Buchvorstellung in der Wirtschaft Fraunhofer lachen erleichtert. Die Trennung des berühmten Brüder-Trios „Biermösl Blosn“, das 35 Jahre zusammen musiziert hat, sie schmerzt noch – Michael und Stofferl Well sind Hans außerdem mit ihrem Rückblick auf die gemeinsame Zeit um ein paar Wochen zuvorgekommen (wir berichteten). Aber Hans Well, der am Mittwoch 60 Jahre alt wird, kann schon Witze drüber reißen.

Letztlich gehe es auch nicht um ein Gegeneinander, betont Well. Er selbst war auf Kuba, als die Brüder ihre Anekdotensammlung „Biermösl Blosn: Tokio – Kapstadt – Hausen“ vorstellten. Und auch die beiden fehlen an diesem Sonntag im Fraunhofer. Aber das sei sicher nicht bös gemeint, sagt Well. „Wir kommen immer noch gut miteinander aus.“ Fünf der 15 Schwestern und Brüder des Well-Clans sind immerhin da, außerdem Mutter Traudl (93) und Weggefährten wie Fredl Fesl, Regisseur Christian Müller und Intendant Michael Lerchenberg.

Und natürlich Dieter Hildebrandt. Auch der 85-jährige Kabarettist will die Wells in seiner Laudatio nicht trennen. Er erinnert sich daran, wie er nach dem Tod seiner Frau 1985 fassungslos feststellen muste, dass kein Pfarrer eine Trauerfeier für die Katholikin halten wollte, die mit einem Protestanten verheiratet war. Erst die „Blosn“ fand einen liberalen Geistlichen. Vater Hermann Well und die drei Brüder übernahmen die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes. „Ich werde das nie vergessen“, sagt Hildebrandt. „Diesen Augenblick nicht und die Familie Well nicht.“

Dieser ernste Ton zieht sich natürlich nicht durch den gesamten Vormittag, im Gegenteil. Aber es wird schon deutlich, dass Hans Well eben ein ernsthaftes Buch geschrieben hat, eines, das mit „35 Jahre Biermösl Blosn“ eigentlich falsch betitelt ist, handelt es sich dabei doch um eine wahrhaftige Autobiografie. „Es ist ein Buch, das jene Heiterkeit vermittelt, die aus der Tiefe kommt“, sagt Hildebrandt, „und darum wertvoll ist, weil sie den Schmerz zur Mutter hat.“ Es geht um eine harte Kindheit, die eben kein Idyll war, sondern ein Konkurrenzkampf unter Geschwistern. Es geht um Überforderung. Und um die geistige Enge in der oberbayerischen Provinz der 60er- und 70er-Jahre. Es sei ein „Sittenroman der Nachkriegsrepublik“ geworden, sagt Hildebrandt. Vater Well, auch das thematisiert Sohn Hans als Erster, war als junger Mann begeisterter Nazi, stellte sich im Laufe seines Lebens aber selbst infrage. „Das halte ich für die große Lebensleistung meines Vaters“, sagt Hans Well im Gespräch mit Autor Axel Hacke.

Da zeigt er sich dann auch stolz auf die Blosn, auf die Musikalität von Stofferl, auf die Diplomatie von Micherl, bei dem sich die vom Spott getroffenen CSU-Politiker ausweinen durften. „Wir waren unangenehm für die Schwarzen, weil wir glaubwürdiger als sie den Begriff Heimat vertreten haben.“ Letztlich geht es auch noch einmal um die Gründe für die Trennung. Die spontane musikalische Umsetzung von aktuellen Themen habe ihm gefehlt, sagt Well, die Biermösl Blosn habe zuletzt nur noch Best-Of-Programme gespielt. „Darunter habe ich gelitten.“ Die letzten Jahre sei die Gruppe de facto erledigt gewesen.

Wie anders das bei seiner „Wellbappn“ ist, beweist Well an diesem Tag. Zusammen mit seinen Kindern Tabea, Sarah und Jonas spielt er ein paar Stücke, unter anderem – ganz aktuell – ein „Passionslied“ für Ex-CSU-Fraktionschef Georg Schmid. „Es hat mal jemand gesagt, die Wellbappn blasen frischen Wind ins alte Segel“, meint Hans Well augenzwinkernd. „Was will man als altes Segel mehr?“ Johannes Löhr

Das Buch

„35 Jahre Biermösl Blosn“ von Hans Well, Kunstmann-Verlag, 19,90 Euro.

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