Heimreise mit neuer Hoffnung

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Mit Umarmungen wird Besim Hasani von seiner Familie zu Hause im Kosovo begrüßt. Er hat Deutschland freiwillig wieder verlassen. Doch er hat noch Hoffnung. Foto: FKN

Besim Hasani ist im Februar mit seiner Familie aus dem Kosovo geflüchtet, weil es in seiner Heimat keine Perspektiven gab. Serie: Meine Flucht nach Oberbayern .

Seine Familie musste bereits zurückreisen. Nun hat er sich entschieden, ihnen freiwillig zu folgen. Doch seinen Traum von einem Leben in Deutschland hat er noch nicht aufgegeben.

Besim Hasani ist im Februar mit seiner Familie aus dem Kosovo geflüchtet, weil es in seiner Heimat keine Perspektiven gab. Seine Familie musste bereits zurückreisen. Nun hat er sich entschieden, ihnen freiwillig zu folgen. Doch seinen Traum von einem Leben in Deutschland hat er noch nicht aufgegeben.

Von Beatrice Ossberger

Ingolstadt/Kosovo – Besim Hasani sitzt in einem Cafe in München. In wenigen Tagen wird der Kosovo-Albaner zurückfliegen in seine Heimat. Das Flugticket hat er bereits. Noch einmal musste er sich Geld leihen. Bei seinen Verwandten. „Ich habe jetzt wirklich viele Schulden“, sagt der 38-Jährige. Vor zehn Monaten war er mit seiner Familie aus dem Kosovo geflüchtet. Allein für die Schleuser, die ihn und seine Familie im Februar nach Deutschland gebracht hatten, musste er 3000 Euro bezahlen. Zuletzt lebte er mit seiner Frau und den Kindern in der Max-Immelmann-Kaserne bei Manching nahe Ingolstadt. Vor kurzem musste seine Familie ausreisen. Die Behörden hatten ihren Asylantrag abschlägig beschieden. Besim Hasanis Antrag wird separat behandelt, weil er schon einmal während des Kosovo-Krieges nach Deutschland geflohen war. Nun hat er sich entschieden, seiner Familie freiwillig zu folgen.

Besim Hasani ist mit seiner Familie vor der Armut und der Hoffnungslosigkeit in seiner Heimat geflohen. In Deutschland wollte er für seine Familie ein normales Leben aufbauen. „Ich bin gescheitert“, sagt er, macht aber keinen unglücklichen Eindruck. „Ich habe alles versucht, aber es hat nicht gereicht, dass wir bleiben dürfen. Aber ich habe auch viel über das System in Deutschland gelernt, welche Behörden wichtig sind, welche Voraussetzungen ich brauche. Jetzt gehe nicht ohne Hoffnung zurück.“ Es bleiben gute Erfahrungen, sagt er. „Wir haben unglaublich nette und hilfsbereite Menschen kennengelernt.“ Er sagt er lachend: „Und mein Deutsch hat sich verbessert. Oder?“

Besim Hasani hat seinen Traum von einem Leben in Deutschland noch lange nicht aufgeben. Tatsächlich hat er sogar einen ganz genauen Plan für seine Rückkehr. Dabei stützt er sich auf das Asylverfahrensbeschleunigungsgesetz, das Ende Oktober in Kraft trat. Die geänderte Beschäftigungsverordnung, die im Rahmen dieses Gesetzes verabschiedet wurde, gibt Staatsangehörigen von sechs Westbalkan-Staaten die Möglichkeit in Deutschland eine Beschäftigung aufzunehmen, und zwar unabhängig von der beruflichen Qualifikation. Vorher war dies nur für Fachkräfte in Mangelberufen möglich. Geschaffen wurde diese Möglichkeit, um den Asyldruck aus den Westbalkan-Staaten zu verringern, und um für die Flüchtlinge aus diesen Ländern einen Anreiz zu schaffen, schnellstmöglich auszureisen. Einen entsprechenden Antrag auf ein Arbeitsvisum können sie nur in ihrer Heimat stellen. Zudem brauchen sie ein konkretes Jobangebot.

Dieses hat Hasani bereits. Ein privater Pflegedienst in München will ihn, den gelernten Krankenpfleger, anstellen. Arbeiten könnte der 38-Jährige vorerst allerdings nur als Hilfspfleger, denn für die Anerkennung seines kosovarischen Diploms fehlt ihm unter anderem noch der B2-Sprachtest. Im ersten Anlauf, den er vor wenigen Wochen in München unternahm, hatte er die Prüfung nicht bestanden. Das ärgert ihn auch heute noch. „Ich war nicht konzentriert genug“, sagt er. „Aber ich werde die Prüfung in jedem Fall wiederholen.“

Hasani bestellt noch einen zweiten Kaffee. „Ich bin müde“, sagt er. Früh ist er heute aufgestanden, um von dem Aufnahmezentrum für Balkan-Flüchtlinge in Manching nach München zu fahren. Er war bereits bei der Ausländerbehörde, später will er sich noch mit Stephan Dünnwald vom bayerischen Flüchtlingsrat treffen. Schon seit einiger Zeit ist er mit Dünnwald im Kontakt, der ihn in allen Belangen unterstützt. „Stephan ist wie ein Bruder für mich“, sagt Hasani. „Wann immer ich nicht weiter wusste, war er für mich da.“

„Besim hat sehr gute Chancen, nach Deutschland zurückkommen zu können“, glaubt Dünnwald. „Er bringt alle Voraussetzungen mit. Und er ist einer, der nicht aufgibt.“ Wichtig sei jetzt, dass er im Kosovo schnellstmöglich den Antrag auf das Arbeitsvisum stelle.

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Zwei Wochen später. Besim Hasani ist zurück im Kosovo, genauer gesagt in einem kleinen Dorf in der Nähe von Mitrovica. Er ist gut dort angekommen. Seine Kinder, seine Frau und seine Mutter haben ihn mit vielen Umarmungen begrüßt. „Es gab viel Freude und viele Tränen“, erzählt er am Telefon. „Meine Mutter und meine Frau haben ein großes Abendessen vorbereitet, mein jüngerer Bruder ist mit seiner Familie vorbeigekommen, und auch viele Freunde waren da.“

Ja, er sei froh, wieder daheim zu sein. „Es ist meine Heimat“, sagt er. „Und ich liebe meine Heimat.“ An dem Plan, nach Deutschland zurückzukommen, hält er jedoch fest, auch wenn jetzt im ihm eine Zerrissenheit zu spüren ist, die in Deutschland noch nicht da war. Hasani redet viel und leidenschaftlich über das Kosovo. Darüber wie schön das Land sei und wie reich seine Kultur. Und welche Chancen das Land hätte, gäbe es kein organisiertes Verbrechen, keine kriminellen Politiker und kein korruptes Wirtschaftssystem. „Hätte ich Hoffnung für mein Land, ich würde niemals gehen“, sagt er.

Um ein Arbeitsvisum zu erhalten, hat Hasani bereits alle erforderlichen Unterlagen. Was jetzt fehlt, ist ein Termin bei der deutschen Botschaft in Pristina. Dort werden die Dokumente geprüft und dort wird auch über seinen Antrag entschieden. Hasani hat sich bei der Botschaft angemeldet. Wann er einen Termin bekommt, ist jedoch unklar. Das einzige, was er weiß, ist, dass die Botschaft ihn sechs Wochen vor dem Termin informieren wird.

Von München aus hat sich auch Stephan Dünnwald vom Flüchtlingsrat bei der Botschaft um einen Termin bemüht. „Ich weiß, dass Besim jetzt definitiv auf der Warteliste steht“, sagt er. Was ihn jedoch stutzig mache, seien die langen Wartezeiten. „Aus sechs Wochen können auch schnell zwölf werden. Und dann kommt noch die Bearbeitungszeit des Antrags dazu, der laut Botschaft auch mehrere Wochen in Anspruch nimmt.“

Bis über Besim Hasanis Antrag entschieden wird, kann ein halbes Jahr vergehen. Voraussetzung dafür, dass der Antrag bewilligt werden kann, ist jedoch ein aktueller Arbeitsvertrag. „Aber welcher Arbeitgeber in Deutschland“, fragt sich Dünnwald, „gibt denn jemandem einen Vertrag, der vielleicht erst in sechs Monaten anfangen kann?“ Dünnwald fragt sich, ob die Verfahren in die Länge gezogen werden, um sicherzustellen, dass die Bewilligungsquote von vornherein niedrig ausfällt.

Besim Hasani hat das Glück, dass sein Arbeitsvertrag für das gesamte nächste Jahr gültig ist. Der Chef des Pflegedienstes hat ihm quasi einen Blanko-Scheck ausgeschrieben. Aktuell hilft das dem Kosovo-Albaner aber wenig. Er findet keinen Job. Und sein Vater, der bei der Müllabfuhr arbeitet, hat in den vergangenen acht Monaten nur einmal seinen Lohn ausbezahlt bekommen. Die Rücklagen der Familie sind so gut wie aufgebraucht.

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Mitte Dezember hat Besim Hasani noch immer keinen Termin bei der Botschaft bekommen.

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