Das hart erkämpfte Leben der kleinen Lea

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Manche Frühgeborene sehen fast noch aus wie ein Fötus. Winzig sind sie, der Kopf ist kleiner als ein Zeigefinger. Und sie ringen verzweifelt um ihr Leben. Die kleine Lea hat es geschafft.

Frühchen

Manche Frühgeborene sehen fast noch aus wie ein Fötus. Winzig sind sie, der Kopf ist kleiner als ein Zeigefinger. Und sie ringen verzweifelt um ihr Leben. Die kleine Lea hat es geschafft.

von elke Richter

Nürnberg – Manche Sachen fallen der fünfjährigen Lea noch ein bisschen schwerer als ihren Altersgenossen. Treppensteigen, zum Beispiel. Oder einen Stift richtig halten. Auch ist sie keines der Kinder, die lauthals durch die Gänge tollen und den ganzen Tag toben wollen. Dennoch ist Lea heute ein ganz normales, fröhliches Kindergartenkind. Wie hart und verzweifelt ihr Start ins Leben war, erkennt nur noch ein geschultes Auge: Lea ist extrem früh zur Welt gekommen, hart an der Grenze zur Überlebensfähigkeit.

Nicht alle betroffenen Kinder haben so viel Glück wie Lea. Wenn sie überhaupt überleben, tragen viele dauerhafte Schäden davon, weil ihre Organe zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht ausgereift sind. Lunge, Niere, Darm, aber auch Gehör und Netzhaut sind noch nicht vollständig funktionsfähig.

Normalerweise dauert eine Schwangerschaft 40 Wochen. Knapp zehn Prozent aller Kinder kommen jedoch als sogenannte Frühchen vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. „Das ist keine Minderheit“, betont Wolfgang Köhler, Bereichsleiter der Klinik für Geburtshilfe am Klinikum Nürnberg Süd. Er erklärt: „Die meisten Frühgeburten entstehen durch lokale Infektionen am Muttermund.“ Ungefähr zwei Prozent der Frühchen gehören zur Hochrisikogruppe, die vor der 30. Woche geboren werden.

Lea hatte gerade einmal 23 Wochen und 2 Tage Zeit, um sich im Bauch ihrer Mutter zu entwickeln. „Vor der 23. Schwangerschaftswoche gibt es so gut wie keine Überlebenschancen“, schildert Jan-Holger Schiffmann, Chefarzt der Kinderklinik im Nürnberger Südklinikum. Dort war Lea im Sommer 2008 zur Welt gekommen. In anderen europäischen Ländern hätte man ein Kind wie sie gar nicht erst behandelt. Aber die deutschen Ärzte kämpften um ihr Leben – oft genug verzweifelt.

„Ihr Leben stand mehrmals auf der Kippe“, erinnert sich ihre Mutter Jenny Köstler. 150 Tage lang lag Lea im Brutkasten, vier Mal wurde sie operiert. „Das waren schwere Zeiten.“ Jeden Tag fuhr Jenny Köstler eine gute Stunde mit dem Zug nach Nürnberg, um ihre Tochter zu sehen. Nach der Arbeit stieß dann auch Vater Horst dazu.

Er erinnert sich ebenfalls gut an den Überlebenskampf seiner Tochter. „Lea war so lang wie ein Din A4-Blatt, also 30 Zentimeter, und 630 Gramm schwer.“ Die unerwartete Situation habe ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen. „Vom Tag der Geburt an war unsere Welt aus den Fugen, um 180 Grad gedreht.“

In der Klinik stand zeitweise sogar die Frage im Raum, ob die Mediziner überhaupt noch etwas für Lea tun sollen. Der Grund: Nur etwa die Hälfte der extrem unreifen Frühchen kann später ein weitgehend normales Leben führen – und die ärztlichen Leitlinien sehen eigentlich vor, dass erst ab der 24. Schwangerschaftswoche grundsätzlich versucht werden soll, das Leben des Neugeborenen zu retten.

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare