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„Halsbacher Passion“ abgesagt

Waldbühne Halsbach freut sich auf volles „Haus“ im Juli

Die Waldbühne Halsbach musste heuer die Halsbacher Passion absagen
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Die Halsbacher Passion ist für heuer leider abgesagt
  • Daniela Haindl
    VonDaniela Haindl
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Erneut musste heuer die „Halsbacher Passion“ coronabedingt abgesagt werden. Doch Martin Winklbauer und sein Theater-Ensemble geben sich nicht so schnell geschlagen: Ab Ostern werden in Halsbach wieder die Rollen für „Das schwarze Jahr“ vergeben. Ausverkauft sind die Aufführungen bereits.

Halsbach – „Wir sind froh dass wir uns für die Absage entschieden haben“, sagt Martin Winklbauer, Autor und Regisseur der „Halsbacher Passion“. Sowohl er als auch seine Laiengruppe „Waldbühne Halsbach“ vermissen das Publikum und die Aufführungen sehr. Bis auf „Musikalische Nachmittage“ ist seit 2020 alles ausgefallen. Doch Winklbauer ist froh, dass man dem Publikum der Passion mit ein wenig Vorlauf absagen konnte. Coronabedingt waren Spieler in tragenden Sprechrollen und ein großer Teil des Chores ausgefallen.

Dafür ist das „Das schwarze Jahr“, das im Juli 2022 in drei Aufführungen zu sehen sein wird, bereits ausverkauft. Nur an der Abendkasse wird es noch Karten geben. „Wir gehen davon aus, dass es stattfinden wird, denn hier sind krankheitsbedingte Ausfälle leichter zu kompensieren als in einem Musikwerk“, so Winklbauer. Der 64-Jährige hat im Jahr 1983 die Theatergruppe in Halsbach mit drei Freunden gegründet und das Stück im Jahr 1984 erstmals auf die Bühne gebracht. Es zieht seither jährlich tausende Besucher an – außer während der Corona-Jahre eben.

„Das Schwarze Jahr“ wurde 1984 uraufgeführt.

In seinen Theaterstücken verarbeitet Winklbauer historische Geschehnisse aus Halsbach und Umgebung. So erzählt „Das schwarze Jahr“ die Geschichte einer wohlhabenden Schmiedfamilie, deren drei Generationen sich durch die schwere Zeiten eines Krieges kämpfen. Die Thematik könnte nicht aktueller sein: „In dem Stück geht es darum, wie die Charaktere reagieren: Manche nutzen die Situation aus, andere werden zu Samaritern. Man kann den Spiegel in die Hand nehmen und sich fragen: In welcher Rolle bin ich?“,so Winklbauer.

Für die „Halsbacher Passion“ nutzte der Halsbacher Autor ein Werk von Pietro Metastasio als Vorlage. Petrus, der Jesus verleugnete und seinem Leid überließ, blickt in der Rückschau auf dessen Leid. „Mit all seiner Wankelmütigkeit, seinen Fehlern und Halbheiten versinnbildlicht Petrus die zweitausendjährige Geschichte der Kirche“, heißt es in der Stückbeschreibung. Winklbauer selbst ist gläubiger Katholike und im Diözesanrat aktiv. „Die Missbrauchsgeschichten haben maßlose Enttäuschung und viele Fragen aufgeworfen. Wie geht man damit um? Man muss sich auch in seinem Glauben fragen: Wo hat man versagt?“, so der Halsbacher.

Der fünffache Vater und Bio-Landwirt aus Überzeugung reflektiert auch über Fake News und Propaganda. „Man kann in den letzten Jahren beobachten, wie leicht Menschen zu manipulieren sind. Wie man Wahrheit und geschichtliche oder wissenschaftliche Fakten über den Haufen wirft.“ Auch über den Eindruck, den seine Bühnenstücke auf das Publikum machen, kommt Winklbauer bisweilen ins Grübeln: „Als Autor entwickelt man Charaktere und gibt bestimmte Situationen und Lebenslinien vor. Manches entsteht aus momentanen Eindrücken und Stimmungen. Es ist schon passiert, dass Zuschauer das Dargestellte so sehr für bare Münze hielten, dass ich erschrocken bin“, erzählt er. „Da fragt man sich: Was wird durch meine Stücke zur Wahrheit gemacht?“

Martin Winklbauer gründete mit drei Freunden die Waldbühne Halsbach.

Aktuell hat der Bühnenautor ein Stück für seine Pfarrei geschrieben, und stolperte während der Recherche über die Geschichte eines vergifteten Brunnens. „Das wurde in Europa häufig den Juden in die Schuhe geschoben. Und dabei waren die oft nur zur falschen Zeit am falschen Ort.“ Auch in seinem Stück „Der Fährmann von Haunreit“, das im Jahr 1990 in Haiming bei Marktl uraufgeführt wurde, wird ein Bettler als Sündenbock aus dem Dorf gejagt. Der eigentliche Bösewicht, der „Pesttod“, zieht mit der Ankunft eines feinen Herren in das kleine Dorf ein, und wird mit offenen Armen empfangen.

Wer die Stücke Winklbauers einmal sehen möchte, der muss sich sputen und frühzeitig Karten kaufen. Der Regisseur und seine Truppe sind jedenfalls froh, dass es endlich wieder losgehen kann – auch wenn die Passion nun abgesagt wurde. „Wir freuen uns auf die Aufführungen. Und auf die Begegnungen!“, so Winklbauer. „Endlich wieder Publikum!“

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