Bayerns Bildungsminister will Grundschullehrer zu mehr Arbeit zwingen - Kritik von der SPD

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Die Grundschullehrer in Bayern sollen länger arbeiten.
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Der Lehrermangel schlägt voll durch. Und die Staatsregierung reagiert mit einem Maßnahmenkatalog. Mehrarbeit, Verschiebung des Ruhestands, kein Sabbatjahr mehr – an Grund-, Mittel- und Förderschulen greift der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) zu drakonischen Schritten.

München – Dass in Bayern Grundschullehrer dringend gesucht werden, ist keine neue Nachricht. Schon seit mehreren Jahren werden Realschul- und Gymnasiallehrer daher umgeschult – bis jetzt 1400. Weitere 1200 durchlaufen gerade diese Zweitqualifizierung. Doch das reicht offenbar nicht.

Obwohl Bayern von keiner Grippewelle erfasst worden sei, bekomme man die Unterrichtsversorgung „gerade so hin“, sagt Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). „Wenn wir nichts tun“, werde es im nächsten Schuljahr 2020/21 nicht reichen. Es gebe Bedarf an 1400 Vollzeitstellen. Daher hat sich Piazolo zu Folgendem entschlossen:

Mehrarbeit für Grundschullehrer

Grundschullehrer müssen ab dem Schuljahr 2020/21 29 statt bisher 28 Schulstunden in der Woche leisten. Die eine Stunde wird auf einem Arbeitszeitkonto gutgeschrieben. Das Konto soll später durch Verringerung der Unterrichtspflichtzeit wieder auf null geführt werden.

Von der Maßnahme sind nur Lehrer betroffen, die nicht älter als 58 sind. Wann die „Rückgabephase“ anlaufen wird, ist noch unklar. Piazolo sprach von einem Zeitraum von etwa fünf Jahren – falls der Lehrermangel bis dahin nicht mehr besteht.

Teilzeitkräfte an Bayerns Grundschulen

Teilzeit auf Antrage ist weiterhin möglich, das Mindeststundenmaß wird jedoch angehoben: an Förderschulen von 20 auf 23 Stunden, an Grundschulen von 21 auf 24 Stunden. Elternteilzeit ist davon ausgenommen.

+++ Kommentar zu den Maßnahmen der Staatsregierung: An der Grenze des Zumutbaren. +++

Ein Vorruhestand für Grund-, Mittel- und Förderschullehrer ist weiterhin möglich, „wird aber in der Regel erst ab dem vollendeten 65. Lebensjahr genehmigt“. Bisher lag die Grenze bei 64.

Keine unbezahlten Auszeiten mehr für Grundschullehrer

Derzeit nehmen 1570 Lehrer eine unbezahlte Auszeit. Das wird künftig nicht mehr gehen – ein Sabbatjahr wird nicht mehr genehmigt.

Er hoffe, dass sich Lehrer auch freiwillig zu Mehrarbeit verpflichten, sagte Piazolo. Etwa durch vorzeitige Rückkehr aus einer Beurlaubung oder freiwillige Aufstockung einer Teilzeitarbeit. Groß scheint die Hoffnung indes nicht zu sein, denn die Dauer der Zwangsmaßnahmen ließ Piazolo bewusst offen. „Alle Maßnahmen haben vorübergehenden Charakter und sollen zurückgenommen werden, sobald es die Bedarfssituation zulässt“, heißt es vage aus dem Ministerium.

SPD kritisiert Piazolos Maßnahmen: "verfehlt und demotivierend"

Die Landtags-SPD nannte Piazolos Entscheidungen „verfehlt und demotivierend“. Der Lehrerberuf müsse besser bezahlt sein und Lehrer aller Schularten künftig mit A 13 von Anfang an besoldet werden, sagte SPD-Bildungspolitikerin Simone Strohmayr. Auch die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, lehnt die Maßnahmen „strikt“ ab. Sie kündigte „massiven Widerstand“ an.

Unter der Hand heißt es freilich, es hätte auch schlimmer kommen können. Im Raum seien auch eine Vergrößerung der Klassenstärke oder gar die Streichung von Unterrichtsstunden bei den Grundschulen gewesen.

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