Interview mit Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK

Ihre Meinung ist bei uns gefragt! Arm im Alter - hilft die Grundrente hier wirklich?

Verena Bentele
+
Verena Bentele

Verena Bentele ist Präsidentin des Sozialverbands VdK und eine Verfechterin der Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung.

Frau Bentele, hilft der Kompromiss, Altersarmut zu bekämpfen?

Erstmal ist es gut, dass es diesen Kompromiss überhaupt gibt. Es war den Menschen nicht mehr vermittelbar, dass die Große Koalition dieses Thema für einen Machtkampf missbrauchte. Der Kompromiss wird hoffentlich für viele Menschen, die von Altersarmut bedroht sind, gut sein. Altersarmut betrifft ja vor allem Frauen.

_____________

Wie ist Ihre Meinung zum Thema Grundrente?

Liebe Leserinnen und Leser, 

haben Sie eine Meinung zu diesem Thema? 

Bitte schreiben Sie sie uns:

www.ovb-online.de/leserbrief-schreiben

_________

Fallen Frauen im Westen, die ja oft nicht auf mehr als 30 Jahre Berufstätigkeit kommen, da nicht durchs Raster?

Nach den ersten Berechnungen werden zu 80 Prozent Frauen von der Grundrente profitieren. Ein Erfolg ist ja, dass eine Gleitzone eingeführt wurde für Menschen, die knapp unter den 35 Beitragsjahren liegen. Jetzt kommt es auf die konkrete Ausgestaltung an. In Zukunft werden wir weitere Instrumente brauchen, um auch Menschen, die nicht auf so viele Beitragsjahre kommen, aus der Altersarmut-Falle zu befreien.

Kritisiert wird, dass die Grundrente aus einer Steuer finanziert werden soll, die es noch nicht einmal gibt. Droht dem Staat die Schuldenfalle?

Der VdK fordert schon lange die Finanztransaktionssteuer. Ich finde es richtig, dass man das aus Steuern und nicht durch höhere Beiträge finanziert. Denn hier geht es auch um eine Honorierung von gesellschaftlichen Leistungen wie Pflege- oder Erziehungsleistungen. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit: Die Grundrente wird ja auch deshalb gebraucht, weil viele Menschen im Niedriglohnsektor arbeiten.

Wie kompliziert wird die technische Umsetzung?

Als VdK haben wir ja gefordert, dass bei der Grundrente nicht auf Bedürftigkeit geprüft wird. Ob der automatisierte Datenaustausch zwischen Finanzämtern und Rentenversicherung bis 2021 wirklich funktioniert, das bleibt abzuwarten.

Angeführt wird gerne das Paar, das in einer Villa residiert und hunderttausende Euro im Bankschließfach hat. Spricht das gegen die Grundrente ohne Bedürftigkeit?

Für uns war immer klar, dass die Grundrente keine Sozialleistung, sondern eine Rentenleistung sein soll. Es geht darum, Menschen eine Rente zu gewähren, die lange gearbeitet, Kinder erzogen und gepflegt haben, aber keine angemessene Rente bekommen. Es geht darum, Lebensleistung zu honorieren. Auch die Mütterrente ist zu Recht nicht an Bedürftigkeit geknüpft.

Das Interview führte Klaus Rimpel.

Mehr zum Thema

Kommentare