Grüne kritisieren Förder-Praxis

Der Sechser-Sessellift am Waldkopf: Seinen Bau und die Erweiterung der Beschneiungsanlagen hat der Freistaat mit 3,1 Millionen Euro bezuschusst. Grundlage dafür: die „Lex Sudelfeld“. Foto: Plettenberg
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Der Sechser-Sessellift am Waldkopf: Seinen Bau und die Erweiterung der Beschneiungsanlagen hat der Freistaat mit 3,1 Millionen Euro bezuschusst. Grundlage dafür: die „Lex Sudelfeld“. Foto: Plettenberg

Planänderung: Der Achter-Sessellift am Sudelfeld wird erst 2017 gebaut. Das wäre ein finanzielles Problem, hätte die Staatsregierung nicht kürzlich ihr Förderprogramm um drei Jahre verlängert. Kritiker irritiert die Verlängerung – auch wegen des Riedberger Horns.

Vom Sudelfeld bis zum Riedberger Horn 

von Marcus Mäckler

Bayrischzell – Lex Sudelfeld, so schimpfen Kritiker jene Richtlinie, mit der hierzulande seit 2009 Seilbahnen in kleinen Skigebieten gefördert werden. Der Schmäh-Name kommt nicht von ungefähr, denn die Staatsregierung hatte das Programm seinerzeit so angepasst, dass auch die Liftbetreiber am Sudelfeld (Kreis Miesbach) profitieren. Seither sind insgesamt 3,1 Millionen Euro geflossen.

Einige förderfähige Projekte stehen aber noch aus, etwa der Achter-Sessellift, der von der Grafenherberge zum Sudelfeldkopf führen soll. Sein Bau wurde bereits im vergangenen Jahr verschoben – nun schon wieder, auf 2017. „Das wird heuer definitiv nichts mehr“, sagt Bergbahnen-Geschäftsführer Egid Stadler. Hintergrund ist ein inzwischen beigelegter Rechtsstreit. Stadler und Co. hätte das böse auf die Füße fallen können.

Denn eigentlich wäre die Förder-Richtlinie Ende 2016 ausgelaufen, heißt: Die Verantwortlichen hätten auf die erwartete Fördersumme von bis zu 35 Prozent verzichten müssen. Bei 6,5 Millionen Euro Kosten ist das ein Batzen Geld. Aber Mitte April verlängerte der Ministerrat das Förderprogramm um drei Jahre bis zum 31. Dezember 2019. Purer Dusel?

Jedenfalls ein Ärgernis für diejenigen, die in der Modernisierung des Skigebiets einen Umweltfrevel sehen. „Bisher war die Richtlinie maßgeschneidert für das Sudelfeld“, sagt die Landtagsabgeordnete Claudia Stamm (Grüne). „Deshalb war klar, dass sie verlängert werden würde.“

Nach Auskunft des Bayerischen Wirtschaftsministeriums sind zusätzlich 20 Millionen Euro für die Verlängerung vorgesehen, der Landtag muss aber noch zustimmen. Allein in Oberbayern laufen vier Anträge, neben dem Sudelfeld sind das die Jennerbahn in Schönau am Königssee, die Eckbauerbahn in Garmisch-Partenkirchen und die Bahn an der Kampenwand in den Chiemgauer Alpen. Das Fördervolumen läge bei 22,6 Millionen Euro. Unterstützt werden nur kleine Skigebiete – und solche, die in Orten mit weniger als 2000 Gästezimmern liegen. Der Gästezimmer-Passus war es, der das Sudelfeld förderfähig machte.

Die Staatsregierung hat immer betont, dass sie die Seilbahnförderung für notwendig hält. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) sagte im April, es handele sich um „Schlüsselinvestitionen“ für den Tourismus; ein investierter Euro in die Bahn führe zu fünf Euro Umsatz.

Möglich, dass Aigner und ihre Minister-Kollegen bei der Verlängerung des Programms auch schon die umstrittene „Skischaukel“ am Riedberger Horn im Oberallgäu im Blick hatten. Die Seilbahn soll die Skigebiete Grasgehren und Balderschwang miteinander verbinden, Umweltschützer kämpfen erbittert dagegen an. Bis zur Baugenehmigung ist es noch ein sehr weiter Weg. Sollte es sie aber irgendwann geben, wäre die Skischaukel mit ihren Investitionskosten von 13 Millionen Euro „auf jeden Fall förderfähig“. Das sagt Peter Stehle, der Bürgermeister im betroffenen Obermaiselstein ist. Die Gespräche über eine mögliche Förderung liefen schon seit Jahren.

Claudia Stamm elektrisiert das besonders. Durch die Verlängerung des Förder-Programms, sagt sie, bestehe auch beim Riedberger Horn Aussicht auf Geld. „Das könnte die Bürgerbefragung zu dem Projekt in zwei Wochen noch einmal beeinflussen.“

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