Großtierärzte leiden unter Milchkrise

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Schlechte Auftragslage für Großtierärzte. Liegt es am niedrigen Milchpreis? Foto: DPA

Die Milchpreiskrise trifft auch die Tierärzte. Weil die Bauern immer weniger Geld zur Verfügung haben, überlegen sie sich den Anruf beim Tierarzt zweimal, klagt der Bundesverband. Bedeutet das mehr kranke Tiere im Stall? Nein, beteuert der Bauernverband.

Landwirtschaft

Die Milchpreiskrise trifft auch die Tierärzte. Weil die Bauern immer weniger Geld zur Verfügung haben, überlegen sie sich den Anruf beim Tierarzt zweimal, klagt der Bundesverband. Bedeutet das mehr kranke Tiere im Stall? Nein, beteuert der Bauernverband.

von Dominik Göttler

München – Seit über 25 Jahren betreut und berät Tierarzt Siegfried Moder Landwirte bei der Nutztierhaltung. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr ist seine Praxis in Steingaden im Landkreis Weilheim-Schongau erreichbar. Aber zuletzt wählten immer weniger Bauern seine Nummer. „Die Zahl der Anrufe geht derzeit zurück“, sagt Moder, der auch Präsident des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte ist. Schuld ist aus seiner Sicht: die Milchpreiskrise. „Die Landwirte müssen an allen Ecken und Enden sparen.“ Und eine dieser Ecken ist eben auch: der Tierarzt.

„Ich möchte niemandem etwas unterstellen“, beteuert der erfahrene Tierarzt. Aber in Einzelfällen könne er sich schon vorstellen, dass manch einer bei einer leichten Grippe einer Kuh erstmal abwartet, ob es nicht von selbst wieder besser wird, bevor er den Tierarzt ruft. Denn der kostet ja schließlich. „Und bei einem Milchpreis von rund 25 Cent müssen die Bauern ganz genau schauen, wo sie noch Geld ausgeben können.“

Für die Tierärzte bedeutet das: weniger Aufträge. Und das ist ein Problem. Denn die Milchkühe sind in Bayern das wichtigste Beschäftigungsfeld der Großtierärzte. Zwar sind die meisten Tierarztpraxen mittlerweile Gemischtpraxen, sie kümmern sich um Klein- und Nutztiere. „Aber nicht jeder kann zum Ausgleich mehr im Kleintierbereich machen. Dazu muss auch der Bedarf da sein“, sagt Moder. Hase, Katz und Hund werden deswegen ja nicht mehr.

Siegfried Moder plädiert dafür, nicht am Tierarzt zu sparen. Das bringe nur Ärger. „Die Tierarztkosten machen bei unseren Betrieben nur ein bis zwei Prozent der Gesamtkosten aus.“ Da könne man wenig sparen. Zudem verursache eine ausbleibende Behandlung, etwa bei einer Euterentzündung, oft einen viel höheren Schaden, als den Betrag auf der Tierarztrechnung.

Aber heißt das nun, dass mehr kranke Tiere im Stall stehen als früher? „Hier wird sicher nicht gespart“, heißt es beim Bauernverband. Nur mit gesunden Tieren könne man schließlich Einkommen erzielen, sagt eine Sprecherin. „Sie sind das höchste Gut.“ Aber das Tätigkeitsfeld der Großtierärzte sei eben kleiner geworden. Wo früher noch 30 Betriebe im Dorf waren, gebe es heute oft nur noch einen. Dazu sei auch das Tierwohl in den größer aufgestellten, moderneren Ställen höher – und der Ausbildungsgrad bei den Landwirten ebenfalls. Da werde der Tierarzt nicht mehr so oft gebraucht wie früher.

Dass kranke Tiere aber lieber zum Schlachthof gebracht werden, als sie behandeln zu lassen, kann selbst Moder nicht bestätigen. „Da gibt es klare Vorschriften. Eine kranke Kuh zum Schlachthof – das geht nicht.“ Dazu müsse schon viel kriminelle Energie vorhanden sein. In der Masse der Familienbetriebe in Bayern würden die Menschen ohnehin an ihren Tieren hängen. „Die sparen lieber am Einkommen und kümmern sich um die Tiere“, sagt Moder. Soweit sich am Einkommen noch sparen lässt.

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