Grenzkonflikt um Lkw-Kolonnen

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Hermann appellierte an Platter – erfolglos

Am Freitag sollten Autofahrer die Inntalautobahn besser meiden. Die von Tirol verfügte Blockabfertigung wird einen langen Stau verursachen, prophezeit die Polizei. Ein bayerischer Spediteur ist entsetzt.

BAYERN KRITISIERT TIROLER BLOCKABFERTIGUNG

von dirk walter

München/Kufstein – Georg Dettendorfer ärgert sich: „Die Tiroler machen die Grenze dicht und produzieren einen künstlichen Stau“, schimpft der international bekannte Spediteur aus Nußdorf am Inn (Kreis Rosenheim), der eine Flotte von 200 Lkw-Zugmaschinen und 380 Aufliegern dirigiert. „Das wird ein Chaos.“

Am Freitag ab fünf Uhr früh macht Tirol die Grenze an der Inntal-Autobahn A 93 weitgehend dicht: Blockabfertigung. Nur 250 bis 300 Lkw je Stunde dürfen durch, der Rest wird von der österreichischen Polizei angehalten. Die bayerische Polizei schließt nicht aus, dass der Rückstau bis zum Inntal-Dreieck reichen wird (wir berichteten). Autobahnraststätten und Standstreifen an der A 93 werden am Freitag überlastet sein. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd hat die Verkehrspolizei vorsorglich aufgestockt.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) lehnt das Tiroler Vorgehen grundsätzlich ab. Er habe den Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) gebeten, auf die Blockabfertigung am Freitag zu verzichten und „generell das Pilotprojekt nicht weiter zu verfolgen“ – doch ohne Erfolg.

Tirol bemüht sich seit einiger Zeit, den Lkw-Verkehr zu drosseln. Es gibt ein Nachtfahrverbot für Lkw, ein sektorales Fahrverbot für Massengüter wie Steine oder Erden, zudem ein Wochenendfahrverbot. Auch die Lkw-Maut ist weit höher als in Deutschland. Sie beträgt zum Beispiel für einen Euro-6-Laster mit vier Achsen oder mehr über 37 Cent je Kilometer – in Deutschland sind es nur 11,7 Cent. Außerdem greift die Maut schon ab einem Gewicht von 3,5 Tonnen – in Deutschland ab 7,5 Tonnen. Doch die Tiroler Lkw-Restriktionen haben bisher wenig Effekt. Die Verkehrsbelastung steigt und steigt. Der Tiroler Landeshauptmann Platter (ÖVP) mahnt deshalb, dass der Tarif in Deutschland dringend erhöht werden müsse (siehe Interview). Um mehr Güter auf die Schiene zu verlagern, sagt die Tiroler Umweltlandesrätin Ingrid Felipe (Grüne), sei eine gemeinsame europäische Initiative notwendig. „Der Lkw kann von Schweden bis Italien durchfahren“, sagt sie. Bei der Bahn scheitere das an etlichen nationalen Vorschriften. Für den Lkw-Verkehr regt Felipe an, die Mautsysteme nach Umweltmaßstäben zu modernisieren. Der Straßenverkehr müsse je nach Luftverschmutzung und Lärm verteuert werden.

Für den Nußdorfer Spediteur Georg Dettendorfer klingt all das nach Dirigismus und Blockade. Das bayerische Inntal ist doch genauso belastet wie das Tiroler, sagt er. Allerdings sieht er auch Verbesserungsbedarf beim Güterverkehr. Die Verlagerung auf die Schiene klappe nicht, sagt der Spediteur, der viele seiner Lkw mit Holz, Handelswaren und Industriegütern nach Tirol schickt. Für die Komplett-Verladung der Lkw auf Güterwaggons gebe es nur zwei Terminals – eines in München-Riem, eines in Innsbruck. Das sei für ihn als Unternehmer im Landkreis Rosenheim nicht attraktiv. „Ein Terminal östlich von München wäre sinnvoll.“

Erst einmal aber muss er für den Freitag planen. Einige Fahrten konnten umdisponiert werden, aber bei Weitem nicht alle. „Ich hoffe, dass wir irgendwann durchkommen“, sagt Dettendorfer.

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