Glocken abstellen? Nie und nimmer

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Das Geläut von Kirchenglocken sorgt immer wieder für Unfrieden. Vor allem, wenn die Glocken nachts schlagen. Und dann auch noch jede Viertelstunde. Im Klosterdorf Weyarn (Kreis Miesbach) hat sich eine Neubürgerin nach einer Beschwerde eine klare Absage geholt.

Neubürgerin scheitert an Pater

Von Claudia Möllers und Andreas Höger

Weyarn – Die Stiftskirche St. Peter und Paul in Weyarn hat eine reiche Geschichte. Vor 350 Jahren als Augustinerchorherrenstift erbaut, rufen ihre Glocken seither nicht nur zum Gottesdienst, sondern verkünden auch die Zeit. Auch nachts. Und zwar alle Viertelstunde. Zudem läuten die Glocken morgens um 6 Uhr, mittags und abends um 19.45 Uhr zum Angelusgebet. So ist das im Klosterdorf 38 Kilometer südöstlich der Landeshauptstadt München.

Einer neu zugezogenen Bürgerin war nun die Zeitansage der Kirche zu viel. Sie forderte Seelsorger Pater Stefan Havlik auf, das Geläut abzustellen, weil sie das Geräusch störe. Pater Stefans Reaktion war deutlich. In dreifacher Weise werde er ihrer Forderung entsprechen: „Nicht, gar nicht und überhaupt nicht.“ Diskussionen oder Verhandlungen kommen in dieser Frage für den Seelsorger und die Gemeinde nicht infrage: „Wenn wir das einmal anfangen, gibt es kein Halten mehr“, befürchtet der Pater. Also auch keine nächtliche Beschränkung des Stundenschlags – der ja früher als Zeitansage für die Bürger gedacht war, als es noch keine Wecker oder Armbanduhren gab. Im erzbischöflichen Ordinariat in München gibt es die Empfehlung, bei Streitfällen das Gespräch mit den Kritikern zu suchen. Bettina Göbner von der Pressestelle stellt auf Nachfrage klar, dass der Stundenschlag deutlich vom liturgischen Geläut zu unterscheiden ist. In der „Läuteverordnung“ des Erzbistums aus dem Jahr 1963 heißt es, dass die Glocken weniger die Aufgabe haben, die Zeit anzusagen. „Es verbleibt ihnen ihr eigentlicher sakraler Sinn und Zweck. Sie sollen Zeichen sein, das zu Gott ruft, auf ihn, sein Geheimnis und die Feier der Geheimnisse Gottes aufmerksam macht.“ Der Stundenschlag indes fällt laut Göbner auch unter die emissionsrechtlichen Vorschriften. Hier gab es in der Vergangenheit zahlreiche juristische Entscheidungen, nach denen das Schlagwerk der Kirchenturmuhr nachts abgestellt wurde.

Für Pater Stefan indes ist das keine Option. Wenn man damit beginne, „dann kommt der Nächste, der am Samstagnachmittag sein Schläfchen halten will“. Überdies ist der Pater überzeugt, dass man sich an regelmäßige Geräusche gewöhne. „Ich wohne direkt an der Stiftskirche und ich höre die Glocken schon lange nicht mehr“, sagt er. Wer nach Weyarn ziehe, sehe das Kloster und „weiß, worauf er sich einlässt“, ist der Pater überzeugt. Er weiß, dass durch ein Neubaugebiet in der 3600-Einwohner-Gemeinde solche Diskussionen immer häufiger auch nach Weyarn kommen. Der Seelsorger erinnert aber auch an einen alteingesessenen Bürger, der sich nach dem Bau der neuen Häuser beschwert habe, dass er die Kirchenglocken nicht mehr so gut hören könne.

Mit der Neubürgerin ist der Pater überdies im Guten geschieden. Von juristischen Schritten sei nicht die Rede gewesen.

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