„Es gibt keinen ökologischeren Baustoff als Holz“

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Martin Neumeyer

Staatsforsten-Chef im Interview . Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten, sieht die Holzbauweise als große Chance für die Zukunft.

-Herr Neumeyer, bei der Unterbringung von Asylbewerbern wollen mehrere Kommunen auf Holzbauweise setzen. Welche Vorteile hat das?

Gegenüber Traglufthallen oder Stahlcontainerlösungen ist der Holzbau viel nachhaltiger. In einem Holzbau zu leben, empfinden viele Menschen als besonders gesund und angenehm. Außerdem ist Holz als Bau- und Rohstoff vorfertigbar, das bedeutet kurze Bauzeiten. Auch preislich ist der Holzbau voll konkurrenzfähig. In Holzbauweise sind schlüsselfertige Wohnungen unter 2000 Euro pro Quadratmeter möglich. Es gibt keinen ökologischeren Baustoff als Holz – es ist CO2-neutral und wächst wieder nach. Und auch die Flexibilität ist ein riesiger Vorteil: Nicht mehr benötigte Asylbewerber-Unterkünfte können als Wohnraum für Familien oder Studenten genutzt werden.

-Was können die Staatsforsten beitragen?

Wir können für den bayerischen Markt viel mehr anbieten als nur Brennholz oder Holz für die Möbelproduktion. Mit dem Holz aus Bayern ist zeitgemäße, moderne Holzbauarchitektur möglich. Bayerns Forstminister Helmut Brunner hat bereits eine Expertenrunde mit Holzbauunternehmen zusammengerufen, um in den Landkreisen und Gemeinden das Bewusstsein zu schärfen, dass hier ein heimischer Rohstoff zur Verfügung steht, der eine schnelle und kostengünstige Unterbringung erlaubt.

-Wird der Holzbau bisher zu wenig genutzt?

Wir haben noch sehr viel Potenzial in Bayern. Wir sehen, dass der Holzbau in anderen Regionen deutlich stärker genutzt wird. In London hat Sir Norman Foster die fantastische U-Bahn-Station „Kings Cross“ über mehrere Stockwerke gebaut. In Paris hat die Louis-Vuitton-Stiftung einen Ausstellungs- und Konzertbau aus Holz in Segelarchitektur erstellt. Und in Wien ensteht das höchste Holzhaus Europas, 84 Meter hoch mit 24 Stockwerken. Die sind schon ein Stück mutiger als wir in Bayern. Wir bräuchten auch so ein Leuchtturm-Projekt.

-Gerade bei Asylbewerber-Unterkünften ist der Brandschutz großes Thema.

Der Brandschutz im Holzbau erfüllt genauso die staatlichen Vorgaben wie Gebäude, die in konventioneller Bauweise errichtet werden. Holz kann zwar brennen, aber nur sehr langsam und vor allem berechenbar. Ein Holzbalken hält dem Feuer länger stand als zum Beispiel ein ungeschützter Stahlträger, weil Holz auch unter hohen Temperaturen lange Zeit seine Festigkeit hält. Im Ernstfall kann daher viel besser abgeschätzt werden, wie lange die Konstruktion noch halten wird.

Das Interview führte Dominik Göttler

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