Gerichtsgutachter erpresst Staatsanwältin mit Drogen

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Psychiater hat Psychopharmaka gegen sexuelle Dienstleistungen beschafft – Landgericht entscheidet nun über Klage. von nina gut.

München – Es sind die psychiatrischen Sachverständigen, die bei Gericht mitentscheiden, wie es mit einem Täter weitergeht. Ist er psychisch krank? Ist er schuldfähig? Wie gefährlich ist er? Wie hoch das Risiko eines Rückfalls? Fragen, die die Gutachter klären müssen. Manchmal werden sie sogar „die heimlichen Richter“ genannt.

Nun ist ausgerechnet einer dieser „heimlichen Gutachter“ selbst ins Visier der Justiz geraten. Nach Informationen unserer Zeitung hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen bekannten Gerichtspsychiater erhoben. Er soll einer früheren Staatsanwältin Psychopharmaka gegen sexuelle Dienstleistungen verschafft haben.

Die Anklage soll auf „sexuellen Missbrauch unter Ausnutzung eines Beratungs-, Behandlungs- oder Betreuungsverhältnisses“ lauten (Paragraf 174c des Strafgesetzbuches). Am Donnerstag gab es vor der 1. Strafkammer des Landgerichts München II eine „nichtöffentliche Anhörung der Geschädigten“. Nun wird das Landgericht darüber entscheiden, ob es die Anklage der Staatsanwaltschaft München II zulässt. Sollte das der Fall sein, so wird voraussichtlich im November verhandelt. Zur Person des so genannten Angeschuldigten wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht äußern.

Nach Informationen unserer Zeitung soll es sich bei der Frau um eine frühere Staatsanwältin der Staatsanwaltschaft München I handeln, die dort in der politischen Abteilung für Islamismus und Linksextremismus zuständig war. Zwischenzeitlich war sie auch Richterin. Laut Angaben aus Justizkreisen soll sie medikamentenabhängig gewesen sein, habe Zusammenbrüche erlitten und sei mehrfach in Therapie gewesen. Der Gerichtspsychiater habe ihr Psychopharmaka gegeben, Rezepte ausgestellt und ihr ermöglicht, einen eigenen Rezeptblock drucken zu lassen. Der Druckerei sei das nicht aufgefallen, weil beide zufälligerweise denselben Nachnamen tragen. Für die Beschaffung der Medikamente habe der Gutachter Sex von der Staatsanwältin gefordert – und diesen angeblich auch bekommen.

Die Sache soll aufgeflogen sein, als ein Vorgesetzter ein von der Frau selbst gefälschtes Rezept auf ihrem Schreibtisch fand. Daraufhin wurde sie zu einer anderen bayerischen Staatsanwaltschaft versetzt und schließlich suspendiert. Seit 2010 ist sie nicht mehr in Diensten der Justiz. Die Staatsanwaltschaft München I gab die Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft München II ab, um nicht befangen zu sein.

Der Gerichtsgutachter, der Neurologe und forensischer Psychiater ist, war bereits vor Jahren in die Schlagzeilen geraten. Er war als Anstaltspsychiater in der Justizvollzugsanstalt Straubing selbst im Staatsdienst. Dort soll er sich abfällig über eine Delegation von Europapolitikern geäußert haben, die sich schockiert von den Zuständen in der JVA Straubing gezeigt habe. Daraufhin wurde er nach München-Stadelheim versetzt. Dort soll er als Medizinaloberrat gut die Hälfte seiner Arbeitszeit für nicht genehmigte Gutachtertätigkeiten genutzt haben. Das Ende seiner Karriere als Anstaltspsychiater. Seitdem war er als freiberuflicher Gerichtsgutachter tätig.

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