Ein gemeinsames Abendmahl?

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Wahlrecht für Jesus? Bei der Abschlusskundgebung am Münchner Stachus war auch dieses Plakat zu sehen. dpa

Die katholische und evangelische Kirche haben bei einem Kongress in München ihre Gemeinsamkeiten beschworen. Trotzdem bleiben auch strittige Themen – zum Beispiel das gemeinsame Abendmahl.

ÖKUMENE-TREFFEN IN MÜNCHEN

Die katholische und evangelische Kirche haben bei einem Kongress in München ihre Gemeinsamkeiten beschworen. Trotzdem bleiben auch strittige Themen – zum Beispiel das gemeinsame Abendmahl.

München – Mit einer großen Kundgebung auf dem Münchner Karlsplatz ist am Samstagabend das dreitägige Christen-Treffen „Miteinander für Europa“ zu Ende gegangen. Vor 5000 Zuschauern bekundeten die beiden obersten Repräsentanten der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland, der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, tiefe Einheit. Europa erwarte von den Kirchen, dass sie gemeinsam Christus bezeugen, sagte Marx, der Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist. „Wir gehen gemeinsam weiter voran, trotz mancher Unterschiede.“

Im kommenden Jahr, wenn die Kirchen des 500. Reformationsjubiläums gedenken, solle deutlich werden: „Diese Christen kriegen wir nicht mehr auseinander. Die gehören zusammen“, betonte Marx. Der bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm fügte an, dass zum ersten Mal in der Geschichte die katholische und die evangelische Kirche das Reformationsjubiläum nicht in Selbstbespiegelung und nur für sich begingen, sondern gemeinsam. Die gelebte Ökumene sei heute so stark, man müsse nur seine Augen aufmachen, betonte der evangelische Theologe.

An dem hochkarätig besetzten ökumenischen Kongress nahmen selbst Papst Franziskus und Patriarch Bartholomäus I. teil – zumindest per Videobotschaft. Franziskus warnte darin vor neuen sichtbaren und unsichtbaren Mauern, die Europa zu spalten drohten. Bei der Abschlusskundgebung traten auch Kurienkardinal Kurt Koch, der württembergische evangelische Landesbischof Frank Otfried July und der rumänisch-orthodoxe Metropolit Serafim auf, sprachen ein gemeinsames Gebet und umarmten sich. Wie Bischof July, der auch Vizepräsident des Lutherischen Weltbundes ist, sagte, sollten die Kirchen in der Frage eines gemeinsamen Abendmahls schneller vorankommen. Damit sprach er einen der heikelsten Punkte an, die Christen der beiden Konfessionen noch trennt. Just Kardinal Marx hatte 2003, damals noch als Bischof in Trier, den katholischen Pfarrer Gotthold Hasenhüttl, der beim Kirchentag in Berlin eine gemeinsame Abendmahl-Feier geleitet hatte, vom Priesteramt suspendiert.

Vor allem gemischt-konfessionelle Ehepaare litten aber unter dieser Trennung am „Tisch des Herrn“, meinte July. Schon bei einer Podiumsdiskussion am Freitag hatte July für mehr Einheit unter den Christen geworben. Ein „neues Einheitskraut“ dürfe aber nicht gezüchtet werden, mahnte July.

Kardinal Koch, „Ökumene-Minister“ im Vatikan, hob hervor, dass die Christen unterschiedlicher Konfessionen in den vergangenen Jahren die Bedeutung der gemeinsamen Taufe wiederentdeckt hätten. Dadurch seien sie sich nähergekommen. Kardinal Walter Kasper, früherer Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, sagte am Rande des Kongresses gegenüber epd, dass 500 Jahre Trennung zwischen katholischer und evangelischer Kirche genug seien. Beim gemeinsamen Reformationsgedenken im kommenden Jahr wollten die Kirchen daher für die große Annäherung in den vergangenen Jahrzehnten danken. „Zweitens sollten wir uns die Hand geben und sagen: ‘Wir bleiben beieinander und wir gehen weiter voran Richtung Einheit’.“  epd/mm

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