Geheiratet wird mit einem Knall

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Schaut schön aus, macht viel Krach: Feuerwerke, wie hier in Tegernsee, sind für die Anwohner ein Ärgernis. Zunehmend feiern Hochzeitspaare dort mit Pyrotechnik. foto: andreas leder

Ein Liebesgruß am Himmel, für alle sichtbar: Immer öfter soll ein Feuerwerk den schönsten Tag des Lebens schmücken – auch in Bayern. Längst haben Pyrotechniker den Hochzeitsmarkt entdeckt. Doch der mitunter teure Spaß erfreut nicht alle.

feuerwerk

Ein Liebesgruß am Himmel, für alle sichtbar: Immer öfter soll ein Feuerwerk den schönsten Tag des Lebens schmücken – auch in Bayern. Längst haben Pyrotechniker den Hochzeitsmarkt entdeckt. Doch der mitunter teure Spaß erfreut nicht alle.

München – Erst vor wenigen Wochen war der Ärger am Tegernsee (Kreis Miesbach) wieder groß. Ein Feuerwerk an einem Montagabend um 22 Uhr hat in Rottach-Egern das Fass zum Überlaufen gebracht: Die Anwohner sind genervt von der ständigen Knallerei zu Hochzeitsfeiern. Noch dazu, weil sie selten angekündigt ist. Nach dem Knall haben zwar alle Beteiligten nun Besserung gelobt, die Debatte über die privaten Feuerwerke hält aber an.

Geführt wurde sie im vergangenen Jahr auch in Schliersee. Hier störten ebenfalls Hochzeitsfeiern den Frieden im Ort. „Das ist eine Einschränkung, die das ganze Dorf hat durch den Spaß von wenigen. Und der Spaß hört dort auf, wo der Schaden anderer anfängt“, sagte damals eine Anwohnerin beim Runden Tisch. Kleine Kinder und alte Menschen werden im Schlaf gestört, Tiere aufgeschreckt und die Raketen landen anschließend im See.

Eine Lösung in den Konflikt brachte damals der Münchner Pyrotechniker Norbert Stöcklin: Neben einer freiwilligen Vereinbarung schlug er vor, dass die Wirte ihren Hochzeitspaaren Alternativen aufzeigen. Stöcklin berichtet von Barockfeuerwerken, die leise sind und auch nur 50 statt 200 Meter in den Himmel aufsteigen. „Das kommt gut an“, sagt der Pyrotechniker nun. „Das ist so stimmungsvoll, da braucht man gar kein Geknalle.“

Dass der Trend bei Paaren zum Feuerwerk geht, kann Stöcklin nur bestätigen. „Es nimmt generell immer mehr zu.“ Nicht nur bei Hochzeiten leuchtet es bunt am Himmel, auch bei Geburtstagen, Betriebsfeiern und Volksfesten wird immer öfter geknallt.

Warum das gerade bei privaten Hochzeiten so ist, erklärt die Vorsitzende des Bundes deutscher Hochzeitsplaner, Friederike Mauritz. „Heute wird bei Hochzeiten mehr auf die Optik geachtet. Vor zehn oder 20 Jahren gab es das noch seltener.“ Außerdem böten Feuerwerksfirmen inzwischen auch kleinere Spektakel für weniger als 1000 Euro an. Mauritz schätzt, dass bei jeder 20. bis 30. Vermählung ein Feuerwerk am Himmel leuchtet. 2013 hat das Statistische Bundesamt rund 375 000 Eheschließungen in Deutschland registriert.

„Herzbomben“ und „Glücksklee“, „Feuertöpfe“ und „Fontänen“ – die Liste der Feuerwerksmotive für Hochzeiten ist lang. Verboten sind in vielen Bundesländern inzwischen die Himmelslaternen, die früher auch bei Hochzeiten in die Höhe schwebten. Stöcklin, nach eigener Aussage auch offizieller Pyrotechniker des Königreichs Saudi-Arabien, hat sich auf Feuerwerke mit synchronisierter Musik spezialisiert: Dies böten bundesweit nur ein paar Dutzend Firmen an. Die Gesamtzahl der Feuerwerksveranstalter gehe dagegen in die Hunderte.

Die nötige Ausnahmegenehmigung für ein privates Feuerwerk erteilt in Bayern das Landratsamt, die Gemeinden werden darüber nur informiert. Das Landratsamt kann ein Feuerwerk nur untersagen, wenn es nachweislich zu einer erheblichen Störung führt.

Natürlich geht die Sicherheit vor. Ist der Boden rund um die Abschussfläche trocken, holt Stöcklin die Feuerwehr dazu. Das passiert jedoch nur bei Großveranstaltungen. „Wir haben so viele Löschmittel im Auto, wir sind selber eine kleine Feuerwehr“, sagt er und lacht. Macht die Gemeinde die Anwesenheit der Feuerwehr zur Auflage, zahlt Stöcklins Auftraggeber den Einsatz.

Carsten-Michael Pix vom Deutschen Feuerwehrverband in Berlin sagt: „Wir stehen Feuerwerken bei Hochzeiten nicht negativ gegenüber.“ Doch es müsse auf die Sicherheit geachtet werden: „Feuerwerkskörper können auch auf Gäste oder trockenen Waldboden fallen.“ Mitunter werde sogar die kostenpflichtige Anwesenheit der Feuerwehr zur Auflage gemacht.

In Rottach-Egern bekommen die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr von den Feuerwerken nichts mit. „Wir werden nicht mal informiert“, sagt Kommandant Josef Stadler. Er ist mit seiner Zeit als Zweiter Kommandant seit 26 Jahren im Amt. „Wir mussten noch nie eine Abordnung stellen.“ Zumindest an dieser Front ist Ruhe im Tal.  jpa/dpa

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare