Neues Projekt für Flughafen München

Geheim-Dossier zur Event Arena Freising: Tricksereien beim Baurecht

Eine erste Visualisierung der geplanten Event Arena am Flughafen München zeigt ein an die Kongresshalle in Kopenhagen angelehntes Modell.
+
Eine erste Visualisierung der geplanten Event Arena am Flughafen München zeigt ein an die Kongresshalle in Kopenhagen angelehntes Modell.
  • Dirk Walter
    vonDirk Walter
    schließen

Die Grünen im Landtag stellen kritische Fragen zur geplanten Event Arena am Flughafen München. Durch ein Versehen erhielten sie ein internes Dossier des Finanzministeriums: Es zeigt mögliche Tricksereien beim Baurecht auf – und eine Verbindung des Investors zur CSU.

München – Wie es der Zufall so will: Anfang August hatte unsere Zeitung die Pläne für eine Event Arena mit 20 000 Plätzen am Flughafen publik gemacht. Daraufhin stellte der Freisinger Grünen-Landtagsabgeordnete Johannes Becher eine Landtags-Anfrage, um mehr Details zu erfahren. Die Antwort, die er vom bayerischen Finanzministerium erhielt, war eher nichtssagend. Doch die E-Mail hatte einen brisanten Anhang: ein internes Dossier, das das Ministerium offenbar zur Vorbereitung der Antwort erstellt hatte. Obwohl das Ministerium den Fehler bemerkte und Becher bat, das Dossier nicht zu verwenden, hat der Abgeordnete es gestern der Öffentlichkeit vorgestellt. Seine Informationen geheim zu halten, „kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren“.

Kritik von anderen Veranstaltungsstätten erwartet

In dem Papier wird offen eingestanden, dass die Baugenehmigung „einen wesentlichen Problempunkt“ darstelle. Da der Investor die Aufstellung eines Bebauungsplans als „sehr zeitkritisch“ ansehe, wird darüber spekuliert, ob über eine luftrechtliche Planfeststellung schneller Baurecht für die Halle hergestellt werden könne. Becher sieht das als kritisch an – es müsse ein ordentliches rechtsstaatliches Verfahren stattfinden, fordert er. Tricksereien dürfe es nicht geben. Notfalls müsse die Fläche im Nordwesten des Flughafens den Status eines „Vorranggebietes“ verlieren, um dies zu gewährleisten.

Johannes Becher stellt kritische Fragen.

Kritisch sieht das Dossier auch die möglichen Auswirkungen der 200 Millionen Euro teuren Halle auf bestehende Veranstaltungsflächen. „Erhebliche Widerstände“ der Olympiapark GmbH seien zu erwarten. Becher prophezeit: „Der Olympiahalle droht dann dasselbe Schicksal wie dem Olympiastadion.“ Daher schätzt das interne Schreiben auch die Haltung der neuen grün-roten Rathauskoalition als „ungewiss“ ein. Die Stadt hat als Mitgesellschafter des Flughafens ein Mitspracherecht. OB Dieter Reiter (SPD) habe sich in einem Gespräch vor der Kommunalwahl offen gezeigt, ohne sich festzulegen.

Sind einem Abgeordneten Informationen vorenthalten worden?

Der Freisinger OB Tobias Eschenbacher (Freisinger Mitte) sei hingegen „positiv“ eingestellt. Offen sei aber die Haltung des gesamten Stadtrats. Die Grünen jedenfalls und „zum Teil“ die Presse sei „kritisch“ eingestellt.

Verärgert ist der Abgeordnete Becher, dass ihm Informationen vorenthalten werden sollten. So heißt es im Dossier, dass sich der Aufsichtsrat der Flughafen München GmbH „in Wintersitzungen 2020“ mit dem Projekt befassen werde. Auf die Frage nach einem Zeitplan für das Projekt heißt es in der Antwort auf die Landtags-Anfrage hingegen nur: „Ein konkreter Zeitplan liegt der Flughafen München GmbH zum jetzigen Zeitpunkt nicht vor.“

Wer steckt hinter dem Investor des Projektes in Freising?

An einem Punkt hat Becher das Dossier, das jetzt im Internet zu finden ist, geschwärzt: Es erwähnt, dass hinter dem Investor, der SW Munich Real Estate GmbH, eine offenbar vermögende Familie steht. Becher nennt sie aus Datenschutzgründen nur mit den Initialen: Familie S. aus A. Nach Informationen unserer Zeitung wohnt die Familie im Landkreis Freising, sie verfüge „über gute Kontakte zu OB Eschenbacher“, heißt es im Dossier.

Nicht geschwärzt hat Becher die Information, dass es eine Verbindung der SW Munich Real Estate zum schwäbischen CSU-Landtagsabgeordneten Alfred Sauter gibt („unterstützt durch MdL Sauter“, heißt es in dem Dokument). Sauter bestätigt das: Seine Anwaltskanzlei Sauter & Wurm berate das Unternehmen.

Munich Real Estate bestreitet Tricksereien

Lorenz Schmid, Geschäftsführer der SW Munich Real Estate, sagt: „Das ist ein ganz normaler Vorgang“, die Kanzlei kenne sich aus mit Großprojekten, die Leistungen würden mit normalen Stundensätzen vergütet. Etwaige Tricks bestreitet er gegenüber unserer Zeitung. „Wir wollen gar nichts umgehen.“ In München gebe es keine Halle mit 20 000 Plätzen, daher die Pläne. Sie seien aber in einem so frühen Stadium, dass über einen Bau nichts gesagt werden könne.

Kommentare