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Wann und wie treten Langzeitfolgen auf?

Gefahr der Spätfolgen durch Impfung: Warum Kimmichs Annahmen faktisch falsch sind

Der 26 Jahre alte Kimmich hat am Wochenende nach dem 4:0 des deutschen Fußball-Rekordmeisters gegen 1899 Hoffenheim eingeräumt, bislang nicht gegen das Coronavirus geimpft zu sein.
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Der 26 Jahre alte Kimmich hat am Wochenende nach dem 4:0 des deutschen Fußball-Rekordmeisters gegen 1899 Hoffenheim eingeräumt, bislang nicht gegen das Coronavirus geimpft zu sein. Seine Argumentation löste heftige Reaktionen aus.
  • Markus Zwigl
    VonMarkus Zwigl
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Seit dem heiß diskutiertem Interview von Bayern-Profi Joshua Kimmich sind sie wieder in aller Munde: Die Bedenken vor durch die Impfung hervorgerufene Langzeitfolgen. Von vielen Ungeimpften ist immer wieder der Satz zu hören: „Aber wir wissen doch nichts über Spätfolgen“. Warum diese Bedenken aber wissenschaftlich total unbegründet sind, erfahrt ihr hier:

München „Ich habe persönlich noch ein paar Bedenken, gerade, was fehlende Langzeitstudien angeht“, sagte Bayern-Profi Joshua Kimmich am Samstag nach dem Bundesligaspiel gegen die TSG Hoffenheim dem TV-Sender Sky. Kurz zuvor wurde bekannt, dass der Mittelfeldspieler und Mitgründer von „WeKickCoronanoch nicht gegen das Corona-Virus geimpft ist.

Bei Impfungen gibt es keine Spätfolgen

Doch was steckt hinter dieser Aussage? Fakt ist, dass in der langen Geschichte von Impfungen noch nie Spätfolgen aufgetreten sind. Wenn von Langzeitfolgen die Rede ist, sind bei Impfstoffen keine Nebenwirkungen gemeint, die erst lange nach einer Impfung auftreten, sondern sehr seltene Nebenwirkungen, die erst nach längerer und häufiger Anwendung eines Impfstoffs entdeckt werden. Klaus Cichutek, Biochemiker und Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts erklärt hierzu: „Sehr seltene Nebenwirkungen kann man erst detektieren, wenn der Impfstoff lang genug auf dem Markt und im Einsatz ist, dass diese nach hunderttausendfachen Impfungen erkannt werden.“

Über sechs Milliarden Impfdosen verabreicht

Der große Vorteil bei den Impfungen gegen das Corona-Virus ist, „dass dieser Impfstoff innerhalb kurzer Zeit bei vielen Menschen angewendet wurde. Allein in Deutschland wurden mehr als 100 Millionen Dosen, weltweit mehr als sechs Milliarden verimpft. Auch die Anzahl der Probanden in den klinischen Studien vor der Zulassung war schon auffallend groß.

Probanden klinischer Studien vor Zulassung

Beim ersten zugelassenen Covid-19-Impfstoff wurde das Vakzin etwa 40.000 Probanden verabreicht.

Bei anderen – ebenfalls ganz neu zugelassenen – Impfstoffen in Europa während der letzten Jahre bewegten sich die Probandenzahlen meist in Bereichen von 10.000 bis 15.000.

Nur deshalb kennt man bereits mögliche seltene Nebenwirkungen wie Sinusvenenthrombosen, dabei kommt es zu einem Verschluss bestimmter Venen im Gehirn. Diese Nebenwirkung wäre eventuell erst in ein paar Jahren aufgetreten, wenn sich nur ein Bruchteil der Menschen hätte impfen lassen. Bedingt durch die durchgeführte Massenimpfkampagne war eine notwendige Anzahl Geimpfter für das Erkennen seltener Nebenwirkungen also sehr schnell erreicht.

Nebenwirkungen können erst bei bestimmter Häufigkeit erkannt werden

Denn Nebenwirkungen einer Impfung treten immer innerhalb von wenigen Wochen nach der Impfung auf. Nur werden oft Nebenwirkungen nicht mit der Impfung in Verbindung gebracht, wenn sie nicht in einer gewissen Häufigkeit auftauchen. Wobei das Wort Häufigkeit wieder in Relation gesetzt werden muss. Die Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung berichtete im März von 13 Fällen einer Sinus- oder Hirnvenenthrombose nach mehr als 1,6 Millionen verabreichten Impfdosen der Firma Astrazeneca. Bekannt sind diese Trombosen also als sehr seltene Nebenwirkung der Corona-Impfung vor allem bei den Vektor-basierten Impfstoffen von Astrazeneca und Johnson & Johnson.

Kurz und verständlich zusammengefasst hat dies auch Petra Falb, Gutachterin in der Zulassung für Impfstoffe beim österreichischen Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen, in ihrem Blog: „,Langzeit‘ bezieht sich bei Impfstoffen also nicht auf die Zeit, nach der eine Nebenwirkung auftritt, sondern auf die Zeit, nach der überhaupt genug Personen geimpft sind, um selbige dem Impfstoff sicher zuordnen zu können.

„Nebenwirkungen, die in einem Jahr auftreten, gibt es nicht“

Und weiter: „Langzeitdaten brauchen wir also nicht, weil Nebenwirkungen so lange nach einer Impfung auftreten können, sondern um sehr seltene Nebenwirkungen überhaupt erkennen zu können – es muss eine ausreichende Menge an Personen geimpft sein, damit diese Nebenwirkung überhaupt erstmals auftritt und dann dem Impfstoff zugeordnet werden kann.“

Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, äußerte sich ähnlich: „Was offensichtlich viele Menschen unter Langzeitfolgen verstehen, nämlich dass ich heute geimpft werde und nächstes Jahr eine Nebenwirkung auftritt, das gibt es nicht, hat es noch nie gegeben und wird auch bei der Covid-19-Impfung nicht auftreten.“ Nach ein paar Wochen sei die Immunreaktion abgeschlossen und der Impfstoff ist aus dem Körper verschwunden.

„Hätten wir jedes Jahr nur zehn Millionen Impfungen durchgeführt, könnte es sein, dass man diese Nebenwirkungen erst viel später erkannt hätte“, sagte Watzl und betonte: „Wenn überhaupt sind die Covid-19 Impfstoffe in Bezug auf Langzeitfolgen (seltene Nebenwirkungen) also bereits besser erforscht als andere Impfungen.“

Long-Covid deutlich gefährlicher

Ingo Froböse, Professor für Prävention und Rehabilitation im Sport an der Deutschen Sporthochschule Köln, warnt viel mehr vor Langzeitfolgen bei ungeimpften Sportlern durch Long-Covid. Auch Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich, der sich noch nicht gegen das Coronavirus hat impfen lassen, gehöre zur gefährdeten Gruppe, nach einer möglichen Corona-Infektion möglicherweise an Spätfolgen zu leiden. „Das Risiko, das er hier eingeht, ist ziemlich groß. Die großen Probleme bei den nichtgeimpften Sportlern ergeben sich durch Long-Covid“, sagte Froböse am Dienstag im ARD-Morgenmagazin.

Long-Covid sei eine Langzeitfolge „und was für eine“, sagte der Sportwissenschaftler. Diese könne im schlimmsten Fall, wie schon bei anderen Sportlern eingetreten, zum Karriereende führen.

An der Sporthochschule in Köln seien mittlerweile viele Sportler in der Betrachtung und Betreuung, „die langwierige Folgen haben, dadurch, dass sie nicht geimpft“ seien, sagte Froböse. Die Argumentation von Kimmich könne er nicht ganz nachvollziehen: „Falsch macht er, dass er einen falschen Blick auf die Impfung wirft“. Es gebe natürlich Nebenwirkungen, „aber das sind immer nur akute Reaktionen durch die Impfung“, so Froböse.

Kardiologe Jonas Zacher von der Deutschen Sporthochschule Köln betonte im TV-Sender Sky ebenfalls: „Das Risiko durch eine Impfung ist viel geringer als das Risiko durch eine Covid-19-Infektion. Von daher klare Impfempfehlung, auch für unsere Nationalspieler.“

„Langzeitschaden“: Falscher Sprachgebrauch

Petra Falb betont in ihrem Blog auch, dass es bei manchen Impfungen in seltenen Fällen durchaus zu jahrelangen Impfschäden gekommen sei. Wenn beispielsweise früher eine Pockenimpfung eine Gehirnentzündung auslöste, konnte das dauerhafte Schäden hinterlassen. Doch die Gehirnentzündung selbst war relativ schnell nach der Impfung aufgetreten. „Das Wort ‚Langzeitschaden‘ hat sich hier im täglichen Sprachgebrauch etabliert und wird vielfach fälschlich – übertragen auf die aktuelle Situation – interpretiert als ‚Schaden, den die Impfung erst nach langer Zeit verursacht‘“, so Falb. „Diese damaligen Impfstoffe würden es nach heutigen Kriterien nicht durch ein Zulassungsverfahren schaffen“, ergänzt Falb.

mz

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