Ganztags-Grundschulen: Nachfrage nicht gedeckt

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München – Bayern hat bei der Einrichtung von Ganztagsgruppen an den Grundschulen noch Nachholbedarf.

Das ergibt sich aus einem Bericht des Kultusministeriums an den Landtag. An den Grundschulen wird seit dem vergangenen Schuljahr der Betrieb von offenen Ganztagsschulen erprobt. Zum Start waren es 6400 Schüler in 300 Gruppen.

Seit diesem Schuljahr ist dieser Versuch kräftig ausgeweitet worden – auf 28 000 Schüler in 1300 Gruppen. 80 Prozent der Kinder sind Grundschüler, 20 Prozent Förderschüler im Grundschulalter. „Jedes Jahr werden 1000 weitere Gruppen eingerichtet, bis der Bedarf gedeckt ist“, sagte Michael Rißmann, der im Ministerium für den Ausbau der Ganztagsschulen zuständig ist.

Neu bei den Ganztagsgruppen ist, dass sie möglichst flexibel gestaltet werden sollen. Eltern können über die Zahl der gebuchten Tage selbst entscheiden – es müssen allerdings mindestens zwei in der Woche sein. Auch das Schulende wurde auf Wunsch der Eltern vorverlegt – von 16 auf 15.30 Uhr. Da der Besuch der offenen Ganztags-Grundschule (anders als beim Hort) kostenlos ist, habe man eine neue Klientel erreicht – sozial benachteiligte Schüler und auch viele Migrantenkinder.

Ist das Kind einmal angemeldet, so ist der Besuch der Ganztagsgruppe auch Pflicht – theoretisch. In der Praxis sollten die Lehrer die Möglichkeiten zur Befreiung durchaus großzügig nutzen, sagte Rißmann. Omas 80. Geburtstag oder auch ein fest vereinbarter Kinderarzt-Besuch am Nachmittag müssten deswegen nicht ausfallen.

Die Landtags-CSU hatte die erweiterte Ganztags-Betreuung im März 2015 beschlossen und damals eine Betreuung bis 18 Uhr sowie in den Ferien angekündigt – sofern die Eltern das wünschen. Ganz umgesetzt sind diese weitreichenden Versprechungen aber noch nicht, wie sich gestern im Landtag zeigte. Rißmann sprach freimütig einige Organisationsprobleme an. So kooperieren Kommunen auf dem Land gerne mit Vereinen, die in den Schulen dann Sport oder anderes anbieten. Die Vereine hätten jedoch Probleme, schon am Nachmittag geeignete Betreuer zu finden.

Auch die Zahl sogenannter Kombi-Modelle ist eher gering: Nur acht Grundschulen in Bayern bieten bisher über einen Hort einen Ganztagsbetrieb mit Sozialpädagogen statt Lehrern auch in den Ferien an. „Da ist man in Bayern erheblich hinter unseren Erwartungen zurückgeblieben“, kritisierte die SPD-Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr. dirk walter

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