G9-Termin in der Staatskanzlei

München – Der Vorschlag liegt auf dem Tisch, jetzt wird diskutiert: Der Vorstand des Bayerischen Philologenverbands stellte gestern sein Konzept eines neuen neunjährigen Gymnasiums (mit G8-Ausnahme) in der Staatskanzlei vor. Wie berichtet, beinhaltet das Konzept, dass talentierte Schüler die 10.

Jahrgangsstufe überspringen können – also dann weiterhin G8-Schüler sind. Alle anderen machen das Abitur nach neun Jahren, wobei der Lehrstoff neu konzipiert wird.

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) hätten nicht den Eindruck gemacht, als sträubten sie sich mit allen Mitteln dagegen, berichtete Verbandschef Max Schmidt nach dem Staatskanzlei-Termin, bei dem er die Eckpunkte seines Konzepts präsentierte. „Ich bin fürs erste zufrieden.“ Freilich gebe es noch ungelöste Fragen, die diskutiert werden müssten.

Der Verband will dazu noch vor der Sommerpause einen Gymnasialkongress veranstalten – mit Parteien, Verbänden, Eltern und Schülern. Auch die Politik brauche Zeit. „Regierung und CSU-Fraktion müssen ja erst ihre Meinung finden“, sagte Schmidt. Er denke aber, dass ein „parteiübergreifender Konsens“ machbar sei.

Vor allem auf die ungelösten Fragen zielten die Stellungnahmen, die gestern zu dem Konzept des Philologenverbands eintrudelten. Das Konzept greife zu kurz, monierte der Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Klaus Wenzel. Der BLLV ist vor allem bei den Grundschullehrern verankert, hat jedoch auch mehr und mehr Mitglieder unter Gymnasiallehrern. Die Philologen ließen im Unklaren, wie sie die Neuausrichtung inhaltlich bewerkstelligen wollten. Nach Meinung Wenzels müssten die Lehrplaninhalte weiter gekürzt und die Stundentafeln überarbeitet werden, um die „Entzerrung“ in der Mittelstufe auch zu erreichen. Das allerdings will der Philologenverband gerade nicht. Wenzel schlug ferner vor, auch die Unter- sowie die Oberstufe zu entlasten. Eventuell müsse sogar zum Vier-Fächer-Abitur zurückgekehrt werden – bisher schreiben die Gymnasiasten in fünf Fächern ihr Abitur.  dw

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