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Neuanfang für 27-jährige Ukrainerin in Bayern

„Fühlte mich wie in einem Märchen“: Wie Natalia die Adventszeit in Bayern erlebt

Natalia Aleksieieva.
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Natalia Aleksieieva.
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    VonNatalia Aleksieieva
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Natalia Aleksieieva ist am 7. März aus Odessa nach München geflüchtet. Sie hat viel Hilfe bekommen und bereits eine Wohnung und einen Job in München gefunden. In ihrer Kolumne berichtet die 27-Jährige über ihr neues Leben in Bayern - und über die Nachrichten aus ihrer ukrainischen Heimat. Ihre Texte schreibt sie auf Deutsch.

Heute ist der 285. Kriegstag. Mehrere Wochen hintereinander wurde ein groß angelegter Raketenangriff vorhergesagt. Vor wenigen Tagen, als der erste Schnee in der Ukraine fiel, wurden 70 Raketen abgefeuert. Die neue Strategie von Russland ist, alle Leitungen zu zerstören, damit es keinen Strom, kein Wasser und keine Heizung mehr gibt. Viele Siedlungen sind ohne Wasserversorgung und Heizung.

In sozialen Netzwerken veröffentlicht man Listen der Straßen von Odessa, auf denen Wasserträger stehen. Wieder gab es kilometerlange Staus an Tankstellen. In meiner Heimatregion gibt es Stromausfälle. In Odessa wurden spezielle Punkte eröffnet, an denen man sich aufwärmen und das Telefon aufladen kann. Jedes Mal, wenn ich mit meinen Eltern telefoniere, weiß ich nicht, wann ich das nächste Mal mit ihnen sprechen kann. Je dunkler es in der Ukraine wird, desto heller und gemütlicher wird es in München, so scheint es.

Ich finde deutsche Weihnachtstraditionen richtig großartig. Wie in einem Märchen fühlte ich mich auf dem Christkindlmarkt am Marienplatz. Vor dem Hintergrund des Christbaums weht die ukrainische Flagge als Zeichen der Unterstützung und des Glaubens an unseren Sieg. Ich war auch auf dem Tollwood- Festival und habe dort Verkäufer wiedergetroffen, die ich im Sommer kennengelernt hatte. Ich freute mich, sechs Monate später wieder hallo sagen zu können. Ich trank Kinderpunsch in einem warmen Zelt und fühlte mich wie ein kleines, glückliches Kind.

Ich wohne in der Nähe der Theresienwiese und sehe in letzter Zeit keine Sterne mehr aus meinem Fenster. Der Himmel ist von den vielen Lichtinstallationen des Festivals lila gefärbt. Die Besitzer des Hauses, in dem ich wohne, haben mir den ersten Adventskranz in meinem Leben geschenkt. Und sie haben mir am Nikolaustag ein richtiges Feiertagsfrühstück arrangiert. Die leeren Teller, die abends auf dem Balkon gelassen wurden, waren morgens mit Süßigkeiten und Obst gefüllt. Ich habe zum ersten Mal den traditionellen Weckmann probiert. Natürlich habe ich sofort herausgefunden, dass Weckmann in Bayern Krampus heißt. Wir hörten alle zusammen bayerische Märchen auf einem CD-Player und einen lustigen Sketch von meinem Lieblingskomiker Gerhard Polt - „St. Nikolaus“.

Eine Freundin hat mir den ersten Adventskalender meines Lebens geschenkt. Sie hat so viel Herz reingesteckt. Für mich ist dies ein besonderes Geschenk, an das ich mich immer erinnern werde. Jeden Abend öffne ich ein neues Tütchen. Der Adventskalender ist so schön geworden, dass ich alle Tütchen wieder fülle und vorsichtig zurückhänge. Ich möchte ihn in seiner ursprünglichen Form behalten. Es ist schade, dass es in der Ukraine keine solchen Traditionen gibt. In diesem Monat ist das Gefühl, dass ich in zwei parallelen Welten lebe noch stärker als sonst: absolute Trauer und Hoffnungslosigkeit daheim und absolutes Glück im vorweihnachtlichen München mit den Liebsten.

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