Immer mehr Fuchs-Attacken: An sich scheue Tiere greifen plötzlich Menschen an

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Archivbild: Ein ausgewachsener Fuchs mitten in der Stadt. Manche Tiere finden in den Städten besonders gute Lebensbedingungen - nicht alle sind erwünscht.

In Iffeldorf entdeckt ein Vater einen Fuchs im Kinderzimmer; in Frieding greift ein Fuchs zwei Kinder an, die im Garten der Eltern zelten; in Kreuth verletzt ein Fuchs einen achtjährigen Buben.Warum aber greifen die eigentlich scheuen Tiere Menschen an? Und lässt sich das verhindern?

VON BEATRICE OSSBERGER

Iffeldorf – Es ist Donnerstag gegen 23 Uhr in Iffeldorf (Landkreis Weilheim-Schongau): Markus Goldmann ist auf dem Weg ins Erdgeschoss, um die Terrassentür zu schließen. Da bemerkt er, wie sich ein Tier den Flur entlang schleicht. „Ich sah einen buschigen Schwanz und dachte erst an eine Katze“, sagt der 35-Jährige. Als er aber das Licht anmacht, sieht er jedoch, wie ein Fuchs im Kinderzimmer verschwindet.

Fuchs schleicht sich ins Kinderzimmer

Geistesgegenwärtig reißt Goldmann seinen dreijährigen Sohn aus dem Kinderbett, rennt aus dem Zimmer und schließt die Tür. Der Bub ist in Sicherheit und der Fuchs eingesperrt. Als alle Versuche Goldmanns scheitern, den Fuchs selbst zu vertreiben, ruft er die Polizei. Zwei Beamten gelingt es schließlich, das Tier mit einer Decke einzufangen. Sie entlassen den Fuchs später in die Freiheit.

Kinder beim Zelten von Füchsen gebissen

In diesem Fall wurde das Kind nicht verletzt. Bei zwei anderen Fällen schon. Im August werden sowohl in Frieding (Landkreis Starnberg) als auch in Kreuth (Landkreis Miesbach) Kinder von Füchsen angegriffen. Die Kinder zelteten in Privatgärten, in beiden Fällen versuchten die Füchse, sich Zugang ins Zelt zu verschaffen – und sie bissen zu (wir berichteten). Nicht nur die Häufung dieser Fälle ist ungewöhnlich, auch das Verhalten der Tiere ist unüblich. „Normalerweise sind Füchse sehr scheue Tiere“, sagt Thomas Schreder, Wildbiologe und Sprecher des Bayerischen Jagdverbands (BJV). „Der Mensch ist für sie eine Bedrohung. Nehmen sie einen Menschen wahr, suchen sie das Weite.“

Durch Anfüttern geht die Scheu verloren

Thomas Schreder vom Bayerischen Jagdverband

Das gilt für die Tiere im Wald ebenso wie für die Füchse, die in Dörfern oder Städten leben. Bei den Stadt-Füchsen könne über kurz oder lang aber ein Gewöhnungseffekt einsetzen, sagt Schreder. „Vor allem, wenn die Tiere regelmäßig Nahrung am Haus finden oder direkt angefüttert werden, verlieren sie ihre Scheu vor dem Menschen.“ So trauen sich Füchse immer näher an die Menschen und deren Häuser heran oder auch hinein. „Ich bin mir sicher, dass der Fuchs von Iffeldorf nicht das erste Mal an einem Haus war“, sagt Schreder.

Bei den Kindern in den Zelten könnte es sein, sagt Schreder, dass die Tiere die Kinder als Konkurrenten in ihrem Revier wahrgenommen haben. Und sie deshalb vertreiben wollten. Dass die Tiere krank gewesen sein könnten und sie deshalb so aggressiv reagierten, hält Schreder für unwahrscheinlich. „Kranke Tiere verhalten sich eher lethargisch.“

Mehrere tausend wilde Füchse allein in München

Wie viele Füchse in Dörfern und Städten leben, ist nicht bekannt. Mehrere Tausend sollen es allein in München sein. Die Tiere fühlen sich wohl im urbanen Umfeld. Die Temperaturen sind angenehm und es gibt Nahrung in Hülle und Fülle: Ratten, Mäuse, Tauben und alles, was die Menschen an Essensresten wegwerfen.

Unklar ist, ob die Zahl der Stadtfüchse zunimmt. Schreder hält das für gut möglich, zumal auch im Wald die Populationsdichte von Füchsen hoch ist. „Die Reviere dort sind besetzt, das treibt immer mehr Jungtiere in die Stadt.“

Kann man Fälle wie die von Iffeldorf, Frieding und Kreuth verhindern? Nicht zu 100 Prozent, sagt Schreder. Aber man könne etwas tun, damit die Tiere ihre Scheu vor dem Menschen nicht verlieren.

Jagdverband: "Wir behalten die Situation im Auge"

Wichtig ist, ihnen in der Nähe des Hauses keine Nahrung anzubieten, etwa Katzenfutter auf die Terrasse zu stellen. Mülltonnen sollten immer geschlossen sein. Und dass sich das Anfüttern der Füchse verbietet, versteht sich von selbst. Noch funktioniert das Zusammenleben zwischen Fuchs und Mensch. Fälle wie die von Iffeldorf, Frieding und Kreuth sind bisher die Ausnahme. „Wir behalten die Situation im Auge“, sagt Schreder.

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