„Froschbande“ muss für Raubmord büßen

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Sie suchten nach Bargeld und Schmuck und prügelten jeden nieder, der sich ihnen in den Weg stellte. Der Mesner Markus K. aus Meiling musste deshalb im September 2015 sterben. Drei Jahre später, ab dem 16. Oktober, wird den acht Tätern aus Rumänien der Prozess gemacht.

ProzessAuftakt im Oktober

von angela walser

Meiling – Die Masche war immer die gleiche: An der Haustür baten ein oder zwei Männer mit einem Kanister um Wasser. Unter diesem Vorwand erkundeten die Rumänen rasch das Anwesen, erspähten Terrassentüren und andere Einbruchsmöglichkeiten. Nachts schlugen sie dann zu. Auch bei Familie K. aus Meiling (Kreis Starnberg) tauchten die kleinen, gedrungenen Männer zunächst tagsüber auf. In Österreich wurden sie zu diesem Zeitpunkt schon als „Froschbande“ geführt – zum einen wegen ihrer Körperstatur, zum anderen wegen ihres zahlreichen und flinken Auftretens nach Einbruch der Dunkelheit.

Beim Meilinger Überfall hatte der 72-jährige Hausherr die Einbrecher aufhalten wollen. Doch die Räuber (23 bis 54 Jahre alt) schlugen sofort zu, zertrümmerten ihm mit Stangen und Latten das Gesicht und den Oberkörper. Danach packte einer der Männer die schlafende Frau und schlug ihr mit der Faust ins Gesicht. Anschließend sperrten sie die beiden Opfer in eine kleine Besenkammer. Dort begann für den 72-Jährigen der Todeskampf.

Anfangs war er noch bei Bewusstsein, dann fiel er ins Koma, einen Tag später war er tot. Seine schwer verletzte Frau Irmgard konnte ihm nicht helfen. Sie hatte ihm lediglich die trockenen Lippen mit destilliertem Wasser benetzen können, das sich in der Kammer befand. Die 68-Jährige wurde nach zwei Tagen von einem aufmerksamen Zeitungsboten des Münchner Merkur gefunden. Er hatte ihr schmerzhaftes Wimmern vernommen. Die Beute der Froschbande in Meiling war gering. Für Schmuck und Bargeld im Wert von einigen hundert Euro musste Markus K. jedoch sein Leben lassen.

Die mutmaßlichen Einbrecher wurden bald nach dem Überfall vor einem Wiener Lokal gefasst, wo sie den Erfolg ihres letzten Raubzugs in Österreich ausgelassen feierten. Sieben Mal hatten sie im Nachbarstaat zugeschlagen. Dabei waren sie stets mit einer unglaublichen Brutalität vorgegangen und hatten die Menschen, insbesondere Alte, Schwache und Kranke, in Angst und Schrecken versetzt, indem sie die oft hilflosen Personen überfielen und schrecklich misshandelten. 2016 wurden die Mitglieder der Froschbande von einem Gericht in Wiener Neustadt zu Haftstrafen zwischen achteinhalb und 19 Jahren verurteilt. Einige Männer hatten Teilgeständnisse abgelegt, andere schwiegen zu den Vorwürfen. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Während in das österreichische Verfahren auch Überfälle aus Italien und der Schweiz einbezogen wurden, muss die Mordanklage aus Meiling separiert verhandelt werden. Seit der Festnahme in Wien sitzen die „Froschbändler“ in verschiedenen Gefängnissen in Österreich ein. Ende der Woche sollen die acht Rumänen nach Bayern ausgeliefert werden. Den hiesigen Verteidigern bleiben dann noch sechs Wochen zur Prozessvorbereitung.

In welchem Gerichtssaal der Raubmord dann verhandelt wird, ist allerdings noch völlig unklar. Der neue, hochmoderne Komplex in Stadelheim verfügt nur über sechs angegliederte Zellen – unzureichend für die „Froschbande“. Der große Gerichtssaal im Strafjustizzentrum, in dem der NSU-Prozess verhandelt wurde, ist belegt.

Witwe Irmgard K. hat das Haus in Meiling mittlerweile verkauft. Vor dem Schwurgericht München II wird sie als Zeugin die schrecklichen Ereignisse jener Septembertage noch einmal schildern und durchleben müssen. Die Staatsanwaltschaft hat mehr als ein Dutzend Zeugen geladen – darunter auch viele Hausbesitzer aus der Umgebung von Meiling. An ihren Türen hatten die Rumänen auch geläutet und mit einem Kanister um Wasser gebeten.

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare