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Seinem Stammtisch in Altötting bleibt er treu

Fredl Fesl wird 75: „Ich lass mir meinen Witz nicht nehmen“

Urviech mit Gitarre: Fredl Fesl.
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Urviech mit Gitarre: Fredl Fesl.
  • Armin Geier
    VonArmin Geier
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Freude, Wehmut und ein mittelgroßes Fest: Fredl Fesl, der bayerische König der Gaudi, wird 75.

Pleiskirchen – Vielleicht ist es dieses Glitzern der Oberfläche. Dazu diese stete Bewegung. Alles ist im Fluss. Alles ruhig. Fredl Fesl liebt das Wasser – und das Fischen. „Schon als kleiner Bub hab ich immer Forellen aus dem Bach geholt“, erinnert er sich. „Stundenlang.“ Mit den bloßen Händen, versteht sich. Damals in seiner niederbayerischen Heimat.

Lange ist’s her. Heute feiert der Urbayer seinen 75. Geburtstag. Was er sich wünsche? Eigentlich nichts. Doch dann funkeln seine Augen. Frech, fordernd: „Noch einmal Fischen gehen, das wär’s.“ Wenn da nur nicht dieses verdammte Parkinson wäre. Mittlerweile ist es zu gefährlich, dass Fredl alleine am Ufer steht. Nur noch mit einem Rollator kann er sich langsam bewegen. Rund ums Haus. Nicht einmal zu seinen geliebten Weihern kann er mehr schauen, die direkt unterhalb seines Bauernhofes bei Pleiskirchen im Landkreis Altötting liegen.

„Lass mir meinen Witz nicht nehmen“

Aber Fredl Fesl ist ein Kämpfer, ein „Bummerl“, wie man in Niederbayern sagt. Ein Stier. „Ich lass mir meinen Witz nicht nehmen“, ist sein Überlebens-Motto geworden. Und daher wird heute auch gefeiert. „Man wird ja nicht jeden Tag 75.“ Freunde kommen. „Wir treffen uns zu einem großen Mittagessen“, erzählt Ehefrau Monika, da dem Jubilar das Sprechen immer schwerer fällt.

Gut 30 Gäste haben sie eingeladen. Warum nicht mehr? Da kommt die einmalige Fredl-Logik zum Einsatz: „Beim letzten Runden waren es über 100. Da begrüßt du noch die letzten, die kommen – und schon kommen die ersten, um sich zu verabschieden. So bist du nur am Händeschütteln.“

Publikum bog sich vor Lachen

Fredl, der gelernte Schmied, liebte die Bühne. Umso schmerzlicher ist es, dass er nichts mehr darbieten kann. „Als erstes haben die Finger nicht mehr mitgemacht – auf der Gitarre. Seit 2006 bin ich jetzt gezwungenermaßen im Ruhestand.“ Ausgerechnet er – der König der Gaudi. In den 1970er- und 1980er-Jahren füllte er jede Stadthalle: Von Passau über Plattling bis Petershausen. Den „Anlassjodler“ kannte damals jedes Kind, beim „Taxilied“ bog sich das Publikum vor Lachen. Und genau das war Fredls reine Freude: Er wollte die Menschen einfach nur zum Lachen bringen. „Ich wusste immer, dass ich das am besten kann. Unsinn machen“, erzählte er einmal.

Und den macht er heute noch. Im kleinen Kreis: Immer donnerstags lässt er sich nach Altötting zum Stammtisch fahren. Da sitzt er dann mit acht guten Freunden zusammen, genießt ein Weißbier, schweigt und hört zu: „Bis er plötzlich einen Satz raushaut, der alle zum Schreien bringt“, erzählt ein Spezl. Dann ist kurz alles wieder gut, alles im Fluss. Es gibt aber auch die schlechten Tage: Wenn Fredl alles weh tut, er sich wie gelähmt fühlt. „Dann kann ich kaum aufstehen.“ In diesen Momenten, gibt er zu, denke er oft mit Wehmut an die guten, alten Zeiten: Als er unbeschwert mit der Gitarre in der einen Hand und einer Mass Bier in der anderen auf die Bühne gegangen sei und mit dem Publikum einen „lustigen, unterhaltsamen Abend“ verbracht habe. Diese Erinnerungen seien ein Trost, seien Gold wert, sagt er.

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