Attacke aus dem Nichts

Frasdorf: Messerangriff bei Mitfahrgelegenheit – das sagt das Opfer

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Auf diesem Parkplatz bei Frasdorf soll der Tatverdächtige sein Opfer schwer verletzt haben.
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Auf diesem Parkplatz bei Frasdorf soll der Tatverdächtige sein Opfer schwer verletzt haben.
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    vonRosi Gantner
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Diese Nacht wird ein 19-Jähriger aus dem Chiemgau nie vergessen: Auf der Rückfahrt aus Zürich, er am Steuer, griff ihn sein Mitfahrer brutal an – aus dem Nichts, mit einem Messer. Er stach wahllos auf ihn ein. Nur knapp konnte der Fahrer sich retten, überlebte den Angriff mit viel Glück. So schildert er die Attacke.

Frasdorf – Noch heute, eine Woche nach der Attacke, kann es der 19-Jährige, der inzwischen über den Berg ist, noch immer kaum glauben: „Das war wie im schlechten Film“, beschreibt er die dramatische Situation im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Was war geschehen? Der 19-Jährige, ein leidenschaftlicher Fußballer, befand sich Montagabend (27. Januar) auf der Rückfahrt aus Zürich – nach einem bestandenen Pilotentest sollte es zurück in die Heimat, in den Chiemgau gehen. Weil Zürich nicht gerade billig ist, kam ihm der Gedanke, Mitfahrer mitzunehmen. „Ich habe das zum allerersten Mal gemacht.“

Mitfahrportal erstmals genutzt

Via App hatten sich zwei junge Männer bei ihm gemeldet. Der eine wollte nach München. Der andere nach Aschau im Chiemgau. Die Fahrt: nett, harmonisch, friedlich. So beschreibt sie der 19-Jährige. In München, am Klinikum Großhadern, habe der erste Mitfahrer den Wagen verlassen. Die Tour ging weiter gen Aschau, von der Autobahn bogen sie in Frasdorf auf die Landstraße.

Kurz nach dem Ortsausgang von Frasdorf die Bitte des Mitfahrers, ein 18-jähriger Münchner – „warum der nach Aschau wollte und das auch noch mitten in der Nacht, hab ich irgendwie nicht hinterfragt“ – rechts ranzufahren. Er müsse austreten. Dann der Schock: „Er kam zum Auto zurück, mit einem Messer in der Hand“, berichtet der 19-Jährige.

Szenen wie aus einem Horrorfilm

Was dann folgte, könnte einem Horrorfilm entstammen: Der Mitfahrer stach wild auf ihn ein, in den Hals, den Oberschenkel. Beim Versuch abzuwehren, zerfleischte er regelrecht die Hände des 19-Jährigen. Versuchte dann, ihn zu würgen. „Dabei bin ich an seinen Finger gekommen, habe ihn fast abgebissen“, beschreibt das Opfer die surreale Situation. Der Angreifer habe daraufhin für einen Moment von ihm abgelassen – für ihn die Rettung.

„Ich konnte mich abschnallen und bin aus dem Auto gerollt, auf die Straße.“ Dort sein großes Glück: Ein Auto näherte sich aus Fahrtrichtung Aschau, zu nachtschlafender Zeit gegen 1.30 Uhr. „Ich habe mich aufgerappelt, bin vor das Auto gesprungen, nur noch mit dem Gedanken, entweder fährt der mich jetzt um oder er hält an.“

Blutüberströmt in Wagen gerettet

Der Wagen hielt. Der 19-Jährige, blutüberströmt, schleppte sich in Panik zum Auto, rettete sich hinein – denn der Angreifer war ihm weiter mit dem Messer hinterher. Die Insassen in dem Wagen, eine Frau und ein Mann aus Österreich: Auch sie waren geschockt. „Sie dachten erst an einen Unfall.“

Und auch hier hatte der 19-Jährige großes Glück: Die Begleiterin des Österreichers war ausgebildete Sanitäterin, konnte sogleich professionelle Ersthilfe leisten – und damit die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte optimal überbrücken. „Gefühlt hat das zwei Stunden gedauert, aber es waren offenbar nur 20 Minuten“, erinnert sich der Chiemgauer.

Not-OP im Klinikum Rosenheim

Dann: die Fahrt ins Klinikum Rosenheim, die Not-OP noch in der Nacht. Ende der Woche eine zweite OP an der Hand, in der ein Chirurg noch einmal die letzten Nerven zusammenfügte. „Inzwischen kann ich meine Finger schon wieder ganz gut bewegen, abgesehen davon, dass meine Hände komplett eingebunden sind“, ist der 19-Jährige erleichtert. Auch von der Stichwunde am Hals, etwa drei bis vier Zentimeter tief, dürfte schlussendlich nur eine Narbe bleiben. „Ich hatte Riesenglück, dass er nicht die Halsschlagader erwischt hat.“

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Der Angreifer flüchtete nach der Tat, wie berichtet, mit dem Wagen des Opfers – und stellte sich wenig später in München der Polizei. Er befindet sich auf richterlichen Beschluss in psychiatrischer Betreuung. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern an. Zum genauen Stand wollte sich das Polizeipräsidium Oberbayern-Süd am Dienstag (4. Februar) nicht äußern.

Talentierter Fußballer mit großen Zielen

Der 19-Jährige befindet sich inzwischen auf dem Wege der Besserung. Er konnte das Klinikum am Samstag wieder verlassen – und blickt bereits optimistisch in die Zukunft: Anfang April will er, ein ebenso leidenschaftlicher wie erfolgreicher Fußballer, für seinen Verein, den Kreisligisten TuS Prien, wieder am Start stehen – um zusammen mit seinen Mannschaftskollegen zum Rückrundenstart das Top-Spiel gegen den Tabellenersten bestreiten zu können.

Schließlich zählt der 19-Jährige zu den vielversprechenden Stürmern in der Region, war gar Torschützenkönig in der U19 (Bezirksoberliga).

Im April geht es wieder nach Zürich

Und er hat ein weiteres großes Ziel vor Augen, weshalb er baldmöglich wieder völlig genesen sein will: seine Pilotenkarriere. Denn ebenfalls Anfang April steht für ihn die nächste Runde im Auswahlverfahren an, der verpflichtende Medizincheck und ein Interviewtermin. „Bis dahin will ich wieder völlig fit sein“, gibt er sich kämpferisch. Und dann geht es für ihn zurück nach Zürich. „Dieses Mal aber ganz sicher ohne Mitfahrer.“

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