Frankens Felder verdorren

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Oberbayerns Bauern hatten noch Glück

Die Getreideernte in Bayern neigt sich dem Ende. Bei sengender Sonne sind die Bauern mit den Mähdreschern auf den Feldern unterwegs und fahren ein, was Hitze und Trockenheit übrig gelassen haben. Längst nicht so schlimm wie im Norden und Osten Deutschlands, aber stellenweise ist auch in Bayern die Lage ernst.

Ernteverluste auch bei Bayerns Bauern

Von Claudia Möllers

Pinzberg/Neufahrn – Es ist der letzte Erntetag für Hermann Greif. Hafer und Sommergerste werden vom Mähdrescher „gefressen“, mindestens zwei Wochen früher als sonst. Greif, der Getreidepräsident des Bayerischen Bauernverbands ist, hat einen 120-Hektar-Betrieb in Pinzberg (Kreis Forchheim). Mit Sorge blickt er auf seine Felder. „Das Getreide ist extrem trocken aufgrund der Hitze und der Trockenheit bei uns in Franken.“ Zuletzt hat es vor einigen Wochen geregnet. Aber da war es schon zu spät. „Unser Getreide war am Ausreifen. Durch den Regen haben alle grünen Seitentriebe noch mal frische Kraft gekriegt und losgelegt – und jetzt haben wir Zwiewuchs.“ Das heißt, es stehen grüne Körner neben reifen. Wenn der Bauer auf die grünen Körner warten würde, fallen die reifen aus.

Eine Ernteeinbuße von 20 bis 50 Prozent befürchtet Greif auf den Feldern in Nordbayern. Bewässern rentiert sich nicht beim Getreide, dafür sind die Erlöse zu schlecht. „Das funktioniert nur bei den hochwertigeren Früchten wie Kartoffeln oder Gemüse.“ Greif kennt Betriebe in seiner Region, die Einbußen von bis zu 50 000 Euro verzeichnen. Richtig übel sieht es in Franken beim Grünland aus, das das Futter fürs Vieh liefert, bilanziert Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbands. Der Aufwuchs der Wiesen ist sehr schlecht, denn gerade sie brauchen Niederschläge. Die Folge: Das Futter wird knapp. Auch Stroh für die Einstreu fehlt. Es gibt schon Futterbörsen, in denen erfasst wird, was irgendwo noch übrig ist. „Es ist schon richtig knackig und es gibt keine Aussicht auf Änderung“, sagt Greif.

In Nord- und Ostdeutschland reduzieren Bauern bereits ihren Viehbestand. Eine Notmaßnahme, über die auch schon fränkische Bauern nachdenken. In Oberbayern sind die Bauern – bislang – weitgehend mit einem blauen Auge davongekommen. Die Regenfälle zwischendurch haben die Ernte weitgehend gerettet. Trotzdem gibt es auch hier, je nach Getreideart, 10 bis 20 Prozent Einbuße, wie Ackerbauer Franz Steinberger aus Neufahrn (Kreis Freising) sagt.

Aber die Bauernfunktionäre wissen auch: Im Norden und Osten Deutschlands ist es noch viel schlimmer. „In Franken ist es dramatisch, aber in Niedersachsen oder den neuen Bundesländern gibt es Totalverluste“, sagt Heidl. Die Katastrophe dort bestätigt ihn in der Forderung, für Landwirte Risiken absichern zu können – etwa über steuerbegünstigte Risikorücklagen oder eine Ausweitung der steuerbegünstigten Hagelversicherung auf Trocken- und Hitzeschäden – „weil die Häufigkeit solcher Extreme steigt“. Momentan sind solche Versicherungen für Bauern nicht zu bezahlen.

In Berlin wurde gestern darüber beraten, wie den Landwirten in den Notgebieten geholfen werden kann. Der Bund will erst die Daten zur Ernteentwicklung abwarten, zunächst sollen die Länder helfen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verspricht: „Wir lassen unsere Landwirte in dieser Situation nicht alleine.“ Er will die Lage genau beobachten und zielgerichtet helfen. Agrarministerin Michaela Kaniber betont: „Wir werden den Futterbaubetrieben in den bayerischen Trockengebieten schnell helfen, indem wir Mehrkosten für den Futterzukauf finanziell ausgleichen.“ In Einzelfällen könne es auch steuerliche Erleichterungen geben.

In die Debatte um die Dürre-Hilfen schalten sich auch Politiker der Grünen ein. Fraktionschef Anton Hofreiter fordert ein grundlegendes Umsteuern. Milliardengelder, die in die Landwirtschaft flössen, dürften nur noch an „Betriebe gehen, die mit der Natur arbeiten. Das empört die Bauern: „Ich kriege da einen dicken Hals. Diese Wetterextreme auf die Landwirtschaft zurückzuführen und die Bauern als Schuldige an den Pranger zu stellen, das verstehe ich überhaupt nicht“, schimpft Ackerbauer Greif. Es seien nicht nur die paar Kühe, die den Klimawandel produzierten, „das sind wir mit unserer Gesellschaft, die überall CO2 in die Luft bläst.“ Die Bauern hätten jetzt große Existenzsorgen, „darauf sollte man nicht seinen Wahlkampf aufbauen“. Auch Heidl ärgert sich: Man sollte die Situation nicht für parteipolitische Spielchen missbrauchen.

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