Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Zu wenig Service-Kräfte in der Gastronomie

Fortschrittlich oder seltsam? In diesem Wirtshaus bringt der Roboter das Schnitzel und das Bier

Lieferbereit: Spätzle und Knödl bringt im Gasthaus Liegsalz in Pellheim bei Dachau ein Roboter an den Tisch.  Für den letzten Handgriff ist aber weiterhin Kellner Manfred zuständig.
+
Lieferbereit: Spätzle und Knödl bringt im Gasthaus Liegsalz in Pellheim bei Dachau ein Roboter an den Tisch. Für den letzten Handgriff ist aber weiterhin Kellner Manfred zuständig.
  • Dominik Göttler
    VonDominik Göttler
    schließen

Wirt Ewald Zechner hat einen neuen Mitarbeiter. Der kann acht Teller auf einmal tragen, stellt keine Urlaubsansprüche – und sorgt in der alten Wirtsstube des Gasthauses Liegsalz regelmäßig für große Augen. Er ist nämlich ein Roboter...

Pellheim - Schon seit einigen Wochen bringt in dem urigen Wirtshaus in Pellheim bei Dachau ein künstlicher Kellner den Schweinsbraten an den Tisch. . „Man muss mit der Zeit gehen“, sagt Chef Zechner.

Seit die Gastronomie während der Pandemie mehrfach ihre Türen schließen musste, ächzen die Wirte unter massiven Personalsorgen. Köche, Kellner und Aushilfen haben sich andere Stellen gesucht. „Uns sind die Minijobber abhandengekommen“, sagt Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands. Jetzt zieht die Nachfrage wieder an, die Feierabendhalbe und der Biergarten rufen. Doch das Personal fehlt. „Es ist ein Dilemma.“

Auch Wirt Ewald Zechner, der neben dem Wirtshaus noch einen Mittagsimbiss in der Dachauer Altstadt und das große Festzelt am Dachauer Volksfest betreibt, kennt die Personalsorgen. Als er dann im Februar in Fachzeitschriften von der neuesten Robotertechnik für den Gastraum erfuhr, entschloss er sich, kurzfristig zuzuschlagen.  Und so steht nun auch bei ihm ein Roboter in der Gaststube. Einen offiziellen Namen hat er noch nicht, auch wenn er in der Küche hin und wieder Zenzi gerufen wird.

Der Wirt und sein neuer Mitarbeiter: Ewald Zechner und seiner Service-Roboter in der Gaststube

Der etwa brusthohe digitale Helfer eines chinesischen Herstellers sieht aus wie ein Tablettwagen mit drei Etagen. An der Decke der Gaststube hat die Firma, bei der Zechner den sonst etwa 10 000 Euro teuren Roboter gemietet hat, Sensoren angebracht. So lernt der digitale Kellner den Weg. In der Küche muss der Koch oder die Köchin nur die Tischnummer eingeben und der Roboter bringt die Teller zum Gast – und spielt bei Bedarf noch ein Prosit der Gemütlichkeit oder ein Geburtstagsständchen aus seinen Lautsprechern. Dann aber kommt der echte Kellner Manfred ins Spiel. „Das Essen bekommt der Gast immer noch vom Menschen“, betont Zechner. „Der Roboter kann nur entlasten, aber nicht ersetzen.“

So sieht das auch Thomas Geppert vom Gaststättenverband. Vereinzelt habe er schon davon gehört, dass Hotels oder Restaurants auf Roboter zurückgreifen. „Es zeigt die Personalnot.“ Natürlich können Roboter eine Hilfe sein, sagt er. Dauerhaft ersetzen könne der digitale Helfer das Personal in der Gastronomie aber sicher nicht. „Am Gast muss der Mensch sein“, sagt Geppert.

Zechner sieht nur Vorteile bei seinem neuen Mitarbeiter. Kellner Manfred spare sich die Tellerschlepperei und habe so mehr Zeit für die Gäste. In der kleinen Dorfwirtschaft mit ihren acht Tischen kann Zechner durch den Roboter auf eine ohnehin schwer zu findende Aushilfe verzichten, sagt er.

Anfangs hat Zechner auch versucht, die Getränke vom Roboter an den Tisch bringen zu lassen. Aber weil das alte Wirtshaus aus dem Jahr 1740 auch die ein oder andere Bodenwelle aufweist, kam nicht immer die ganze Halbe auch beim Gast an. Deshalb beschränkt sich der Roboter auf die Teller – die Saucen kommen extra und werden vom Kellner aufgegossen.

Kellner Manfred sei sofort an Bord gewesen, sagt Ewald Zechner. Natürlich hat der Sonntagsstammtisch den ein oder anderen Spruch losgelassen, als plötzlich die Zenzi angerollt kam. „Aber denen hat unser Manfred schnell den Schneid abgekauft“, sagt Zechner und lacht.

Kommentare