Flughafen überprüft Krisenmanagement

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Der Chaos-Samstag im Terminal 2 hat im Management ein mittleres Erdbeben ausgelöst. Foto: Matthias Balk/dpa

Nach dem Chaos-Samstag im Terminal 2 spricht der Flughafen-Chef selbst ein Machtwort: Solche Krisenfälle, stellt Michael Kerkloh klar, müssen künftig besser gemanagt werden.

NACH DEM CHAOSTAG

von dirk walter

München – Am Tag zwei nach dem Chaos versucht sich der Flughafen an einer Art Schadensbilanz: über 31 000 betroffene Passagiere, 20 000 herrenlose Koffer, ein Verlust für den Flughafen „im unteren einstelligen Millionenbetrag“ – und der finanzielle Schaden für die Passagiere sowie die Fluggesellschaften ist da noch gar nicht eingerechnet. Nach so einem Tag, findet Flughafen-Chef Kerkloh bei einer eilig anberaumten Pressekonferenz, dürfe „nichts unter den Teppich gekehrt“ werden.

Wie berichtet, war eine etwa 40-jährige Frau gegen 5.30 Uhr am Bodyscanner kontrolliert, dann jedoch wegen einer Flüssigkeit in ihrem Kosmetikkoffer zurückgeschickt worden. Die Frau gab ihr Gepäckstück als Reisegepäck auf und spazierte eine Viertelstunde später durch die Kontrollschleuse 11/12. Dort hatten eigentlich acht Mitarbeiter Dienst. Doch die Frau flutschte durch, weil eine Kontrollkraft kurze Zeit abgelenkt war. Ein anderer Kontrolleur aber bemerkte es. Danach suchten die Sicherheitsleute auf eigene Faust nach der Frau, verwechselten sie aber prompt mit einer anderen Passagierin. Die Verursacherin indes blieb verschwunden. Wie sich später herausstellte, konnte sie den Flughafen noch vor dem um 6.47 Uhr verfügten Abfertigungsstopp mit dem Flugzeug verlassen – erst am Zielort wurde sie identifiziert, weil ihre Personalien mittlerweile über die Bordkarte bekannt waren. Die Regierung prüft „Optimierungen bei Schulungsmaßnahmen“ und hat drei Kontrolleure aufgrund der Panne freigestellt. Die SPD spricht von einem „Bauernopfer“.

Ziemlich sicher ist, dass die Frau nicht rechtlich belangt wird. „Wir sehen keinen Straftatbestand, der in Betracht kommen könnte“, sagte Thomas Steinkraus-Koch von der Staatsanwaltschaft Landshut. Allenfalls Hausfriedensbruch komme in Betracht – dazu müsste jedoch Strafanzeige gestellt werden. Daran aber hat das Luftamt kein Interesse.

Samstag war mit insgesamt 140 000 Passagieren am Flughafen (75 Prozent davon im Terminal 2) ein Hauptreisetag. Die Zahl der Passagiere auf annullierten Flügen konnte Kerkloh genau beziffern: Am Samstag 28 844, am Sonntag 2277 Personen, zusammen also über 31 000.

Der Flughafen-Chef lobte das besonnene Verhalten vieler Fluggäste („sehr beeindruckend“) und kündigte an, über eine symbolische Entschädigung der Passagiere nachzudenken. Rechtlich ist die Flughafen München GmbH dazu nicht verpflichtet. Wer aber dann? Die Lufthansa, durch 300 annullierte Flüge Hauptbetroffene des Desasters, rät allen Passagieren, ihre Ansprüche bei ihren Servicestellen anzumelden. Hotel-Übernachtungskosten werden ohnehin erstattet, schwieriger zu klären sind Folgeschäden wie etwa entgangene Ferientage oder Umbuchungskosten für Mietwägen und Ferienwohnungen.

Zwar gibt es eine EU-Fluggastrechte-Verordnung. Aber: „Ob die hier zur Anwendung kommen kann, ist noch nicht mit Sicherheit zu sagen“, so Kerkloh.

Sicher ist hingegen, dass der Chaostag intern ein mittleres Erdbeben ausgelöst hat. Kerkloh kündigte an, es werde nun mit allen Beteiligten darüber geredet, „wie solche außerordentlichen Situationen besser gemanagt werden können“. Zwar gab es auch positive Aspekte wie den Einsatzwillen von über 100 Beschäftigten, die freiwillig zum Flughafen eilten, obwohl sie freihatten. Doch die Probleme seien nicht wegzudiskutieren. Den meisten Stau im Terminal habe es nach Aufhebung der Sperrung ab dem späten Vormittag gegeben, als sich regelrechte Menschentrauben vor den Schaltern bildeten: Alle wollten ihre Flüge umbuchen, was kaum machbar war. Weil Airlines ihre Flugzeuge zu einem fest eingeplanten Zeitpunkt an den Zielflughäfen benötigten, flogen manche Flugzeuge sogar leer ab.

Dass Polizisten mit Megafonen hantierten, Durchsagen unverständlich waren, hat den Flughafen-Chef verärgert. „Das ist ein Thema, es darf keine Kakofonie geben.“

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