Flüchtlinge in Reihenhäusern

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Häuser im Einfach-Standard baut Projektentwickler Markus Gildner, hier an der Baustelle der Reihenhaussiedlung. dpa

Die Flüchtlinge in Deutschland sind auch für den Wohnungsmarkt eine Herausforderung. Ein Investor in Franken zeigt neue Wege auf.

Drei wohnungen je Haus

Die Flüchtlinge in Deutschland sind auch für den Wohnungsmarkt eine Herausforderung. Ein Investor in Franken zeigt neue Wege auf.

von klaus tscharnke

Nürnberg – Nach Erkenntnissen des Instituts für Städtebau, Wohnungswirtschaft und Bausparwesen (IFS) in Berlin fehlt in Deutschland allein aufgrund der gestiegenen Zuwandererzahlen pro Jahr Wohnraum für rund 420 000 Menschen. Da kommt der aus der Oberpfalz stammende Projektentwickler Markus Gildner gerade recht. Der Hamburger Geschäftsmann lässt in Ecken-tal-Eckenhaid, 15 Autominuten von Nürnberg entfernt, einen Reihenhaus-Komplex errichten – geplant und gebaut für die Unterbringung von bis zu 60 Flüchtlingen. Auch wenn manche die Pläne in den sozialen Netzwerken als „Luxus-Asyl“ geißeln – bei Bürgermeistern stoße das Projekt inzwischen bundesweit auf großes Interesse, berichtet Gildner. Er hat dafür eigens die „The People Project“-Gesellschaft gegründet.

Voraussichtlich im Januar 2016 sollen die ersten Flüchtlinge einziehen. Ein auf zehn Jahre abgeschlossener Mietvertrag mit der Regierung von Mittelfranken garantiert dem früheren Siemens-Manager sichere Mieteinnahmen. Details zur Miethöhe wollte die Regierung von Mittelfranken nicht nennen. Ein Behördensprecher erklärt nur allgemein: „Der Mietpreis orientiert sich bei derartigen Projekten stets an den ortsüblichen Mietpreisen.“

Gildner selbst sieht in den dreigeschossigen Reihenhäusern eine Art Modellprojekt, um rasch ausreichend Wohnraum für Flüchtlinge zu schaffen – und das nicht nur wegen der kurzen Bauzeit von einem halben Jahr. Dafür und für tragbare Baukosten sorgten „konstruktive Optimierungen“, etwa der Verzicht auf tragende Innenwände. Die erlaubten auch bei späterer Vermietung an einheimische Familien eine flexible Raumgestaltung. Nach Gildners Angaben besteht jedes der sechs Häuser aus drei Wohneinheiten für jeweils vier Asylbewerber. „Jede Wohneinheit hat zwei Schlafzimmer, ein Bad, eine Küche und einen Aufenthaltsraum.“ Der 44-Jährige macht aus seinem geschäftlichen Interesse an dem Projekt keinen Hehl. Es sichere ihm langfristig eine sichere Rendite. Außerdem hat er inzwischen erkannt: „Der größere Markt ist eigentlich einfacher Wohnraum.“ Aber auch aus gesellschaftspolitischen Gründen hält er eine ordentliche Unterbringung von Flüchtlingen für wichtig. Er selbst habe in den 1980er Jahren in seiner Heimat Oberpfalz erlebt, wie damals Flüchtlinge „in den letzten Baracken“ untergebracht worden seien. „Die Folge war: Die Asylbewerber wurden von den Einheimischen nie akzeptiert.“

Auch der bayerische Städtetagspräsident und Nürnberger Oberbürgermeister, Ulrich Maly (SPD), sieht bei billigem Wohnraum inzwischen dringenden Handlungsbedarf. Nach seiner Rechnung werden künftig pro Jahr allein für Flüchtlinge und Asylbewerber mit Bleiberecht rund 5000 Wohnungen pro Jahr benötigt. Derzeit stünden aber nur 4000 staatlich geförderte neue Wohnungen zur Verfügung.

Auch das Berliner Institut für Städtebau (ISF) fordert einen verstärkten Wohnungsbau - geht aber davon aus, dass Asylbewerber davon nur indirekt profitieren würden. Wegen der hohen Mieten kämen Neubauwohnungen für Flüchtlinge in der Regel nicht infrage.

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare