Von flinken Hasen und langsamen Hennen

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Auch ein Kaninchen kann zur Not den Osterhasen-Job übernehmen und die Eier bringen. Wer mehr über die Unterschiede zwischen Hase und Kaninchen erfahren will, schlägt Seite 12 auf. foto: patrick pleul/ dpa

Jesus ist von den Toten auferstanden – diesen Sonntag feiern die Christen ihr ältestes und wichtigstes Fest. Doch was hat der Hase eigentlich damit zu tun?

wie der hase zum osterboten wurde

München – Kaum waren die letzten Plätzchen gegessen, hatten sich die Supermarktregale schon wieder mit golden, lila oder bunt glänzenden Schokohasen gefüllt. Jedes Jahr ärgern sich Verbraucher über die konsumgetriebenen Läden. Doch heuer hatten sie einen noch viel größeren Grund zur Aufregung – scheinbar: In den sozialen Medien kursierten vor den Feiertagen Kassenzettel, auf denen keine Schoko-, sondern Traditionshasen gelistet wurden. Internetnutzer witterten einen Skandal: Der Osterhase sei aus Rücksicht auf andere Kulturen umbenannt worden. Prompt drohten einige mit Boykott, wie die ehemalige CDU-Politikerin Erika Steinbach, die twitterte: „Wer mir keine Osterhasen mehr verkaufen will, der kann auch sonst auf mich verzichten...“ Ebenfalls mit einem Twitter-Post klärte Rewe schließlich das Missverständnis auf: „Seit 1992 bezeichnet REWE den Lindt Goldhasen (...) am Regal und auf dem Kassenbon als ,Traditionshasen’.“

Kleiner Hase, große Aufregung. Dieses Beispiel zeigt, dass Hase und Ostern zusammengehören wie der Christbaum zu Weihnachten. Doch woher kommt der Osterhase? Und warum bringt ausgerechnet er die Eier?

Dafür gibt es verschiedene Erklärungen: Zum einen hat der Hase eine christliche Bedeutung, Hasenmotive finden sich auf Mosaiken, Gräbern und Tonlampen aus der Zeit der frühen Christen. In der byzantinischen Kirche symbolisiert das Tier Jesus, weil es mit offenen Augen schläft und damit für den Sohn Gottes steht, der von den Toten auferstanden ist.

In der heidnischen Tradition gilt der Hase als heiliges Tier, Frühlingsbote und Fruchtbarkeitssymbol. Deshalb wird er der griechischen Liebesgöttin Aphrodite zugeordnet sowie Ostara, der germanischen Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin. Ob diese Göttin auch Patin für Ostern stand, ist umstritten.

Auch das Ei ist in den meisten Kulturen ein Symbol für Fruchtbarkeit und neues Leben, deshalb werden zu Ostern seit dem 17. Jahrhundert Eier verschenkt. Das hatte wohl auch einen praktischen Grund: In der Fastenzeit durften keine Eier gegessen werden, deshalb hatte sich vor Ostern eine Menge angesammelt. Um sie haltbar zu machen und von rohen Eiern zu unterscheiden, wurden sie gekocht und dabei mit Pflanzenteilen gefärbt.

Die Legende vom Osterhasen als Eierbringer ist ebenfalls im 17. Jahrhundert entstanden. Auf der Suche nach Futter kommt der Hase im Frühjahr in die Dörfer und Gärten und soll dort die Eier ablegen. Außerdem wollten Eltern mit dem flinken Tierchen ihre Kinder überzeugen, denn nach deren Logik können die bedächtigen Hennen die Eier unmöglich bemalen und verstecken. Um die letzte Jahrhundertwende setzte sich die Hasen-Legende vor allem bei der städtischen Bevölkerung durch, wozu auch die Süßwarenindustrie ihren Teil beitrug.

In ländlichen Gegenden war der Eier ablegende Osterhase hingegen noch im 19. Jahrhundert unbekannt. Diese Gabe wurde auch anderen Tieren zugeschrieben: dem Fuchs in Niedersachsen, dem Storch in Thüringen, dem Kuckuck in der Schweiz. Im Alpenraum heißt es, dass die Glocken, die aus Rom zurückkommen, die Eier mitbringen. Dorthin fliegen sie jedes Jahr nach dem Gründonnerstagsgottesdienst, denn nach dem Gloria der Gründonnerstagsmesse werden sie bis zur Osternacht nicht mehr geläutet.

Übrigens: In der Bibel kommt der Osterhase gar nicht vor. Theologisch gesehen ist das Lamm das passendere Symboltier für Ostern: Jesus ist das Lamm Gottes, das geschlachtet wird und den Tod überwindet. Oft ist das Lamm in der christlichen Bildsprache mit einer Siegesfahne zu sehen; es symbolisiert damit die Auferstehung Christi. Jesus ist aber nicht nur das Opferlamm. Er wird auch als der gute Hirte dargestellt, der seine verunsicherten Schafe weidet und für sie sein Leben lässt.  tp/mm/dpa

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