Fleischallergie durch Zecken

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Borreliose und die Hirnhautentzündung FSME sind bekannte Risiken bei Zeckenbissen. Doch was wenige wissen: Die kleinen Blutsauger können sogar eine Fleischallergie auslösen. Dieses Jahr sind die Zecken so umtriebig wie seit zehn Jahren nicht.

Krabbelnde Blutsauger

von Josef Ametsbichler

München – Der Gemeine Holzbock ist wirklich gemein. Quasi unsichtbar hängt er an Halmen, Ästen oder Laub und wartet darauf, Ausflüglern, Hobbygärtnern oder spielenden Kindern den Spaß am Sommer zu verderben. Hat er mit seinem feinen Geruchsinn ein Opfer ausgemacht, lässt er sich auf dieses fallen, erkrabbelt eine geeignete Hautstelle, beißt sich fest und saugt Blut, bis er fast platzt. Der Holzbock ist die häufigste Zeckenart in der Region.

Und Experten vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung warnen: Dieses Jahr sind wegen günstiger Brutbedingungen so viele davon auf der Lauer wie seit zehn Jahren nicht. Mehr als doppelt so viele Zecken wie im Vorjahr, prognostizieren Forscher des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung um den Zecken-Experten Gerhard Dobler, der gemeinsam mit österreichischen Forschern ein Vorhersagemodell entwickelt hat, das sich bereits vergangenes Jahr als zuverlässig erwies.

Wären Zecken nur wie Mücken – unangenehm, aber quasi harmlos –, dann wäre alles halb so wild. Doch sie saugen nicht nur, sie übertragen auch Krankheiten. Von der Bakterien-Infektion Borreliose über das manchmal sogar tödliche FSME-Virus bis hin zur Fleischallergie. Wie bitte?

Fleischallergie durch Zeckenbisse ist ein Phänomen, das sogar unter Ärzten oft noch unbekannt ist, erklärt Professor Tilo Biedermann. Dabei beschäftigt es den Allergieforscher vom Münchner Klinikum rechts der Isar bereits seit fast zehn Jahren. Mehrere Patienten monatlich kommen zu ihm, die einige Stunden nach dem Verzehr größerer Mengen roten Fleischs oder von Innereien Ausschlag am ganzen Körper bekommen und weitere Allergiesymptome wie abfallenden Blutdruck zeigen – bis hin zum lebensgefährlichen allergischen Schock. Häufig betroffen: Jäger, Förster oder andere, die naturgemäß öfter von Zecken gebissen werden.

„Es scheint wie ein Impfprozess zu sein“, sagt Biedermann über das Auftreten der Allergie. Das heißt: Ein Zeckenbiss ist meist kein Problem, doch je mehr sich ein Mensch davon einfängt, desto größer das Risiko für eine Fleischunverträglichkeit. Schuld ist Alpha-Galactose, ein im Fleisch enthaltener Zucker, auf den nach Zeckenbissen verstärkt körpereigene Antikörper anspringen, erklärt der Mediziner.

Zum Glück reagieren nur wenige Patienten mit lebensbedrohlichen Symptomen. Auch die verzehrte Fleischmenge spielt eine Rolle, hat der Forscher beobachtet. Die schlechte Nachricht ist aber: Bis dato gibt es für das „Alpha-Gal-Syndrom“ keine Heilung. Nur den Verzicht auf zu viel rotes Fleisch und Innereien, damit die Symptome nicht mehr auftreten. „Zum Veganer musste aber noch keiner werden“, betont Biedermann.

Zu Vorsichtsmaßnahmen rät er trotzdem. Es gibt ja schließlich auch noch die in seltenen Fällen sogar lebensgefährliche Frühsommerenzephalitis (FSME), eine Hirnhautentzündung, die durch einen im Speichel mancher Zecken enthaltenen Virus ausgelöst werden kann. Meist verläuft sie zwar harmlos, trotzdem empfiehlt der Mediziner, sich dagegen impfen zu lassen. Denn wenn FSME einmal ausbricht, gibt es keine Behandlungsmöglichkeit.

Eine weitere Krankheit, die Zecken gerne mit sich herumschleppen, ist Borreliose. Oft macht sich die Bakterieninfektion mit einem roten Fleck rund um die Einstichstelle bemerkbar. Unbehandelt kann sie zu Beschwerden an Herz, Gelenken und Nervensystem führen, erklärt der Mediziner Biedermann. „Trotzdem ist es keine dramatische Diagnose“, beruhigt er. Borreliose sei zwar nicht per Impfung zu bekämpfen, dafür aber mit Antibiotika gut behandelbar.

Den beste Zeckenschutz, sagt der Uni-Professor, bietet Kleidung. „Die Lücke zwischen Schuh und Hose schließen“, rät er. Wer vermutet, dass er dennoch gebissen wurde, sollte seinen Körper genau absuchen und die Zecke vorsichtig entfernen (siehe Grafik).

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