Festgefahren

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Wochenlang lag das defekte Rotorblatt zwischen Wangen und Neufahrn in der Landschaft herum – und es wird noch länger liegen müssen. Denn der Versuch, es abzutransportieren, ging schief. Verantwortlich dafür: ein paar Autos. Genüssliche Beobachter der Szene: die Windkraftgegner.

Gescheiterter Transport

Wochenlang lag das defekte Rotorblatt zwischen Wangen und Neufahrn in der Landschaft herum – und es wird noch länger liegen müssen. Denn der Versuch, es abzutransportieren, ging schief. Verantwortlich dafür: ein paar Autos. Genüssliche Beobachter der Szene: die Windkraftgegner.

von Sabine Hermsdorf

Schäftlarn – Den Kampf haben sie längst verloren – umso besser fühlt sich der Dienstagmorgen für die Windkraftgegner aus Neufahrn (Kreis München) an. Monatelang hatten sie sich gegen vier Windkraftanlagen gewehrt, die ihnen die Nachbarn aus Berg (Kreis Starnberg) nun doch vor die Nase gesetzt haben. Und dann kam diese Nacht.

Man muss wissen: Bei der Anlieferung der Bauelemente Anfang November 2015 gab es einen Zwischenfall. Eines der 50 Meter langen Rotorblätter wurde beschädigt und musste ersetzt werden. Das ausgemusterte Blatt wurde derweil auf einem Lagerplatz zwischen Wangen und Neufahrn gelagert. Nun sollte es in einer nächtlichen Aktion abtransportiert werden.

Am Montag gegen 22 Uhr startete der 60 Tonnen schwere Transporter in Richtung Autobahn, eskortiert von Polizeifahrzeugen. In den oft engen Kurven ging es nur millimeterweise voran, dann musste der Transporter ganz anhalten. Denn an der Starnberger Straße parkten Autos und versperrten ihm den Weg. Endstation Neufahrn.

Maria Reitinger hat das Ganze beobachtet. Sie lebt in Neufahrn, ist Zweite Bürgermeisterin von Schäftlarn und erklärte Gegnerin der Windräder in den Wadlhauser Gräben. Ob auch ihr Auto unter den parkenden war, verrät sie nicht. Auch ob die Wagen zufällig dort standen – schließlich wird hier oft geparkt – oder aus Protest dort abgestellt wurden, bleibt unklar. Reitinger sagt, von der nächtlichen Transportaktion habe im Ort niemand etwas gewusst. Vielmehr sei sogar vertraglich zugesichert gewesen, „dass kein Schwertransport durch Neufahrn geleitet“ werde. „So lange keine Halteverbotsschilder aufgestellt sind und wir keine Rettungsfahrzeuge behindern, können wir unsere Autos hier parken.“

Auch andere Neufahrner beobachteten den festgefahrenen Transporter. Reitinger erzählt, dass der eine oder andere spontan sein Auto zu den anderen Wagen gestellt habe. Wenige Neufahrner sind Freunde der Windräder.

Dass die Polizei die Blockierer nicht abschleppen konnte, hatte einen bestimmten Grund: Das Transportunternehmen hatte es versäumt, „mobile Halteverbotszeichen“ aufzustellen. Das muss 72 Stunden vor dem Transport geschehen, sagt Markus Ellmeier vom Polizeipräsidium München – damit sich die Anwohner darauf einstellen können.

Doch wie Landratsamts-Sprecherin Christina Walzner bestätigte, wurde eine Aufstellung nicht beantragt. Aus einem guten Grund: „Die Route sollte eigentlich gar nicht über Neufahrn laufen.“ Geplant war eine Fahrt über Wangen, dann über den Parkplatz Oberdill auf die A 95. Bei der Ausfahrt Schäftlarn hätte der Transporter die Autobahn verlassen und wäre in entgegengesetzter Richtung wieder hochgefahren.

Warum sich die Firma doch anders entschied, ist unklar. Dem 50 Meter langen Gefährt blieb jedenfalls nichts anderes übrig, als umzukehren und sich einen Parkplatz zu suchen; es steht jetzt vor dem Friedhof in dem kleinen Weiler Fercha. Damit das schwere Gefährt nicht einsank, mussten auf die Schnelle ein paar Stahlplatten organisiert werden. Wann der Transport nachgeholt wird, ist unklar. Reitinger muss jedenfalls lachen, als sie vom Standort des Rotorblatts erfährt. „Da gehört es auch hin.“

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