Robert-Koch-Institut startet Corona-Studie in Bad Feilnbach: Hohe Erwartungen der Politik

  • Janina Sgodda
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In Bad Feilnbach startet eine Untersuchung des Robert Koch-Instituts (RKI) zum Coronavirus. Rund 2.000 Menschen sollen befragt und auch getestet werden. Wir berichten live von der Pressekonferenz vor Ort! 

Update 23. Juni, 12.51 Uhr

Landrat Otto Lederer erhofft sich viel von der Studie in Bad Feilnbach

Der Rosenheimer Landrat Otto Lederer (CSU) ist froh darüber, dass das Robert-Koch-Institut (RKI) die Studie in Bad Feilnbach durchführt. „Wir erhoffen uns dadurch ein Stück weit Erkenntnisse über die Situation bei uns im Landkreis Rosenheim“, sagt er. Dass dabei auch Unangenehmes zutage kommen könnte, fürchtet Lederer nicht. Im Gegenteil, sagt er. „Wir gehen davon aus, dass die Erkenntnisse ein Stück weit das bestätigen, was wir aktiv unternommen haben, um die Lage in den Griff zu bekommen.“

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Lederer erhofft sich außerdem von der Studie einen Beitrag dazu, wie man die Ausbreitung der Krankheit Covid-19 in Zukunft eindämmen kann. Er geht fest davon aus, „dass die Menschen in der Region auch zukünftig vorsichtig sein werden“. Dennoch könne man eine zweite Welle nicht ausschließen. „Solange kein Impfstoff verfügbar ist, besteht diese Gefahr“, so der Landrat. Daher appelliert er an die Menschen in der Region, bis auf Weiteres alle Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten – vor allem Abstand und Gesichtsmaske.

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Update 23. Juni, 12.13 Uhr

Zufallsstrichprobe aus dem Einwohnermelderegister

Dr. Claudia Santos-Hövener, Projektleiterin der „CORONA-MONITORING lokal“ des Robert Koch-Instituts informiert darüber, was auf die Testpersonen, die per Zufallsstrichprobe aus dem Einwohnermelderegister gewählt wurden, zukommt. 

Insgesamt 2.000 Erwachsene aus Bad Feilnbach würden schriftlich zur Testung aufgerufen. Ein Termin lasse sich online vereinbaren. Es sei aber auch eine Hotline  dazu und für weitere Fragen eingerichtet.

Das Studienzentrum befinde sich am Medicalpark Blumenhof mitten in Bad Feilnbach, es gebe dort auch zwei Untersuchungsbusse. Vor Ort sollen die Testpersonen alle Unterlagen des RKI bitte mitbringen, inklusive der Einwilligungserklärung zur Testung.

Auch vor Ort werde das medizinische Personal die Testpersonen aufklären. Im Studienzentrum bestehe Maskenpflicht. 

Dort müssen die Testpersonen einen kurzen Fragebogen ausfüllen, bevor sie zunächst den Rachenabstrich genommen bekommen. Dann folgt die Blutentnahme.

Wer nicht mobil ist, kann die Hotline informieren. 

Wer bei der Testung positiv auf das Coronavirus getestet werde, werde ebenso wie das Gesundheitsamt natürlich umgehend informiert, so Dr. Santos-Hövener. 

Update 23. Juni, 11.30 Uhr

Kapazitäten des Rosenheimer Gesundheitsamts an Grenzen gestoßen

Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Gesundheitsamt Rosenheim, sagt, man habe in Deutschland die Pandemie gut gemeistert. Die Pandemie habe aber auch ein Schlaglicht auf die Arbeit der Gesundheitsämter geworfen. Die wiederum seien auf die starke Unterstützung der Landesämter angewiesen gewesen.

Am 29. Februar 2020 sei der erste Erkrankungsfall im Landkreis Rosenheim aufgetreten, ein Mann hatte sich beim Skifahren in Südtirol angesteckt. Als Grenzgebiet war die Region von solchen importierten Infektionen überdurchschnittlich stark betroffen.

Ab dem 18. März sei die Zahl der Infekte exponentiell gestiegen, der Peek war am 25. März mit 151 Erkrankungsfälle erreicht, so Hierl: „Das war eine Lawine, die uns überrollt hat.“ Die Meldungen seien per Fax gekommen, das Faxgerät sei heiß gelaufen. Jede Meldung per Fax habe enorme Recherchearbeit nach sich gezogen. Schlussendlich sei man an die Kapazitätsgrenzen gestoßen, gleichzeitig seien einem die Einzelschicksale plastisch vor Augen geführt worden. 

In einem Berg aus Überstunden habe man zusätzliches Personal zur Verfügung bekommen. 

Ab Mitte April sei das so genannte „Contact-Tracing“ eingeführt worden, 68 Stellen seien dafür zuständig gewesen, Quarantäne anzuordnen und zu überprüfen, sowie Kontaktpersonen zu ermitteln, so Dr. Hierl. 

Man habe am Anfang mit einem starken Mangel an persönlicher Schutzausrüstung zu kämpfen gehabt, auch hier lag der Fokus auf den Pflegeheimen. 

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Am 10. April habe man im Rettungsdienst-Bezirk Rosenheim 58 Covid 19-Fälle auf Intensivstationen gezählt, zum größten Teil beatmungspflichtig. 

Am 18. April seien 272 Covid 19-Patienten alleine auf Normalstation gewesen. 

Seit Anfang Juni zähle man täglich zwischen 0 und 3 Erkrankungsfälle im Raum Rosenheim. Noch 11 Covid 19-Patienten würden derzeit stationär behandelt, zwei auf Intensivstation. 

Es müsse damit gerechnet werden, dass es zu einer 2. Welle kommt, so Hierl. "Und ich möchte die Situation, die wir im März hatten, nicht mehr erleben". 

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Update 23. Juni, 11.20 Uhr

Wie sich die Hotspots entwickelten 

Der Vizepräsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Prof. Dr. Bernhard Liebl, spricht darüber, dass der erste Ausbruch in Deutschland noch gut eingedämmt werden konnte. 

Doch Ende März bis Mitte April sei es dann zu einer heftigem Ausbruch an Infektionsfällen gekommen, die Neu-Infektionsrate sei so hoch gewesen, dass die Gesundheitsämter Schwierigkeiten bekommen hätten, die Infektionsketten nachzuvollziehen.

Dabei hätten sich die Hotspots, zu denen auch Rosenheim gehört, entwickelt. Schwerpunkte darin waren die Pflegeheime.

„Es wäre falsch zu glauben, wir hätten es überstanden“, so Dr. Liebl. Daher werde man die so genannte Containment-Strategie beibehalten, also weiter versuchen, Infektionsketten nachzuvollziehen und einzudämmen.

Warum die Studie des RKI in Bad Feilnbach wichtig sein: Sie gebe Aufschluss über die Durchseuchung in der Bevölkerung sowie auch das Weiterbestehen des Infektionsrisiko. Die Meldezahlen seien vermutlich behaftet mit einer hohen Dunkelziffer, weil die Infektionen auch mit leichten bis keinen Symptomen ablaufen könne.

Außerdem erwarte man wichtige Erkenntnisse auch für Entwicklung eines Impfstoffs. 

Es gebe eine Menge "offene Frage". 

Weitere Studien, die in Bayern durchgeführt werden, gebe es in Tirschenreuth und München. In letzterer gehe es nicht um Stichproben an Personen, sondern um Tests in Haushalten und die Entwicklung der dortigen Infektionen. 

Das neue Verständnis, das man sich durch die Studien erhoffe, solle helfen, auch die Eingriffe in das Leben der Bevölkerung so gering wie möglich zu halten.

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Update 23. Juni, 11.15 Uhr

Landrat Otto Lederer spricht über Zusammenhalt

 „Bei uns in der Region entwickelte sich die Pandemie extreme sprunghaft,“ sagt Rosenheims Landrat Otto Lederer. Nach wenigen Einzelfällen Mitte März sei es zu einem exponentielles Anstieg Ende März mit einem Maximum an Neuinfektion gekommen mit bis zu 150 Fälle pro Tag. 

Es sei zu einer extremen Belastung der Gesundheitsversorgung gekommen. Sein Dank, so der Landrat, gelte allen selbstlosen Helfer, die zusammengerückt seien in einer Zeit des Abstands.

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Update 23. Juni, 11 Uhr

Bürgermeister Wallner: Pandemie hat die Gemeinde "voll erwischt 

In der Pressekonferenz zur Studie „CORONA-MONITORING lokal“ des Robert Koch-Instituts stellt Bad Feilnbachs Bürgermeister Anton Waller zu Beginn die Gemeinde vor. Im Jahr 2019 haben über 85.000 Gäste übernachtet. Man sei ein touristisches Schwergewicht in der Region. Doch alle bekannten Veranstaltungen wie zum Beispiel der Apfelmarkt hätten jedoch keinen Zusammenhang mit der Pandemie.

Die Pandemie habe die Gemeinde „in einem sehr frühen Stadium voll erwischt“. Er selbst sei früh in Quarantäne gegangen, so Wallner, nachdem ein Familienmitglied an Covid-19 bereits erkrankt war.

Man habe bis heute 159 Fälle zu verzeichnen gehabt – darunter auch 10 Todesfälle.

Aus dem OVB habe man von der geplanten Reihenuntersuchung des Robert-Koch-Instituts (RKI) erfahren und sich sofort beworben. Auch in Berlin habe man zu dieser Zeit schon Bad Feilnbach als potentielle Test-Gemeinde im Blick gehabt, so Wallner.

25 Mitarbeiter des RKI seien zur Testung nun vor Ort. Was er nicht gerne lese, so Bad Feilnbach Bürgermeister, sei der Begriff Hotspot. Er wolle für Offenheit und Transparenz stehen, „wir wollen dafür stehen, dass wir eine schwere Zeit durchgemacht haben“, so Wallner, „das wird Aufklärung habe wollen“.

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Bad Feilnbach – Bad Feilnbach hatte eine vergleichsweise hohe Zahl an Corona-Infektionen, von den rund 8.500 Einwohnern galten insgesamt 159 Menschen als infiziert. Warum die Gemeinde so stark betroffen war, ist für Bürgermeister Anton Wallner ein Rätsel, "deswegen ist die Studie ja so wichtig".

+++ Am Dienstag, den 23. Juni soll die Studie starten. Im Vorfeld gibt es eine Pressekonferenz ab circa 11 Uhr. Wir berichten an dieser Stelle live! +++

Ergebnisse der RKI-Studie sollen bald vorliegen

Drei Wochen nach dem Ende der Studie sollen die Ergebnisse vorliegen und vielleicht genaueren Aufschluss über die Infektionswege geben. 

Thomas Lampert, Leiter der Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring vermutete in einem Interview mit den OVB Heimatzeitungen, dass Skireisende sicher eine Rolle spielten, aber speziell auch das "AlpenBrass"-Festival mit vielen Besuchern aus Südtirol und Österreich.

Antikörper sollen Gesamt-Infektionen zeigen

Neben den Faktoren zu ermitteln, die eine Ausbreitung vorantreiben oder hemmen, ist es laut RKI Ziel herausfinden, wie viele Menschen bereits mit dem Virus in Kontakt waren und Antikörper gebildet haben. 

Außerdem erhoffen sie sich Erkenntnisse über den Anteil der Infektionen ohne Symptome, welche Menschen häufiger betroffen sind und wie oft eine Erkrankung so schwer verläuft, dass Betroffene ins Krankenhaus müssen. 

Coronavirus: Hier gibt es aktuelle Informationen für die Regionen Rosenheim, Mühldorf, Chiemgau und für Bayern.

Insgesamt wird in 4 Gemeinden getestet

Zuvor wurden ebenfalls 2.000 Menschen in Kupferzell in Baden-Württemberg getestet, die Ergebnisse sollen im Juli präsentiert werden. Später ziehen die Tester*innen in zwei weitere stark betroffene Gemeinden.

Insgesamt sollen in den kommenden Monaten also 8.000 Menschen in vier besonders von der Corona-Pandemie betroffenen Orten an der Studie "Corona Monitoring lokal" teilnehmen.

Coronavirus: Fallzahlen für Region Rosenheim, Mühldorf, Chiemgau + Bayern und Deutschland

Zwischenergebnisse wird es laut RKI nicht geben.

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