Callcenter in der Türkei - Abholer aus Wien

Falsche Polizisten geschnappt: Seniorin in Prien um Gold im Wert von 600.000 Euro betrogen

Immer wieder fallen vor allem ältere Menschen auf betrügerische Anrufer rein. 
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Immer wieder fallen vor allem ältere Menschen auf betrügerische Anrufer rein. 

Seit Mitte Mai trieben Trickbetrüger in Bayern ihr Unwesen, die sich am Telefon gegenüber ihren Opfern als Polizisten ausgaben. Die Polizei in Österreich und Deutschland hat den Kriminellen nun das Handwerk gelegt und gibt bekannt: Unter den Opfern ist 61-jährige aus Prien.

Prien / Wien - Seit Mitte Mai 2019 kam es in Bayern zu massiven Betrugshandlungen bei älteren Personen, die durch vorerst unbekannte Täter telefonisch kontaktiert wurden, die sich als Kriminalbeamte ausgaben. Das meldet die Landespolizeidirektion Niederösterreich.

Frau übergibt in Prien Gegenstände im Wert von 600.000 Euro an die Betrüger

Die falschen Polizisten hätten ihren Opfern gegenüber stets angegeben, dass sie eine Einbrecherbande ausgeforschen. Die Angesprochenen könnten möglicherweise das nächste Opfer werden. Die falschen Kriminalbeamten boten den Opfern an, ihre Wertgegenstände an die Polizei zur Aufbewahrung zu übergeben, bis die Täter ausgeforscht festgenommen worden wären.

Die Pressekonferenz der Polizei Niederösterreich

Darauf reingefallen ist eine 61-jährige Frau. Im Polizeibericht heißt es: Am 21. Mai 2019 übergab eine 61-Jährige auf dem Parkplatz eines Lebensmittelfachgeschäftes in Prien am Chiemsee, Bayern, an einen falschen Kriminalbeamten Goldbarren und Golddukaten im Gesamtwert von etwa 600.000 Euro.

Weitere Opfer in Bayern fallen auf die Trickbetrüger herein

In weiteren Fällen wurden verschiedene Opfer aus Bayern durch die unbekannten Täter zur Übergabe von Bargeld und Wertgegenständen, jeweils zwischen 30.000 Euro und 50.000 Euro, überredet und diese durch die falschen Kriminalbeamten an sich genommen.

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Die Bayerische Polizei kennt verschiedene Betrugsmaschen der Trickdiebe und warnt davor auf ihrer Internetseite.

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Die Polizei kam den Trickbetrügern auf die Spur und fand nach eigenen Angaben heraus, dass die betrügerischen Telefonanrufe über Callcenter in der Türkei geführt wurden. Die Abholer der Beute seien in den sozialen Medien angeworben worden. Ermittlern des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd sei es schließlich gelungen, einen Bezug der Straftaten nach Niederösterreich zu ermitteln.

Europäische Haftbefehle gegen drei Tatverdächtige

Im Polizeibericht heißt es dazu wörtlich: Von den deutschen Ermittlungsbehörden konnten Ende Juli 2019 vorerst drei österreichische Beschuldigte namentlich ausgeforscht und über die Staatsanwaltschaft Traunstein europäische Haftbefehle erwirkt werden.

Diese drei Beschuldigten im Alter von 21, 23 und 25 Jahren waren in den Bezirken Neunkirchen und Wiener Neustadt wohnhaft und fungierten in den genannten Fällen in wechselseitiger Zusammensetzung als Abholer. Sämtliche österreichische Beschuldigte waren als selbständige Versicherungsagenten in Wiener Neustadt tätig und stehen daher in einem Bekanntschaftsverhältnis.

Polizei schlägt bei einem Fall in Passau zu

Der Durchbruch in den Ermittlungen ist der deutschen und österreichischen Polizei dann offenbar am 3. September dieses Jahres gelungen. Die bayerische Polizei hatte einen Hinweis erhalten, dass Trickbetrüger gerade wieder bei einer Frau in Passau zugeschlagen und 35.000 Euro erbeutet hätten. Als Abholer sei ein Tatverdächtiger Österreicher (21) ermittelt worden, der vorher schon im Fokus der Polizei stand.

Der Mann sei schließlich noch am selben Tag von der Polizei in Österreich festgenommen worden. Im Zuge dessen schnappte die Polizei nach eigenen Angaben noch weitere Tatverdächtige - unter anderem einen 32-jährigen Türken, der offenbar Diebesgut von seinen Komplizen in Österreich abholen wollte.

Insgesamt legt die Polizei den festgenommenen Tatverdächtigen fünf Taten zur Last - vier in Passau und einen Fall in Prien, bei dem Gold im Wert von 600.000 erbeutet hatten. Ob weitere Betrugsversuche in Rosenheim und Umgebung auch auf das Konto der Bande gehen, ist bisher nicht bekannt.

Die Polizei ermittelt weiter.

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