Fahrtraining für Landwirte

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Forchheim – Mit schweren Traktoren in engen Slalomkurven fahren, mit einem fast 16 Meter langen Gespann erst Gas geben, dann eine Vollbremsung auf nasser Fahrbahn hinlegen – das klingt ein wenig nach Abenteuerspielplatz für technikbegeisterte Männer. Doch das Fahrsicherheitstraining, das an diesem kalten Morgen auf dem Verkehrsübungsplatz im oberfränkischen Forchheim stattfindet, hat einen ernsten Hintergrund: Landwirte lernen hier, mit ihren immer größer, schneller und schwerer werdenden modernen Gerätschaften möglichst unfallfrei zurechtzukommen.

„Die Kapazitäten sind viel größer als früher“, sagt Leonhard Ost, Präsident des Bundesverbandes der Maschinenringe. „Es geht um die Steigerung von Effizienz, deshalb werden die Maschinen immer größer“, ergänzt Gerhard Röhrl, Geschäftsführer der Maschinenring-Akademie.

Die Landwirtschaftlichen Lehranstalten Bayreuth, die Maschinenringe und die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau organisieren das Training. Das Ziel: Die Landwirte sollen in Gefahrensituationen richtig reagieren können, sie sollen einschätzen können, wie ihre großen Gespanne auf andere Verkehrsteilnehmer wirken und wie lange beispielsweise die Bremswege sind.

Denn in der modernen Landwirtschaft haben die Gerätschaften fast Lkw-Ausmaße: Das Maximalgewicht von 40 Tonnen und die Länge von knapp 19 Metern von Traktor und Anhänger werden immer öfter ausgereizt. Bis zu drei Meter breit sind die Gespanne.

Tuckerten früher die Traktoren noch gemütlich mit bis zu 20 km/h über Felder und Straßen, so bringen die Hochleistungsmaschinen von heute 50 bis 60 km/h auf den Tacho und werden mit modernster Technik gesteuert. Die Kabinen mit Joystick und Displays wirken wie Hightech-Kommandozentralen. „Das ist viel anspruchsvoller geworden“, sagt Rainer Prischenk, Chef der Lehranstalten. Beim Fahrtraining werden Fahrer und Fahrzeuge an ihre Grenzen getrieben. Die Landwirte sehen, was passiert, wenn man auf regennasser Fahrbahn den Bremsweg unterschätzt – dass man nämlich ganz schön ins Schleudern kommt, wenn am Traktor ein schweres Güllefass hängt. Würde das im normalen Straßenverkehr an einer belebten Kreuzung passieren, könnte das zu schlimmen Unfällen führen.

Etwa 1,3 Millionen Traktoren sind bundesweit unterwegs. Laut Statistischem Bundesamt gab es 2011 rund 1800 Unfälle, an denen landwirtschaftliche Zugmaschinen beteiligt waren.  lby

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