Deutschland reagiert mit Einreisesperre

Mutationen nun überall in der Region: Von britischer über südafrikanische bis zu dänischer Variante

Auch das Klinikum Bayreuth hat mit einem Ausbruch einer hochansteckenden Corona-Mutation zu kämpfen.
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Auch das Klinikum Bayreuth hat mit einem Ausbruch einer hochansteckenden Corona-Mutation zu kämpfen.
  • Markus Zwigl
    vonMarkus Zwigl
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Die wohl hochansteckenden Corona-Mutationen sind in Oberbayern, Niederbayern und Oberfranken nachgewiesen worden. Auch in der Region wurden in dieser Woche erste Fälle bekannt.

Update, 29. Januar - Weitere Fälle der britischen und dänischen Variante

Nachdem bereits Anfang dieser Woche bei Personen aus den Landkreisen Rosenheim und Berchtesgadener Land Coronavirus-Mutationen nachgewiesen wurden, sind nun auch im Landkreis Traunstein und Landkreis Mühldorf erste Virus-Mutationen bekannt geworden.

Im Kreis Mühldorf konnten drei Fälle der neuen britischen Virusvariante zugeordnet werden. Laut Landrat Maximilian Heimerl leben die drei Infizierten im westlichen Landkreis, es handelt sich um portugiesische Arbeiter. „Wir gehen davon aus, dass die Fälle im geschlossenen Rahmen bleiben“, die drei Männer hätten wenig Kontakte zu anderen Menschen gehabt. Die drei Personen wohnen zusammen und befinden sich mittlerweile in Quarantäne.

Im Landkreis Traunstein wurde bei einer Reiserückkehrerin eine Infektion ebenfalls mit der britischen Corona-Mutation nachgewiesen. Das Gesundheitsamt hat laut eigenen Angaben alle notwendigen Maßnahmen (Quarantäne, Ermittlung der Kontaktpersonen, weitere Testung usw.) getroffen. Bei einer weiteren Person, welche im Landkreis Traunstein einen Ferienwohnsitz hat, erfolgte ebenfalls ein positiver Ersthinweis auf eine Mutation. Die genaue Art der Mutation wird derzeit noch im Labor untersucht. Auch hier hat das Gesundheitsamt bereits alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet.

Während in Rosenheim nur ein Fall mit der südafrikanischen Virusvariante vorliegt, häufen sich die Meldungen aus dem Berchtesgadener Land. Am Donnerstag ist ein weiterer Fall der britischen Virus-Mutation in Laufen aufgetreten. Am Freitag wurden auch drei der im selben Haushalt lebenden Personen bei einem Schnelltest positiv getestet. Das Ergebnis der PCR-Tests steht noch aus, somit ist aktuell noch nicht bekannt, ob diese drei Personen ebenfalls mit der englischen Virusmutation infiziert sind. Zudem wurde bei sieben Beschäftigten der Kreisklinik wurde nach Angaben des Landratsamts die dänische Mutation festgestellt, berichtet dpa.

Zu dem am Mittwoch gemeldeten Fall einer infizierten Patientin in der Kreisklinik liegt nun das Ergebnis der Sequenzierung vor. Bei ihr konnte hingegen die englische Mutante nachgewiesen werden.

Für Länder, in denen sich besonders ansteckende Varianten des Coronavirus stark ausgebreitet haben, gilt in Deutschland ab Samstag nun sogar eine weitreichende Einreisesperre. Das Kabinett beschloss am Freitag ein Beförderungsverbot für Fluggesellschaften, Bahn-, Bus- und Schiffsunternehmen bis zum 17. Februar, das aber zahlreiche Ausnahmen unter anderem für alle Deutschen und in Deutschland lebenden Ausländer sowie für Transitpassagiere und den Warenverkehr vorsieht, wie das Bundesinnenministerium der Deutschen Presse-Agentur auf Nachfrage bestätigte. Betroffen sind zunächst Großbritannien, Irland, Portugal, Südafrika und Brasilien, ab Sonntag auch die kleinen afrikanischen Staaten Lesotho und Estwani.

Erstmeldung:

Obwohl die Corona-Zahlen aktuell langsam zurückgehen und die ersten Menschen gegen Sars-CoV-2 geimpft wurden, zeigen sich Virologen und Politiker besorgt. Denn speziell die Corona-Mutationen aus Südafrika und Großbritannien bereiten Kopfzerbrechen. Die neuen Varianten gelten deutlich ansteckender als das ursprüngliche Coronavirus. „Es besteht jetzt die klare, reale Gefahr von Mutationen, die das Virus übertragbarer oder tödlicher oder resistenter gegen vorhandene Impfstoffe machen. Wir müssen schnell handeln“, sagte zum Beispiel UN-Generalsekretär António Guterres in dieser Woche und rief gleichzeitig zur Eile bei der weltweiten Verteilung von Corona-Impfstoffen.

Corona-Mutationen im Raum Rosenheim und Berchtesgadener Land

Bislang wurden acht Fälle der britischen Variante in München, Erding, Bayreuth, Passau sowie in den Landkreisen Landsberg am Lech und Dingolfing bekannt, teilte das Gesundheitsministerium am Mittwoch mit. Die Mutation aus Südafrika wurde bei einer Probe aus dem Landkreis Rosenheim festgestellt. Bei dem Betroffenen handelt es sich um einen Reiserückkehrer, der nach seiner Rückkehr wegen unklarer Beschwerden in einem Krankenhaus in der Region vorstellig und hier routinemäßig auf das Corona-Virus getestet wurde. Das Testergebnis fiel positiv aus. Bei der Genomsequenzierung konnte die Südafrikanische Mutation des Corona-Virus nachgewiesen werden. Der erste Test vor seiner Rückkehr war noch negativ gewesen.

Am Mittwoch, 27. Januar, wurde nun zudem bekannt, dass bei einer Routine-Untersuchung erstmals im Berchtesgadener Land eine Coronavirus-Mutation bestätigt wurde. Bei einer ambulanten Patientin der Kreisklinik Bad Reichenhall wurde eine Infektion mit einer Corona-Mutation festgestellt. Das Ergebnis der Sequenzierung lasse aktuell noch keinen definitiven Rückschluss auf die Art der Mutation zu, so das Landratsamt Berchtesgadener Land auf Anfrage von BGLand24.de. Es werde jedoch im Moment davon ausgegangen, dass es sich aller Wahrscheinlichkeit nach entweder um die britische oder die afrikanische Variante des Coronavirus handle.

Auch Virus aus Dänemark in Deutschland

Die Landratsämter in Ansbach und Neu-Ulm bestätigten außerdem Fälle des in Nerzen mutierten Virus aus Dänemark. „Informationen über einen gesicherten Nachweis der dänischen Variante in Proben aus Bayern liegen uns bislang nicht vor“, betonte ein Sprecher des Ministeriums. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) werde nun Proben von den betroffenen Gesundheitsämtern anfordern.

In Dänemark komme die Mutation nach der Massentötung der Pelztiere nur noch sehr selten vor, teilte das dänische Gesundheitsinstitut SSI erst am Mittwoch mit. Die Weltgesundheitsorganisation hatte Anfang November auch keine Hinweise auf erhöhte Risiken bei der Cluster-5-Variante des Virus gesehen. Schon gebildete Antikörper und Impfstoffe könnten allerdings etwas weniger gut wirken, hieß es damals.

Bundesregierung schließt weitere Reisebeschränkungen nicht aus

Um die weitere Verbreitung von Corona-Mutationen zu unterbinden, prüft die Bundesregierung derzeit mögliche Maßnahmen und schloss weitere Reisebeschränkungen nicht aus. Konkrete Pläne der Bundesregierung für weitere Reisebeschränkungen gibt es bislang noch nicht - Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat aber nach Angaben einer Sprecherin seines Hauses bereits Vorschläge für eine mögliche „Einschränkung von Reisemöglichkeiten“ gemacht.

Das Thema sei am Mittwoch auch im Kabinett besprochen worden, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin, Ulrike Demmer, in Berlin. Die Bundesregierung wolle jedoch diese Woche erst einmal die Ergebnisse der Abstimmung in Brüssel zu Reisen und Eindämmungsmaßnahmen auf europäischer Ebene abwarten. „Das schließt natürlich nationales Vorgehen nicht aus“, fügte Demmer hinzu.

Seehofer hatte am Dienstag der „Bild“ gesagt: „Die Gefährdung, die von den zahlreichen Virus-Mutationen ausgeht, verlangt von uns, dass wir auch drastische Maßnahmen prüfen und in der Bundesregierung diskutieren.“ Dazu gehörten „deutlich schärfere Grenzkontrollen“, besonders an den Grenzen zu Hochrisikogebieten, „aber auch die Reduzierung des Flugverkehrs nach Deutschland auf nahezu Null“.

Für die Einreise nach Deutschland gilt aktuell: Wer aus einem Corona-Risikogebiet kommt, muss sich nach der Ankunft testen lassen und sich vorsorglich in Quarantäne begeben. Außerdem ist eine elektronische Einreisemeldung vorgeschrieben. Strengere Regeln gelten für Menschen, die aus Gebieten mit besonders hohen Infektionsraten oder aus sogenannten Mutationsgebieten einreisen. Sie müssen den negativen Corona-Test schon bei der Einreise vorweisen können. Allerdings gibt es an den deutschen Landesgrenzen zur Zeit nur eine Schleierfahndung und keine stationären Grenzkontrollen. Das bedeutet in der Praxis, dass nicht jeder auffällt, der ohne Einreiseanmeldung und Corona-Test aus einem Hochrisikogebiet ins Land kommt.

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