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Leise Hoffnung auf weniger Autoverkehr

9-Euro-Ticket: Gibt es zu Pfingsten das große Chaos in der Region?

Ausflügler und Pendler schwenken auf den Schienenweg um: Das 9-Euro-Ticket bewegt die Massen.
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Ansturm: Schon am ersten Tag des 9-Euro-Tickets waren die Züge spürbar besser gefüllt.
  • Carina Zimniok
    VonCarina Zimniok
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Wegen des 9-Euro-Tickets könnte es in vielen bayerischen Ausflugsorten rund um Pfingsten noch voller werden als in den Vorjahren. Die Bahn stellt sich auf einen großen Andrang ein. Doch es gibt mancherorts auch eine leise Hoffnung –auf weniger Autoverkehr.

München – Es gibt eine Weisheit, mit der Thomas Baumgartner von der Tegernseer Tal Tourismus GmbH in das lange Wochenende startet. Und die geht so: „Ein voller Zug ist ein voller Zug.“ Mit vollen Zügen kennen sie sich aus am Tegernsee, in den Waggons der Bayerischen Regiobahn ist an Samstagen und Sonntagen selten ein Sitzplatz frei. Wenn jetzt durch das 9-Euro-Ticket noch mehr Tagesausflügler ins Tal kommen wollen, dann scheitern sie möglicherweise bereits am Münchner Hauptbahnhof – am Tegernsee selbst wird das Gedrängel vermutlich nicht schlimmer als sonst. Aber wer weiß: „Das ist eine große Wundertüte“, sagt Baumgartner.

Auf die möchte die Bayerische Regiobahn, die viele der klassischen Ausflugsziele in Oberbayern mit ihren Zügen bedient, vorbereitet sein. Mehr Züge können nicht eingesetzt werden, die Kapazitäten seien ausgereizt. „Wir fahren oft auf eingleisigen Strecken und haben an Bahnhöfen kurze Bahnsteige. Wir können die Fahrgäste ja nicht ohne Bahnsteig aussteigen lassen“, sagt eine Sprecherin. Aber: „Wir werden auf den Strecken mehr Personal an den Bahnsteigen einsetzen.“ So soll das Ein- und Aussteigen trotz Gedrängel reibungslos funktionieren.

Mehr Andrang, mehr Züge

Die Münchner S-Bahn und die DB Regio werden ihre Züge in Bayern wegen des zu erwartenden Andrangs verstärken, sagte eine Bahn-Sprecherin. Dennoch rate man Reisenden, „auch auf weniger stark nachgefragte Verbindungen außerhalb der Stoßzeiten zurückzugreifen“. Die DB Regio Bayern warnt vor „einer zusätzlich erhöhten Auslastung“ in Regionalzügen zu Touristenorten wie Kochel am See, Garmisch-Partenkirchen, Oberstdorf und Lindau am Bodensee. In Express-Zügen wie von München nach Nürnberg oder von Würzburg nach Bamberg könne es wegen des 9-Euro-Tickets ebenfalls voll werden. Im Raum Berchtesgaden rechnet der Tourismusverband mit zahlreichen zusätzlichen Gästen aus den näheren Ballungsräumen München und Rosenheim.

In Garmisch-Partenkirchen weist eine Sprecherin der Zugspitzbahn – dort sind klassische Stoßzeiten nichts neues – auf ein mögliches Nadelöhr hin: Das 9-Euro-Ticket ist nur bis Grainau gültig. Dort muss ein Bergbahnticket für die Zahnradbahn bis zur Zugspitze gelöst werden. Der örtliche Tourismus-Chef Michael Gerber bittet schon mal um Verständnis für längere Wartezeiten. Er hofft aber, dass viele Besucher das Auto stehen lassen. „Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln reisen unsere Gäste nicht nur nachhaltiger, sondern auch stressfreier an, indem sie Staus und eine lange Parkplatzsuche vermeiden.“

Weniger Autoverkehr – das wäre rund um den Kochelsee im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen dringend nötig, sagt der zuständige Bürgermeister Thomas Holz. „Sonst platzt unsere Region wirklich aus allen Nähten. Dann wird es für die Bürger unerträglich.“ Zuletzt hatte die Gemeinde am Walchensee immer wieder mit Staus und Falschparkern zu kämpfen gehabt.

Prien: Kein Chaos zu erwarten

Auch in Prien am Chiemsee hegt Tourismuschefin Andrea Hübner leise Hoffnung, dass am langen Wochenende weniger Autos durch den Ort fahren als sonst. Sie rechnet mit mehr Ankünften am Bahnhof – aber nicht mit einem Chaos: „Wir haben schon jetzt viele Gäste, die mit dem Zug ankommen, dann mit der Bockerlbahn zu den Schiffsanlegestellen fahren.“ So überlaufen wie am Tegernsee sei es in Prien jedoch selten. Und Fraueninsel und Herreninsel seien ohnehin auf sehr viele Besucher eingestellt.

Mancherorts herrscht aber Skepsis, ob sich die Hoffnung auf weniger Autoverkehr erfüllt. „Mit dem günstigen Ticket geht ja keine Qualitätsverbesserung im öffentlichen Nahverkehr einher“, sagt Füssens Tourismusdirektor Fredlmeier. „Verbindungen werden nicht dadurch besser, dass sie zeitlich begrenzt billiger angeboten werden.“

Der ADAC rechnet jedenfalls damit, dass es auf den Straßen Bayerns rund um Pfingsten voll wird. „Auf die großen Reisewellen Richtung Süden wird das 9-Euro-Ticket keine Auswirkungen haben“, sagt ein Sprecher. Urlaubsziele in Österreich, Italien oder Kroatien würden schließlich weiter „vorwiegend mit dem Auto angefahren“. Besonders kritisch und besonders voll wird es am Pfingstwochenende wahrscheinlich auf der A10 Tauernautobahn. Vom heutigen Freitag bis Montag jeweils von 6 bis 22 Uhr werden mehrere Abfahrten in der Region Salzburg gesperrt, damit der Ausweichverkehr nicht durch die Anrainergemeinden fährt.