Erschütternde Brutalität

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Seit gestern wird eines der brutalsten Verbrechen in Bayern der vergangenen Jahre vor Gericht verhandelt. Im Prozess um den mutmaßlichen Doppelmord von Höfen will zunächst nur einer der vier Angeklagten sprechen. Doch dazu kommt es nicht.

Doppelmord-Prozess

Von Dominik Göttler

München – In Handschellen wird Robert P. in den Gerichtssaal geführt. Der 44-jährige, laut Anklage die treibende Kraft hinter dem brutalen Raubmord von Höfen (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen), ist ein bulliger Typ. Das schwarzes Sakko spannt an den breiten Schultern des ehemaligen Fitnesstrainers. Den Kopf hat er sich kahlrasiert, nur einen kurzen Bart stehen gelassen. Grimmig blickt er durch seine schmale Brille den Fotografen entgegen, die im Gerichtssaal der JVA Stadelheim auf ihn gewartet haben. Doch als er Platz nimmt, gibt er seiner Dolmetscherin einen Handkuss.

Das ist also der Mann, der mit zwei Komplizen und der Hilfe seiner Schwester für den Tod zweier Menschen und die schweren Verletzungen einer damals 76-jährigen Rentnerin verantwortlich sein soll. Der Mann, der seinen Kompagnon noch verhöhnt haben soll, während beide wie wild mit Schraubenzieher und Uhrengewicht auf den Kopf der Rentnerin einprügelten, weil ihm der Bekannte nicht fest genug zuschlug. All das aus Habgier, so die Anklage, weil die drei Einbrecher wussten, dass im Haus der Seniorin Schmuck, Gold und 60 000 Euro in bar auf sie warteten.

16 Monate ist es her, dass der kleine Weiler Höfen von dem brutalen Verbrechen aufgeschreckt wurde. Erst drei Tage nach der Tat vom 22. Februar 2017 wurde die damals 76-jährige Seniorin gefunden. Bewusstlos, unterkühlt, ausgetrocknet. Vier Wochen lag sie im künstlichen Koma. Für ihre Gäste, die zum Tatzeitpunkt zu Besuch waren, einen 81-jährigen Mann aus Nordrhein-Westfalen und eine 76-jährige Frau aus Hessen, kam jede Hilfe zu spät. Sie starben an den schweren Verletzungen. Der Sohn der Frau aus Hessen sowie die Überlebende treten bei dem Prozess als Nebenkläger auf. Am ersten Verhandlungstag sind jedoch nur ihre Anwälte anwesend. Ob die Hausbesitzerin als Zeugin aussagen kann, ist noch offen, sagt ihr Anwalt. Ihr gehe es schlecht, sie leide nach wie vor massiv unter den Folgen der Tat.

Vier Personen sitzen in München auf der Anklagebank, alle stammen aus Polen. Robert P., dessen Schwester Malgorzata L., die als Pflegerin im Haushalt der Höfenerin gearbeitet hatte und ihrem Bruder laut Anklage den Tipp gab, dass dort etwas zu holen sei. Außerdem ihr 25-jähriger Sohn und der 34-jährige Jakub G., die beide am Tatabend mit in das Haus eingestiegen seien sollen. Für die drei Männer lautet die Anklage auf Mord, bei der ehemaligen Pflegerin auf versuchtem Mord.

Mit gesenkten Häuptern verfolgen sie, wie Staatsanwältin Ines Wießner die Anklageschrift vorträgt. Sie wirft dem Trio vor, möglicherweise schon mit dem Plan, die Seniorin zu töten, zu ihrem Haus gefahren zu sein. Laut Anklage stellten die Komplizen erst vor Ort fest, dass die 76-Jährige nicht alleine war. Trotzdem stiegen sie in das Haus ein und begaben sich zuerst ins Gästezimmer, in dem die hessische Besucherin schlief. Mit einem Schraubenzieher und einem metallenen Uhrengewicht aus dem Haus schlugen Robert P. und Jakub G. auf die Frau ein, bis sie bewusstlos war. Diese brutale Vorgehensweise wiederholten sie im zweiten Schlafzimmer, in dem sich die Hausbesitzerin und der 81-Jährige befanden. Weil die Frau danach nicht mehr ansprechbar war und der Tresor-Schlüssel auch von dem 81-Jährigen trotz heftigster Misshandlungen nicht zu bekommen war, flüchteten die Männer schließlich mit diversen Wertsachen und dem kompletten 44-Kilo-Safe. Ihre Opfer ließen gefesselt oder im Keller eingesperrt zurück.

Mehrere Zuschauer halten sich die Hand vor den Mund, als die Staatsanwältin die grausamen Details vom Tatabend schildert. Kaum Regung auf der Anklagebank. Die Verteidiger von Robert P. geben im Anschluss lediglich eine Erklärung ab, in der sie kritisieren, dass ihr Mandant einer medialen Vorverurteilung ausgesetzt gewesen sei. Es sei sachlich nicht gerechtfertigt, dass sein Mandant bereits vor dem Prozess als Haupttäter abgestempelt wurde, sagt Anwalt Benjamin Ruhlmann am Rande der Verhandlung. Ob Robert P. sich im Lauf des Verfahrens noch äußern werde, ließ er offen. Seinem Gutachter hatte P. in Haft allerdings schon berichtet, dass er am Tattag, wie so oft, unter Drogen gestanden habe. Wegen Diebstählen sei er bereits mehrere Jahre in Haft gewesen.

Sprechen will am ersten Prozesstag nur Jakub G. Doch zu seinen Ausführungen über den Tatabend kommt es nicht mehr. Nach langer Unterbrechung, weil Robert P. Medikamente gegen eine bakterielle Infektion im Magen benötigt, wird die Aussage auf die kommende Woche vertagt.

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