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Erntefahrt des Bauernverbands

Sind Brezn und Weißbier in Gefahr?

Unwetter
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Unwetter über einem Getreidefeld
  • Claudia Möllers
    VonClaudia Möllers
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Wie sieht es um die Ernte in Bayern nach einer Mischung von Trockenheit und Unwettern aus? Nach der Erntefahrt mit Bayerns Agrarministerin Michaela Kaniber gibt es einen ersten Überblick.

München – „Der steht ja wie ein Urwald“, staunt Günther Felßner, Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbands, als er im Maisfeld von Bernhard Hartl in Lengdorf im Kreis Erding steht. Saftig grün mit stark ausgeprägten Kolben ragen die Maispflanzen weit über den Kopf des großgewachsenen Bauernlobbyisten hinaus. Auch Hermann Greif, Getreidepräsident des Bauernverbands und wie Felßner aus dem Norden Bayerns, ist verblüfft: „Bei uns in Franken reicht der Mais maximal bis zu Hüfte und hat dünne, eingerollte Blätter.“

Bayern ist zweigeteilt

Bayern ist in der Ernteerwartung mal wieder zweigeteilt, wie die Erntepressefahrt von Bayerischem Bauernverband (BBV) und bayerischem Landwirtschaftsministerium gestern zeigte. Während Getreide und andere Ackerfrüchte im Süden gut dastehen – abgesehen von den Feldern, die von heftigen Starkniederschlägen verwüstet worden sind –, ist die Ernte in den nördlichen Regionen Bayerns „von massiver Trockenheit“ bedroht, wie Greif erklärt.

Tischtennis-Hagelkörner

„Tischtennisball große Hagelkörner“ hatten, so erinnert Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, am Pfingstsonntag auf einem 300 Kilometer langen Landstrich von Günzburg bis nach Bad Füssing Totalschäden bei Mais, Getreide und Rüben verursacht. „6000 einzelne Felder mussten durch Sachverständige begutachtet werden.“ Die Wetterkapriolen zeigten, wie sehr die Landwirtschaft von Klima-Risiken betroffen sei. „Franken ist Bayerns Hotspot in Sachen Trockenheit – wir haben eine Niederschlagssituation wie in Jordanien.“ Bayern schütze seine Bauern durch eine Mehrgefahren-Versicherung.

Ernte wird unterdurchschnittlich ausfallen

Insgesamt wird es in Bayern wegen der unterschiedlichen Wetter-Verhältnisse nur eine unterdurchschnittliche Ernte geben. Dabei könnten die Ernte-Erträge höher ausfallen – wenn der Bund den Anbau von Brotgetreide auf der Pflichtbrache erlaubt hätte. Laut Kaniber hätte so zusätzlich auf 170 000 Hektar Getreide angebaut werden können. „Es ist eine moralische Bankrotterklärung, dass die Ampel lieber ideologische Prinzipienreiterei betreibt, als pragmatische Hilfen anzupacken“, schimpft die Ministerin.

Von dem dort angebauten Getreide hätten sich drei Millionen Menschen ein Jahr lang ernähren können. Bundesagrarminister Cem Özdemir habe die Chance verpasst, die Getreideproduktion anzukurbeln. Auch Felßner pflichtet bei: „Jede Tonne Weizen, die mehr erzeugt wird, hilft im globalen Kampf gegen den Hunger und schwächt Putin.“ Ohne Landwirtschaft könne die mit dem Ukraine-Krieg einhergehende Versorgungskrise nicht gelöst werden.

Rohstoffe für Brezn und Weißbier vorhanden

Die deutschen Verbraucher bräuchten sich aber laut Felßner trotz der weltweit schwierigen Lage nicht zu sorgen: „Rohstoffe für Brezn und Weißbier sind nicht in Gefahr.“ Die Landwirte allerdings drängen die Politik, möglichst bald Entscheidungen zu treffen, ob im kommenden Jahr das Aussetzen der Pflichtbrache und der Fruchtfolgeregelung ermöglicht werden – denn jetzt planten die Bauern ihren Anbau für die Ernte 2023.

Getreidepreise fallen wieder

Während die Getreidepreise nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine zunächst stark angestiegen sind, fallen die Preise „nun etwas zusammen“, berichtet BBV-Getreidepräsident Greif. Eine Entwicklung, die Bauer Bernhard Hartl erzürnt. „Das ist doch merkwürdig, dass die Preise gerade jetzt zur Erntezeit runtergehen.“ Kleinere Betriebe, die ihr Getreide nicht lagern und auf bessere Preise warten könnten, müssten jetzt verkaufen. Auch Greif findet den Kursrückgang angesichts der weiterhin engen weltweiten Versorgungssituation „überraschend hoch“.

Die Fahrt nach Lengdorf wäre die letzte Ernte-Pressefahrt von Bauernpräsident Walter Heidl gewesen, der im Oktober aus dem Amt scheidet. Wegen einer Corona-Erkrankung konnte er nicht kommen. Kaniber dankte ihm ausdrücklich: „Er ist ein starker Kämpfer für die Landwirtschaft.“

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