Augenzeugen berichten

Video dokumentiert Erschütterung: Erdbeben im Inntal im Raum Kufstein und Kiefersfelden

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Auch Kilometer um das Epizentrum bei Kufstein war das Erdbeben deutlich zu spüren. 
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  • Moritz Kircher
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  • Janina Sgodda
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  • Johannes Thomae

Im Raum Kufstein hat es in der Nacht auf Mittwoch ein leichtes Erdbeben gegeben. Die Erschütterungen des Bebens waren bis Oberaudorf zu spüren. Das ganze Haus habe gewackelt, schildert eine Augenzeugin aus Kiefersfelden. Wie stark war das Erdbeben? Eine Einordnung.

  • Erdbeben in der Nacht auf Mittwoch um 1.35 Uhr im Inntal südlich von Kufstein (Tirol)
  • Stärke von 3,9 auf der Magnitudenskala (sehr leicht)
  • Erdstöße auf Video zu hören
  • Betroffene berichten vom Erlebnis Erdbeben

Update um 14.50 Uhr: Betroffene aus der Region berichten vom Erdbeben

"Ich bin vom Rütteln wach geworden", erzählt Andrea Weber (57) aus Kufstein vom nächtlichen Erbeben. Sie habe sich aber keine Sorgen gemacht, weil ihr Hund nicht beunruhigt zu sein schein. "Es heißt ja immer, dass die Tiere da sensibler sind als wir Menschen. Sie sei dann wieder schlafen gegangen.

"Eine Freundin von mir, die im vierten Stock wohnt, war schon drauf und dran sich anzuziehen, weil da das Haus richtig geschwankt hat", berichtet Irmgard Dippennaar (65) aus Hopfgarten im Brixental (Tirol). Sie selbst habe das Erdbeben ein paar Stockwerke darunter als "starkes Rütteln" erlebt. Ähnlich wie ein vorbeifahrender Laster, der das Haus zum Beben bringt.

Maria Leipert (72) aus Kiefersfelden sagt: "Es war schrecklich." Schlimmer als das Schütteln sei der Krach gewesen, den das Erdbeben verursacht habe. Im ersten Moment habe sie gedacht, die Heizung im Haus sei explodiert. Nach dem Beben habe sie das Haus inspiziert. "Aber da war alles in Ordnung." Ihre Tochter, die in der Nähe wohnt, hat das Beben mit einer Überwachungskamera aufgezeichnet. Die Geräusche der Erschütterungen sind darauf deutlich zu hören.

Ton an: Das Erdbeben ist auf diesem Überwachungskamera-Video gut zu hören

"Es war genau um 1.35 Uhr, mein Mann hat auf die Uhr geschaut, weil das Bett so gerüttelt hat", berichtet Petra Jennerwein (47) aus Kiefersfelden. "Für den Augenblick hat man da schon Herzrasen, aber es war ja ganz schnell vorbei." Ihr Mann habe dann gleich gescherzt, dass das wohl die ersten Tunnelarbeiten für den Brenner-Nordzulauf gewesen sein müssen.

Maria Gerloff (70) aus Kiefersfelden hat sich zuerst gefragt, ob sie das gerade geträumt hat, als die Erstöße sie aus dem Schlaf gerissen haben. Aber auch ihre Tochter habe das Beben mitbekommen. Sie hat das die Stöße am Klirren von Parümflaschen bemerkt.

Update 13 Uhr: 

Viele, die das Erdbeben mitbekommen hatten, suchten noch in der Nacht nach anderen Betroffenen. Weil es kaum offizielle Informationen gab, vor allem in privaten WhatsApp- oder Facebook-Gruppen. 

In der Gruppe „Wir Kufsteiner“ häuften sich schon nach wenige Minuten die Kommentare unter einem Posting von Melanie K. mit dem Titel „Hallo zusammen, war gerade a Erdbeben??? Habt ihr das auch gemerkt??“. 

Stand Mittwochmittag antworten darauf in den kommenden Stunden knapp 300 Menschen und berichten von ihrem Erlebnis mit dem Beben. So schreibt Alexandra L.: „Bin total aus dem Schlaf aufgeschreckt, dachte erst es wär eine Explosion oder irgendwas mit dem Gebäude, bis ich gelesen hab, dass es andere auch so wahrgenommen haben.“ 

Erfahrungsaustausch auf Facebook

Schlaftrunken wie die meisten Kufsteiner waren, kamen ihnen auch Gedanken wie „Ich dachte, jemand ist ins Haus gefahren“ oder „am Ende ist die Waschmaschine explodiert“ in den Sinn, bevor klar war, dass sie durch ein Erdbeben geweckt worden waren. 

Facebook-Userin Claudia W. veröffentlicht dazu ein Foto, das eine Küche mit aus den Schränken gefallenen Lebensmitteln und einem massiven Riss in der Wand zeigt.

Eine Facebook-Userin erlebte 2016 das Erdbeben in Italien mit Stärke 6 und teilte das Bild in der jüngsten Erdbebennacht. 

Wie sich herausstellt, ist die Aufnahme aber aus dem Jahr 2016 und zeigt die Schäden nach einem Erdbeben in Italien

Auch ein paar Kilometer weiter greifen Menschen mitten in der Nacht zum Handy und beginnen sich auf Facebook auszutauschen. In der Gruppe „Oberaudorf do san ma dohoam....." schreibt Marina M.: „Ich habe mich mega erschrocken. Das Haus hat so heftig gewackelt, dass ich dachte, es fällt in sich zusammen“. 

Während manche von von fast erstaunlich entspannten Hunden und Katzen berichten, schienen Vögel auf das Beben recht empfindlich zu reagieren.

Auch, wenn das bei Facebook-Kommentaren nicht immer der Fall ist – die nächtliche Talk-Runde auf Facebook blieb durchweg gelassen. Man alberte herum und stieß schließlich sogar gemeinsam auf die "Kufsteiner Erdbeben-Nacht" an. 

Update 10.30 Uhr: "Ein unheimliches Grollen"

Unwirkliche Stille – und dann ein unheimliches Grollen. „Dann hat sich das Bett spürbar mehrere Sekunden hin und her bewegt“, so hat OVB-Redakteurin Eva-Maria Gruber zuhause im Hochtal Mühlau, Gemeinde Kiefersfelden, das nächtliche Erdbeben erlebt.

Der Eindruck war so gewaltig, dass sie im ersten Moment dachte, im Speicher sei ein Balken gebrochen, wird doch gerade das Dach des Wohnhauses aufgrund des Schneedrucks im vergangenen Jahr repariert. „Glücklicherweise war dies nicht der Fall.“

Das Seismogramm des österreichischen Erdbebendienstes zeichnete das Beben gegen 01.35 Uhr Europäischer Zeit auf. 

Die Erstmeldung zum Erdbeben von 7.30 Uhr

Der österreichische Erdbebendienst ZAMG meldet: Am Mittwoch, 23. Oktober, ereignete sich nachts um 1.35 Uhr fünf Kilometer südöstlich von Kufstein in Tirol ein Erdbeben, das eine Magnitude von 3,9 aufwies (Anm.: umgangssprachlich 3,9 auf der Richterskala).

Erdbeben im Epizentrum stark wahrgenommen

Das Erdbeben wurde laut ZAMG von der Bevölkerung in einem Umkreis von etwa 35 Kilometern verspürt. Im Epizentrum wurden die Erschütterungen teilweise stark wahrgenommen und aufgewachte Personen sind erschrocken, so der Bericht der Erdbeben-Experten aus Österreich.

In diesem Gebiet wurde auch vereinzelt angegeben, dass sich kleine Objekte etwas verschoben haben. Der Erdbebendienst der Zentralanstalt für Metereologie und Geodynamik (ZAMG) hat aus der Bevölkerung bisher mehr als 200 Meldungen erhalten. Strukturelle Gebäudeschaden seien nicht zu erwarten, so die Meldung.

Was das Erdbeben ausgelöst hat, ist bislang nicht bekannt. Erdbeben kommen in der Regel vor, weil die Alpen ständig in Bewegung sind.

Einordnung: Wie stark war das Erdbeben in Kufstein?

Ein Erdbeben mit einer Magnitude (Stärke) von 3,9 gilt laut der sogenannten Richterskala als "sehr leichtes" Beben (3,0 bis 4,0). Die Auswirkungen sind für die Menschen in der betroffenen Region spürbar. Es treten aber in der Regel keine Schäden an Gebäuden, Straßen oder Brücken auf. Gebäudeschäden sind der Regel erst bei Beben der Stärke 5 bis 6 zu erwarten.

Die Richterskala reicht von "kleiner 2" (Mikrobeben) bis "größer 10" (globale Katastrophe). Ein Beben der Stärke 10 und größer wurde weltweit bisher noch nicht registriert. Erdbeben der Stärke 3 bis 4 kommen weltweit jährlich rund 49.000 mal vor. Ab einer Magnitude von 4 Skala bewegen sich im Erdbeben-Gebiet Zimmergegenstände durch die Erschütterungen, und es sind Erschütterungsgeräusche hörbar.

Eine Augenzeugin aus Kiefersfelden berichetet

"Es war ganz schön heftig zu spüren", schreibt eine Leserin aus Unterkiefer (Kiefersfelden) auf unserer Facebookseite über das Erdbeben. Sie sei um 1.36 Uhr durch einen lauten Knall aufgewacht. Danach habe "das ganze Haus gewackelt und alles hat geklirrt". Die Erschütterungen durch das Erdbeben hätten drei bis vier Sekunden gedauert. Dann war alles vorbei.

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