MAßNAHMEN GEGEN PFLEGEMANGEL UND WOHNUNGSNOT: ERSTE SCHRITTE FÜR SOZIALPOLITISCHEN RICHTUNGSWECHSEL

„Endlich kümmert sich Politik um die heißen Eisen“

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

München – 8000 zusätzliche Fachkräfte in Pflegeheimen – das klingt auf den ersten Blick vielversprechend.

Doch das, was bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin als Sofortmaßnahme gegen die Pflegekatastrophe präsentiert wird, kann Georg Falterbaum allenfalls einen kurzen Applaus abringen. Für den neuen Direktor des Caritasverbands der Erzdiözese München und Freising, der heute sein Amt als Nachfolger von Prälat Hans Lindenberger antritt, ist die Berliner Ankündigung allenfalls ein Anfang.

Heruntergerechnet auf sein Zuständigkeitsgebiet würden in Oberbayern gerade einmal 20 zusätzliche Pflegekräfte eingesetzt. Das reiche angesichts einer älter werdenden Gesellschaft bei Weitem nicht aus. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber „endlich“ kümmere sich die Politik in Berlin und München um die heißen Eisen Pflege und Wohnungsnot. „Zwei Themen, die uns als Sozialverband schon lange beschäftigen. Wenn wir bei beiden Themen nicht endlich nachhaltig handeln, steuern wir mit Pflegenotstand und Wohnungsnot schnurstracks in eine Situation, die den sozialen Frieden in unserem Land gefährden kann“, sagte Falterbaum in München.

Die Caritas im Erzbistum, die derzeit 4000 Mitarbeiter in der ambulanten und stationären Pflege beschäftigt, könnte problemlos doppelt soviel Personal sinnvoll unterbringen – die Frage ist nur: Wer bezahlt das? Und mindestens ebenso schwierig: Woher sollen die Pflegekräfte kommen? „Der Fachkräftemangel beschäftigt uns schon jetzt täglich. Denn der Markt gibt nicht genug qualifizierte Pflegefachkräfte her“, so Falterbaum. Der Diplomkaufmann – erstmals steht an der Spitze des Caritasverbands kein Kleriker – berichtete, dass die Caritas gerade 25 hoch qualifizierte Pflegekräfte auf den Philippinen gewonnen habe. „Viel besser wäre es, wenn wir die hier aus unseren Reihen finden könnten“, so Falterbaum. Als Hauptgrund für den Fachkräftemangel nennt er „das nicht angemessene Image der Altenpflege, die herausfordernden Arbeitsbedingungen mit Schichtdienst und hoher Belastung durch viele Sterbefälle, aber auch fehlender und bezahlbarer Wohnraum“.

Der 54-Jährige begrüßt Überlegungen zu einem flächendeckenden Tarifvertrag in der Pflege. „Da sind wir sofort dabei.“ Um mehr Geld ins System zu bekommen, müsse der Staat wie in Skandinavien mehr Steuergelder dafür einsetzen. Auch von der Landesregierung erwartet die Caritas mehr sozialpolitisches Engagement. Man sehe einen Richtungswechsel in der CSU, so der neue Caritasdirektor im Hinblick auf die Ankündigung des designierten Ministerpräsidenten Markus Söder, den sozialen Wohnungsbau anzukurbeln. Söder hatte erklärt, über eine staatliche Baugesellschaft 2000 Wohnungen zu errichten. Dieses Ziel nennt Falterbaum aber „nicht gerade ehrgeizig“ – zumal Söder vor wenigen Jahren ohne Not 30 000 bezahlbare GBW-Wohnungen verkauft habe. Claudia Möllers

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Kommentare